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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

17 Stockwerke unter der Erde

31.08.2018

Brake /Moskau „Wir kamen als Fremde und gingen als Freunde“. Mit diesen Worten fasste Oberst der Reserve Manfred Schreiber die Bildungsreise einer 22-köpfigen Reisegruppe nach Moskau zusammen. Die Reisegruppe, die sich fast ausschließlich aus ehemaligen Bundeswehrangehörigen zusammensetzte, wollte sich vor Ort einen Eindruck über die aktuelle sicherheitspolitische Lage verschaffen. Mit dabei war auch Marco Busch aus Brake, der als Reserveoffizier und 2. Vorsitzender der Reservistenkameradschaft Delmenhorst, für die NWZ von seinen Eindrücken berichtete.

Die Reise wurde vom Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr, Landesgruppe Niedersachsen, in Zusammenarbeit mit der Politischen Bildungsstätte Helmstedt und dem Volksbund deutscher Kriegsgräberstätten organisiert und durchgeführt. Moskau ist von den Organisatoren bewusst als Reiseziel ausgesucht worden, da sie nach wie vor das politische und wirtschaftliche Machtzentrum des Landes ist.

„Ein nicht unerheblicher Teil der Reisegruppe hat während des „Kalten Krieges“ in der Bundeswehr gedient. In einer Zeit, in welchem der Osten eher als Feindbild herhalten musste“, sagt Busch. Er selbst hat aktiv in den 90er und Anfang der 2000 Jahre im Heer gedient, in welchem das Feindbild langsam zerbrochen ist, und es zu vielfältigen Annäherungen auf unterschiedlichsten Ebenen gekommen ist. Einige Teilnehmer haben in ihrer Familiengeschichte Erfahrungen mit Russland gesammelt, die im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg stehen. Die Meinungen über Russland waren deshalb in der Gruppe nicht einheitlich, sondern widersprüchlich.

Für den Autor war es das erste Mal, dass er nach Russland gereist ist. „Bildungsreisen dienen immer auch dazu Vorurteile zu korrigieren und vorgefertigte Bilder vor Ort zu überprüfen“, sagt er. Ihm ging es darum, einen unverfälschten unmittelbaren ersten Eindruck von Moskau zu bekommen.

Aus sicherheitspolitischer Sicht standen in der Woche mehrere Programmpunkte an. Hierzu zählten auch der Besuch der Gedenkstätte des „Großen Vaterländischen Krieges“, ein Gespräch mit dem Vertreter der Kriegsgräberfürsorge in der deutschen Schule Moskaus und der Besuch des Kriegsgefangenenfriedhofs Moskau-Ljublino.

Im Siegespark auf dem Poklonnaja Hügel im Westen Moskaus befindet sich eine zentrale Gedenkstätte für die Opfer des „Großen Vaterländischen Krieges“. Als „Großer Vaterländischen Krieg“ wird in Russland der Zweite Weltkrieg umschrieben. Im zugehörigen Museum wurde der Zweite Weltkrieg aus russischer Perspektive dargestellt. Eine Sichtweise, die die eigene sinnvoll ergänzt und in ein neues Licht rückt.

Was an den Gedenkstellen auffällt, ist der zwanglose Umgang mit dem Krieg durch die Einheimischen und die Verehrung der russischen Soldaten. Teilweise können Szenen beobachtet werden, die in Deutschland undenkbar wären. Als Beispiel sei eine Szene aus dem Museum genannt. Während Juri, unsere Reiseleiter, Erklärungen zur Gedenkstätte gab, rannte im Hintergrund plötzlich ein Mitarbeiter in Tarnuniform durch die Räumlichkeiten. Er wurde verfolgt durch eine Horde von Kindern, ebenfalls in Tarnuniformen, die mit Holzgewehren jagt auf ihn machten. Wie uns erklärt wurde können interaktive Mitmachnachmittage für Kinder im Museum gebucht werden.

Da die Reisegruppe zum überwiegenden Teil aus ehemaligen Soldaten bestand, war der Besuch eines Soldatenfriedhofes, auf dem deutsche Soldaten bestattet worden sind, ein fester Programmpunkt. Als Friedhof wurde der 1994/95 vom Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge neugestaltete Kriegsgefangenenfriedhof Moskau-Ljublino ausgewählt. 495 deutsche Soldaten haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden. Zum größten Teil sind sie Jahre nach dem Ende des Krieges verstorben. Im stillen Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft legte die Gruppe einen Kranz am Mahnmal des Friedhofes nieder.

Eine Folge des Zweiten Weltkrieges war eine jahrzehntelange permanente Bedrohung des Weltfriedens, die in den Geschichtsbüchern unter dem Stichwort „Kalter Krieg“ ihren Eingang gefunden hat. Wie schnell hierbei ein atomarer Krieg hätte entstehen können, konnte die Reisegruppe wenig später im sogenannten „Bunker 42“ erfahren. Er erstreckt sich auf einer Gesamtfläche von 7000 Quadratmetern und liegt siebzehn Stockwerke unter der Erde.

Bis vor wenigen Jahren war die Anlage ein streng geheimes Objekt. Heute ist es ein Museum. In der Kommandozentrale der Anlage wurde die Abschussprozedur von Atomwaffen realistisch nachgespielt – ein beklemmendes Gefühl.

Die Verbindung zur Gegenwart entstand durch das Gespräch mit Reservisten der russischen Streitkräfte. Bei den Gesprächen hatten man es ausschließlich mit Offizieren zu tun. Dabei wurden Ansichten und Meinungen ausgetauscht und erste kleine Annäherungen erreicht. Solche Gespräche sind nicht zu unterschätzen, da es wichtig ist, dass miteinander geredet wird und nicht übereinander.

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