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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

„Einstieg ist mir leicht gemacht worden“

03.01.2018

Berne „An meinem ersten Arbeitstag bin ich aus alter Gewohnheit zuerst in mein bisheriges Büro gegangen.“ Hartmut Schierenstedt, seit 1. Oktober Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Berne, sitzt nun im großen, hellen Büro unterm Dach des Rathauses am Breithof und kann, gut 90 Tage im Amt, über seinen Umweg auf dem Weg nach oben schmunzeln.

Hartmut Schierenstedt, 58 Jahre alt, krönt seine berufliche Karriere nun mit einer neuen Herausforderung: Als Lehrling hat er 1976 im Berner Rathaus angefangen, am Ende seiner Dienstjahre verlässt er das Verwaltungsgebäude 2024 als Hauptverwaltungsbeamter (so heißt das im Amtsdeutsch). Eine keineswegs selbstverständliche Verwaltungskarriere.

Doch bis er das Rentenalter erreicht hat, liegt viel Arbeit vor dem „Berner Jung“. Noch befindet er sich in der Phase, sich mit vielen Menschen innerhalb und außerhalb der Gemeinde zu treffen – viele davon kennt er seit langem, aber die Begegnungen sind nun anders, seitdem er von den Bernern mit einer Stimme Vorsprung vor Sönke Martens am 24. September zu ihrem Bürgermeister gewählt worden ist. „Als Verwaltungsangestellter hatte ich 39 Pflichtstunden in der Woche zu arbeiten, als Beamter sind es nun 40. Aber ich komme zurzeit auf häufig mehr als 70 Stunden“, zeigt er einen deutlichen Unterschied zu seiner bisherigen Tätigkeit auf. „Es fallen jetzt viele Abendtermine und viele weitere Besprechungen an“, erklärt er das gestiegene Arbeitspensum.

Aber Hartmut Schieren-stedt betont überzeugend, „das Wohlbefinden ist noch da und die Freude über den, wenn auch knappen Wahlsieg auch“. Er ist, will er damit sagen, in seinem neuen Amt angekommen. „Der Einstieg ist mir aber auch leicht gemacht worden“, fügt Schierenstedt schnell hinzu. „Die Kolleginnen und Kollegen aus dem Rathaus haben den Wechsel vom ersten Moment an akzeptiert und mein Vorgänger Franz Bittner hat mir ein geordnetes Haus hinterlassen.“

Deshalb wird es, zumindest vorerst, wenig erkennbare Veränderungen im Rathaus geben. Das „tolle Team“ mit den beiden Führungskräften Michael Heibült und Anke Egenhoff soll bestenfalls noch ergänzt werden. Für seinen bisherigen Tätigkeitsbereich in der Bauverwaltung etwa wird ein Nachfolger gesucht – aber diese Person wird realistischerweise nicht vor Sommer 2018 anfangen können. Bis dahin wird Schierenstedt diesen Bereich, unterstützt von weiteren Mitarbeitern, noch weiter mit betreuen. Insofern war sein „Fehltritt“ am ersten Tag nicht wirklich einer: Er ist nach wie vor stundenweise in seinem alten Büro tätig.

Vorstellung bei den Bürgermeistern in der Wesermarsch und in vielen Gremien, in denen die Gemeinde vertreten ist, Gespräche mit Gewerbetreibenden in der Gemeinde, Eröffnung von Weihnachtsmärkten, Besuche von Vereinen und Verbänden – Hartmut Schierenstedt sieht das nicht als Belastung. „Bürgermeister-Sprechstunde ist jeden Tag, nicht nur am Donnerstag“, lautet sein Versprechen an die Bürger – auch an diejenigen, die ihn nicht gewählt haben.

Bürgernähe will er praktizieren, durch Versammlungen, durch Einbeziehung und durch direkte Ansprache. „Ich möchte vor Ort präsent sein.“ Ein positives Beispiel sei die Anliegerversammlung zur Erschließung in Neuenkoop gewesen. „Das war ein angenehmes Gespräch.“ Mit den Anliegern des Baugebiets „Schwarzer Weg“ ist eine solche Zusammenkunft im ersten Quartal 2018 geplant.

Der neue Verwaltungschef zieht also eine positive Bilanz 2017: „Die Bürger scheinen das Wahlergebnis zu akzeptieren. Ich habe keine negativen Rückmeldungen bekommen.“

Dann kann für 2018 in die Hände gespuckt werden. Der Haushaltsentwurf der Verwaltung steht und wird Anfang des Jahres in die Beratung gegeben. Beginnen soll außerdem die Planung der umfangreichen Sanierung der Langen Straße – die Umsetzung kann allerdings erst nach Freigabe der Umgehungsstraße (geplant für Ende 2018) erfolgen.

Überhaupt die Infrastruktur: Insbesondere der schlechte Zustand vieler Gemeindestraßen bereitet ihm Sorgen. Die am stärksten geschädigten Straßen sollen möglichst 2018 in Angriff genommen werden, „wenn auch zunächst mit Bordmitteln“.

An Arbeit beziehungsweise Baustellen mangelt es also nicht – trotzdem will er seine Funktion als stellvertretender Kreisbrandmeister der Wesermarsch-Feuerwehren vorerst beibehalten, „aber nur, wenn es sich mit meinen jetzigen Pflichten vereinbaren lässt“. Seine reguläre Amtszeit beträgt noch drei Jahre.

Übrigens: Die erste Amtshandlung von Hartmut Schierenstedt am Montag, 2. Oktober, war die Unterzeichnung eines Kaufvertrages für ein gebrauchtes Feuerwehrfahrzeug. Nachdem er das richtige Büro gefunden und darin Platz genommen hatte.