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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

Recherchen Im Fall Willi Herold: Auf den Spuren eines Massenmörders

17.11.2015

Berne In der Gedenkstätte Esterwegen im Emsland ist Karsten Krogmann zum ersten Mal auf Willi Herold, den „Mörder mit der Ordensbrust“, gestoßen. Dokumente, darunter die damaligen Vernehmungsprotokolle, Bücher und andere Unterlagen hat er gewälzt und sich später auch Originalschauplätze angeschaut. Das berichtete der NWZ -Redakteur am Sonnabend in der Kulturmühle. Im Zuge der Berner Bücherwochen war Krogmann von Bücherwochen-Initiator Reinhard Rakow gebeten worden, über seine Recherchen und die daraus entstandene, 2014 in der NWZ  veröffentlichte Reportage zu berichten.

Willi Herold, ein 19-jähriger Schornsteinfegerlehrling aus Lunzenau bei Chemnitz, hatte in einem Auto eine Hauptmannsuniform gefunden. Herold schlüpfte hinein, sie passte tadellos. Herold lief weiter, und schon bald sprang ein Gefreiter aus der Straßenböschung: „Herr Hauptmann! Herr Hauptmann!“

So sammelte der Mann in falscher Uniform eine neue Einheit zusammen, die Kampfgruppe Herold. Man konfiszierte Waffen. Im Lager 2 (Aschendorfermoor) stellte sich Herold als „Standgericht“ vor, ausgestattet mit „allen Vollmachten“ des Führers. Insgesamt richteten Herold und seine Leute mehr als 150 Menschen hin, in Aschendor-fermoor und weiter auf ihrem Zug nach Norden. „Niemand stoppte ihm, niemand verlangte nach Legitimationen, die Hauptmannsuniform legitimierte Herold hinreichend“, erzählte Krogmann.

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Warum konnte dies geschehen? Dazu hatte Krogmann eigene Vermutungen. Das Chaos der letzten Kriegstage habe ein solches Vorgehen ebenso begünstigt wie der „Kadavergehorsam“ vor der Uniform, die Gruppendynamik der Kampfgruppe und schließlich das Desinteresse an den Eingesperrten. „Die sterbenden Häftlinge waren allen egal, die waren ja verurteilt und somit zu Recht dem Tode ausgesetzt“, meinte Krogmann.

Karsten Krogmann berichtete weiter, dass es nach der Veröffentlichung seiner Reportage „Der Mörder mit der Ordensbrust“ gelungen ist, zumindest ein Herold-Opfer zu identifizieren. Darüber schrieb Krogmann einen zweiten Text: „Mein Vater, Häftling Nr. 914/43“.

Viel Lob gab es für den Referenten für den aufschlussreichen Vortrag. Im Anschluss wurde – auch mit Blick auf die aktuellen Ereignisse in Paris, wo ebenfalls willkürlich Menschen erschossen worden sind – lebhaft diskutiert, was für Lehren aus dem Fall Herold zu ziehen sind.

Torsten Wewer Kanalmanagement / Redakteur
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