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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

Anwohner wehren sich gegen Deponierung von Atommüll

09.03.2018

Brake Atommüll oder nicht? Rein rechtlich ist das klar geregelt: Wird beim Abbruch eines Kernkraftwerkes der messtechnischen Nachweis, erbracht, dass Rückstände wie Bauschutt oder Metallteile so wenig radioaktive Aktivität aufweisen, dass sie nicht mehr überwacht werden müssen, ist das Material kein radioaktiver Stoff im Sinne des Atomrechts mehr.

Genau das aber ist für Bürger aus Käseburg das Problem: Solcher Abfall, der rechtlich kein Atommüll mehr ist, dennoch aber strahlt, könnte auf der Deponie des Landkreises an der B 212 landen. Das zumindest befürchten sie. Und das geht auch aus der Behandlungen von Einwendungen zur Genehmigung des Rückbaus hervor.

Darum geht es

Nach Angaben des Betreibers des Kernkraftwerks Unterweser (KKU) sollen in den ersten neun Jahren jeweils nur rund 50 Tonnen Abfall für eine Deponierung anfallen. Die große Masse folgt dann bei dem in 13 Jahren beginnenden Abriss der konventionellen Gebäude sowie des Kontrollbereichs (Reaktor und Hilfsanlagen). Der überwiegende Teil soll freigemessen und freigegeben werden, so dass das Material regulär deponiert werden kann. Nach dem bisherigen Kenntnisstand sei die kreiseigene Deponie in Käseburg abfallrechtlich für die Aufnahme dieser Abfälle geeignet, hatte KKU-Leiter Gerd Reinstrom zuletzt auf einer Infoveranstaltung in Rodenkirchen erläutert.

Das bedeuten Die Zahlen

Für das Freigabeverfahren ist eine zulässige Dosis von 10 Mikrosievert im Jahr für die zusätzliche Strahleneinwirkung auf die Bevölkerung festgesetzt worden. Laut Bundesumweltministerium liegt diese Dosis „weit unterhalb der Dosen durch natürliche radioaktive Strahlung und unterhalb der Strahlungspegel, die zeitweise im Alltag auftreten“. So liegt die natürliche Strahlenbelastung in Deutschland laut Ministerium durchschnittlich bei 2400 Mikrosievert pro Jahr, bei Röntgenaufnahmen zwischen 100 und 1000 Mikrosievert und bei einem Nordatlantikflug etwa 100 Mikrosievert.

Das befürchten Bürger

Harry Grotheer wohnt in Käseburg, in Sichtweite der Deponie. Es sei beschlossene Sache, dass „der leicht radioaktive Abfall uns vor die Haustür gekippt wird“. In einem Schreiben an Brakes Bürgermeister Michael Kurz (SPD) äußert er seinen Unmut, dass die Anwohner „zumindest eine Resolution oder ähnliche Aktionen von unseren Politikern erwartet hätten, insbesondere nach den negativen Erfahrungen mit der Biogasanlage“. Er sprich von einer „rechtswidrigen Entsorgung von Atommüll einige Hundert Meter neben uns in direkter Windrichtung des Stadtgebiets“.

kommentar

Fakten und

Emotionen

Rechtlich mag es ja in Ordnung sein: Atommüll, der freigemessen wurde, ist kein Atommüll mehr. Obwohl auch er noch eine Reststrahlung aufweist. Er kann dann auf Deponien gebracht werden, die gewisse Grundvoraussetzungen an Menge des Abfalls (zur Vermischung) und Dichtigkeit der Deponie (zur Rückhaltung der Radionuklide) erfüllen – wie sie wohl auch die Deponie des Landkreises in Käseburg erfüllt. Eine Frage drängt sich so geradezu auf: Warum bedarf es solcher Mengenvorgaben zur Vermischung und Anforderungen an die Dichtigkeit überhaupt, wenn das gelagerte Material harmlos ist?

Und deshalb endet hier für Anwohner die Diskussion auf Grundlage der Paragrafen. Sie fühlen sich gefährdet und vor allem nicht ausreichend informiert. In Käseburg kommt noch hinzu, dass längst nicht alle Wunden der umstrittenen Deponie-Genehmigung und des Biogasanlagen-Baus verheilt sind. Hier sind viele Emotionen im Spiel.

Deshalb sollten Verwaltung und Politik alle Register ziehen: erstens um eine möglichst umweltverträgliche Deponierung zu realisieren, zweitens aber auch, um die Bürger bei der Planung mitzunehmen.

Den Autor erreichen Sie unter

Minten@infoautor.de

Kurz verweist auf die fehlende Zuständigkeit der Stadt in Fragen der Genehmigung: „Nach unseren derzeitigen Informationen sollen auf der Deponie Abfälle aus dem Rückbau gelagert werden, die ,freigemessen‘ sind und von denen keine Gefahr ausgeht.“ Die Stadt erhalte ausschließlich Informationen über den Sachstand. Kurz kündigte an, dass sich der Ausschuss für Bau, Planung, Umwelt und Verkehr in seiner nächsten Sitzung (26. April) mit dem Thema in öffentlicher Sitzung beschäftigen werde.

Das meint die Politik

Öffentlich zu Wort gemeldet hat sich bisher die WGB/FDP-Gruppe im Braker Stadtrat. In einer Pressemitteilung kritisiert diese, dass „weder die betroffenen Bürger in Käseburg noch die Braker Kommunalpolitik in die Genehmigungsverfahren und Anhörungen aktiv eingebunden worden“ seien. Es dränge sich der Eindruck auf, „dass gerade die direkt Betroffenen vor vollendeten Tatsachen gestellt werden sollen“. Die Gruppe kritisiert, dass Fragen der Kreistagsfraktion der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UW) Wesermarsch an den Landkreis bisher unbeantwortet geblieben seien.

Die Gruppe fordert eine „ergebnisoffene Diskussion“ über eine Deponierung. Und dazu gehöre auch die Prüfung einer Lagerung auf dem Gelände des KKU. Die Lagerung aus Abbruchmaterial in Käseburg widerspreche den berechtigten Interessen der Anlieger und fördere nicht die Entwicklung des Wohnstandortes im Braker Süden, meint die WGB/FDP-Gruppe. Sie begrüßt die gemeinsame Initiative von UW, Grünen und FDP, den Kreistag (Montag, 12. März, 16.30 Uhr) in einem Dringlichkeitsantrag zu einer Resolution zu veranlassen.

Markus Minten
Redaktionsleitung Brake
Redaktion Brake
Tel:
04401 9988 2301

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