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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

Aktivist erzählt: „Die Hälfte meiner Freunde starb“

08.06.2019

Berne Harte Worte zum Einstieg: „Am liebsten hätten CSU-Politiker wie Seehofer und Gauweiler in den 1980er Jahren Lager errichtet, um darin alle Infizierten zu inhaftieren und Aids galt als eine Schwulenseuche. Die Hälfte meiner Freunde beging in dieser Zeit Selbstmord oder starb an der Immunschwächekrankheit“, erzählte Ulf Berner beim ersten „Regenbogenempfang“ in der Wesermarsch einige der Gründe auf, die ihn als Homosexuellen damals zum Aktivisten werden ließen.

Der Wilhelmshavener gehörte mit zu den Gründungsmitgliedern von „Queerströmung“, einem Verein, der im Nordwesten vernetzt, berät und für Gleichberechtigung kämpft. Der 54-Jährige geht als Grüner Kreisvorstandssprecher dahin, wo es weh tut, wie er sagt. Sorge bereitet Berner der aktuell in vielen Bereichen spürbare Rechtsruck.

Genau wie der stellvertretende Landrat Dieter Kohlmann, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Ulla Bernhold, die Grünen-Landtagsabgeordnete Julia Hamburg und zahlreiche Gäste nahm er an der Veranstaltung teil, zu der die Bündnis 90/Die Grünen in die Berner Kulturmühle zum Thema Homosexualität eingeladen hatten.

Marcus Schellstede, Parteimitglied im Braker Stadtrat und im Kreistag, hatte den Regenbogenempfang in der Wesermarsch gefordert, nachdem man ihm verweigerte, anlässlich des 50. „Stonewall-Jahrestages“ an den öffentlichen Gebäuden der Stadt symbolisch die Regenbogenflagge zu hissen. In der New Yorker Bar wurde damals nach Ausschreitungen der Grundstein der Schwulen- und Lesbenbewegung gelegt.

„Irgendwann werden wir von unseren Müttern in die Welt gesetzt. Und dabei kann sich keiner aussuchen als was“, stieg Dieter Kohlmann als erster Redner in das Thema ein. Obwohl im Grundgesetz festgeschrieben, war die Gleichberechtigung von Mann und Frau nicht selbstverständlich. Viele Rechte gab es erst später. Ein genauso langer Prozess sei es, bis die Ehe für alle in der Gesellschaft ankomme und dieser erfordere Arbeit und Toleranz auf beiden Seiten. „Der erste Regenbogenempfang ist etwas, um die Gesellschaft zu sensibilisieren“, lobte der stellvertretende Landrat.

Als sie Anfang der 1990er Jahre ihre Arbeit als Gleichstellungsbeauftragte aufnahm, war der Begriff „queeres Leben“ noch gar nicht bekannt und Homosexualität tabu. Erst gesetzliche Neuerungen, wie 2001 das Lebenspartnerschaftsgesetz und 2017 schließlich die Ehe für alle, ermöglichte gleichgeschlechtlichen Paare eine anerkannte, gesetzlich gesicherte und geschützte Lebensverbindung eingehen. Trotzdem gebe es noch einiges zu tun.

Es sei längst nicht normal im ländlichen Raum, einfach das zu leben, was man ist, kritisierte Julia Hamburg. Auch wenn es in Städten wie Oldenburg oder Bremen bereits Anlaufstellen gebe, sei es angesichts mangelnder Mobilität gerade für Jugendliche auf dem Land wichtig, diese auch auf kommunaler Ebene zu schaffen. Wichtig sei auch das Sichtbarmachen von Straftaten gegen Homosexuelle. Peer-Groups, wie in Emden, Meppen oder Aurich könnte sich Ulf Berner auch als Anlaufstellen in der Wesermarsch vorstellen. Sie seien im Jugendalter wichtig und böten Hilfe auf Augenhöhe.

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