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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

Hitzige Diskussionen über Artenschutz

08.02.2019

Brake Langsam aber sicher scheint es zu einer Odyssee zu werden, das Artenvielfaltprogramm für die Stadt Brake. Im jüngsten Ausschuss für Bau, Planung, Umwelt und Verkehr stellten dieses Mal Grüne und SPD gemeinsam einen neuerlichen Antrag zum Artenvielfaltprogramm, in dem es unter anderem um die Revitalisierung kommunaler Feld- und Wirtschaftswege sowie und dem Verzicht von Glyphosat geht. Für die Grünen-Ratsfraktion handelte es sich dabei bereits um den dritten Anlauf, die vorherigen Anträge zum Thema „Artenvielfalt in Brake erhöhen – Insektensterben stoppen“ wurden mit großer Mehrheit abgelehnt.

Dementsprechend genervt fielen die Reaktionen zahlreicher Ratsmitglieder aus. „Ich glaube, ich habe ein Dèjá-vu. Ich war sehr irritiert, als ich das schon wieder auf der Tagesordnung gesehen habe“, machte Claus Plachetka (CDU) seinem Unmut Luft. Vor allem Punkt zwei des insgesamt acht Punkte umfassenden Plans sei für ihn gänzlich unverständlich. In diesem heißt es, dass kommunale Grünflächen erst nach dem Aussamen der Blütenpflanzen gemäht werden sollen. „Was sind denn die größten kommunalen Grünflächen? Die Flächen an Schulen und das städtische Stadion. Das geht nicht“, verdeutlichte er.

kommentar

Empfehlung

könnte helfen

Wenn es nur so einfach wäre, wie Bürgermeister und Teile des Stadtrat es sich vorstellen: Die Braker sind schon „alt und weise genug und wissen, was gut ist“.

Dass dem in Sachen Artenschutz nicht so ist, zeigt ein einfacher Gang durch die Stadt: Zugepflasterte Einfahrten, Schotter statt Blumenbeete und schmucke fremdländische Trendarten statt einheimischer Pflanzen prägen in vielen (Vor-)Gärten das Bild. Und so viele Menschen, die dies machen müssen, weil sie zur Pflege eines grünen Gartens nicht mehr in der Lage sind, wird es in Brake hoffentlich nicht geben.

Man mag über den Antrag von Grünen und SPD inhaltlich durchaus unterschiedlicher Meinung sein. Fakt ist aber, dass es ein massives Insektensterben gibt – deutschlandweit. Und wenn man allein den wirtschaftlichen Stellenwert betrachtet, den die fliegenden Bestäuber in Landwirtschaft und Obstbau haben, sollte man alles für sie tun – auch lokal.

Fakt ist aber auch, dass das schwere Schicksal der fleißigen Tierchen noch längst nicht jedem geläufig ist – auch wenn es langfristig jeden betreffen dürfte. Daran könnte eine Empfehlung der Stadt vielleicht etwas zum Positiven ändern.

Vielleicht raufen sich die unterschiedlichen politischen Lager im Stadtrat ja doch noch zusammen und finden eine praktikable Lösung, die den Brakern gerecht wird und den Insekten ein bisschen weiter hilft. Wie heißt es doch so schön, um im Tierreich zu bleiben: Auch Kleinvieh macht Mist.

Und auch Bürgermeister Michael Kurz wunderte sich. „Viele von den Punkten in dem Antrag werden in der Stadt bereits so schon umgesetzt.“ Dazu gehöre beispielsweise der Verzicht auf die Nutzung des Totalherbizides Neonicotinoid. „Das ist nichts als Selbstverständlichkeiten aufzählen“, äußerte sich auch Daniel Stellmann (CDU). Ein weiterer Stein des Anstoßes: die Formulierung, dass es sich bei dem Programm um eine Verhaltensvorgabe handle. „Die Bürger brauchen keine Verhaltensvorgaben. Immer mehr Leute halten sich auch so schon an diese Punkte“, verdeutlichte Bürgermeister Kurz.

„Abenteuerlich“ fand hingegen Marcel Schmikale (SPD) die Argumentationen der anderen Ratsmitglieder und betonte, dass mit den kommunalen Grünflächen selbstverständlich keine Sportplätze gemeint seien. Und weiter: „Das Artenvielfaltprogramm soll eine Handlungsempfehlung für Bürger sein, die sie auf der Internetseite der Stadt Brake abrufen können. Es ist kein Muss, sondern eine Empfehlung.“ Unterstützung erhielt er von Hans-Otto Meyer Ott (Grüne). Er bat darum, den Antrag nicht erneut abzulehnen, bloß weil er von den Grünen komme. „Wir können einen Alternativantrag erarbeiten oder alle acht Punkte einzeln besprechen“, versuchte er den Antrag zu retten.

Doch dieser Vorschlag stieß im Rat auf taube Ohren. Mit sechs zu fünf Stimmen wurde der Antrag erneut abgelehnt. „Es ist ein Stück wie aus dem Tollhaus“, kommentierte Claus Plachetka die Abstimmung.

Svenja Gabriel-Jürgens Volontärin, 1. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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