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Aktualisiert vor 4 Minuten.

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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

Braker erzählen von Flucht aus DDR: Beschimpft, bespitzelt, verfolgt

15.08.2012

Brake „Ich bin in Hamburg geboren und in Oldenburg aufgewachsen. Dort habe ich eine Lehre zum Betriebseisenbahner gemacht. Beruflich bin ich sehr früh als Stellwerksmesser zur Reichsbahn in den Osten gewechselt. Damals bin ich alle ein bis zwei Wochen in die norddeutsche Heimat zurückgependelt.“ Wolfgang Ritter zögert einen Moment. „Aber dann kam der 13. August 1961 dazwischen.“

Mit dem Bau der Mauer ändert sich das Leben des heute 70-jährigen Brakers von einem Tag auf den anderen. Er ist von nun an Bürger der DDR. „Das war am Anfang bis auf etwas Heimweh nicht so schlimm. Wir hatten dort alles, was wir brauchten, und waren zufrieden“, berichtet Wolfgang Ritter. Anfang der 80er-Jahre jedoch beginnt die Stimmung zu kippen. „Der Apparat DDR wurde immer mächtiger und die Versorgung immer schlechter – das gefiel uns gar nicht.“ Ehefrau Brigitte Ritter ergänzt: „In dem Kindergarten, in dem ich damals gearbeitet habe, mussten wir nach Feierabend selber Spielzeug für die Kleinen basteln. Geld hatten wir genug, aber keine Spielsachen.“

Im Urlaub um 1985 lernen die Ritters ein ebenfalls sehr unzufriedenes Ehepaar aus Leipzig kennen. Zusammen nehmen sie an den ersten Montag-Demos teil, die unter anderem in der Leipziger Nikolaikirche organisiert werden. „Die Kirche war in der DDR ein geschützter Raum, eine Art Staat im Staat“, weiß Wolfgang Ritter.

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Der Staatssicherheit (Stasi) bleiben die Aktivitäten nicht verborgen. „Irgendwann ging dann der Terror los.“ Der Braker beißt sich auf die Lippen, während er das erzählt.

Die Ritters werden aus der Sozialistischen Einheitspartei (SED) ausgeschlossen, von der Staatssicherheit beobachtet. Sie leiden auf der Arbeit unter Repressalien. „Selbst auf unsere Kinder wurde in der Schule Druck ausgeübt“, sagt Ritter.

Im Trabi nach Prag

Die Familie stellt einen Ausreiseantrag. „Eine Flucht kam für uns nie in Frage, das wäre mit unseren fünf Kindern nicht gegangen. Wir wollten das so durchstehen.“ Als ihr Sohn im Herbst 1989 in die Nationale Volksarmee eingezogen werden soll, machen sich Vater und Sohn mit ihrem Trabi auf den Weg zur Botschaft nach Prag. Der Rechtsanwalt und auf Ausreisen spezialisierte Unterhändler Wolfgang Vogel soll helfen.

In Prag bemerken sie ein Auto, das ihnen beharrlich gefolgt ist. Die Stasi. „Es gab eine regelrechte Hetzjagd quer durch die Stadt. Wir kannten uns überhaupt nicht aus und wussten auch nicht, wo die Botschaft war“, beschreibt der 70-Jährige diesen dramatischen Moment seines Lebens. Am Wenzelsplatz springen Vater und Sohn aus dem Wagen und flüchten sich in ein Taxi. „Der Fahrer wusste sofort, was los war, und hat uns gerettet“, erinnert sich Ritter und lächelt zum ersten Mal.

In der (westdeutschen) Botschaft gehören sie zu den ersten von später knapp 6000 Menschen, die ihre Ausreise erzwingen wollen. „Die Solidargemeinschaft war dort toll, jeder hat jedem geholfen, wo er konnte.“ Am 30. September werden sie durch die berühmten Worte des damaligen Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher erlöst: „Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise . . .“ – der Rest geht im Jubel unter.

Nach der Rettung seines Sohnes macht sich Wolfgang Ritter wieder auf den Weg zu seiner Familie – der Wagen steht zu seiner Überraschung noch unbehelligt am Wenzelsplatz. In der Heimat steigern sich die Einschüchterungsversuche der Stasi.

„Nestbeschmutzer“

„Wir wurden oft verhört und als Nestbeschmutzer beleidigt. Aber wir wussten ja, dass wir bald rübermachen können.“ Am 8. November überquert die Familie endgültig die Grenze in den Westen – zwei Söhne bleiben allerdings freiwillig in der DDR. „Dass einen Tag später die Mauer fiel, hat niemand von uns geahnt“, schmunzelt der 70-jährige heute.

In Rastede bauen sich die Ritters mit der Hilfsbereitschaft vieler Menschen eine neue Existenz auf. „Mit den Möbeln, die wir geschenkt bekamen, hätten wir zehn Häuser ausstatten können“ erinnert sich Brigitte Ritter. Vor einem Jahr zogen die beiden nach Brake.

Die beiden Rentner, die glücklich in Brake leben, sind ihrer alten Heimat weiterhin verbunden. Sie besuchen regelmäßig zwei ihrer Söhne. Die wohnen noch heute in der ehemaligen DDR.

Christian Ahlers Redakteur / Online-Redaktion
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