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Aktualisiert vor 21 Minuten.

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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

Das Wandern ist des Gesellen Lust

09.03.2019

Brake /Sörup Sein Heimtort Sörup liegt etwa eineinhalb Stunden von Flensburg aus entfernt in Schleswig-Holstein. Bis Brake ist es jedoch etwas weiter: 215 Kilometer zeigt die digitale Landkarte an. Ein geübter Wandersmann schafft diese Strecke von Sörup bis zur Kreisstadt wohl in weniger als 50 Stunden – wenn er denn stramm durchmarschiert.

Nils Thomsen ist mittlerweile etwas länger unterwegs. Am 25. Februar 2018 startete der 20-Jährige in seinem Heimatort Sörup, um als ausgelernter Zimmermann nun als Wandergeselle das Wissen über sein Handwerk und auch seinen eigenen Horizont zu erweitern. Um von einem Ort zum nächsten zu kommen, ist er dabei auf Hilfe angewiesen. „Ich trampe, fahre per Anhalter. Das funktioniert gut“, erzählt Nils Thomsen bei seinem Zwischenstopp in Brake.

Der Geselle ist schon viel herumgekommen auf seiner Wanderschaft. In einem Dorf zwischen Bamberg und Bayreuth hatte er seine erste Anstellung. Dort hielt er es zweieinhalb Monate aus. „Länger als drei Monate sollte man nicht bleiben“, erzählt Nils Thomsen. „Bereits nach zwei Monaten kribbeln dir die Füße.“ Das ist für ihn dann ein Zeichen, sein Bündel zu schnüren und weiterzuziehen.

Für ihn gibt es kaum etwas, was es nicht gibt. Er ist wissbegierig. Und so verschlug es den 20-Jährigen sogar bis nach Bielefeld. Dort traf er auf gleichgesinnte Wandergesellen und trampte mit ihnen durch Frankreich bis an die Atlantikküste. Von dort setzte die Gruppe an Bord eines Fährschiffes auf die grüne Insel über. Im Sommer tippelte er also zwei Monate lang durch Irland. „Jeder machte dort sein eigenes Ding“, erzählt er. Nun möchte er liebend gern nach Kanada.

Gesellenvereinigung Rolandschacht wurde 1891 in Nürnberg gegründet

Der blaue Binder weist Nils Thomsen als Mitglied der Gesellenvereinigung Rolandschacht aus. Maurer aus Bremen hatten sie 1891 in Nürnberg gegründet. Als Namenspatron wählten sie den Bremer Roland. Zu erkennen sind die Rolandsbrüder an der „blauen Ehrbarkeit“ und der goldenen Handwerksnadel. Wer aufgenommen werden möchte, muss schuldenfrei und unverheiratet sein. Der Aufgenommene darf nicht älter als 27 Jahre sein.

Staude nennt ein Wandergeselle sein weißes Hemd. Und er trägt auf seiner Wanderschaft einen Hut als Zeichen für den freien Mann.

Stenz heißt der Wanderstock. Nils Thomsen hat seinen Wanderstock in der Nähe von Schwerin gefunden. Er möchte ihn bis zum Ende seiner Wanderschaft dabei haben.

Charlottenburger nennt ein Wandergeselle sein Gepäck. In 80 x 80 Zentimeter große Baumwolltücher wickelt er seine Habseligkeiten ein. Dazu zählen Pullover, Unterwäsche und auch ein zweiter Satz Arbeitskleidung. Acht Baugewerke sind auf den Tüchern abgebildet. Dazu zählen Zimmerer, Maurer, Steinmetze, Tischler, Dachdecker, Steinsetzer, Betonbauer und Holzbildhauer.

Mit im Gepäck sind der Zimmermannshammer und das Wanderbuch. Firmen tragen ihr Arbeitszeugnis ein. Auch lassen sich die Gesellen den Aufenthalt in einer Stadt durch einen Stempel bestätigen.

Krankenversichert: Der Geselle ist während einer Anstellung versichert. Zieht er weiter, greift die Familienversicherung. Ist er älter als 23 Jahre, muss er eine freiwillige Weiterversicherung beantragen bis zur nächsten Anstellung.

Das ist auch der Grund für seinen Abstecher von Hannover aus in die Wesermarsch. Nils Thomsen hatte vom Unternehmen Timbercoast gehört und dass der Dreimaster „Avontuur“ regelmäßig über den großen Teich segelt, auch bis nach Kanada. Da hat er sich jetzt kurzerhand in Elsfleth vorgestellt und sich auf die Warteliste setzen lassen. Eine weitere Option gibt es nach seinen Worten in Bremerhaven. Da wolle er jetzt hin, um sich bei der dortigen Reederei vorzustellen. Danach geht es für ihn erneut ins bemerkenswerte Bielefeld. In der nächsten Woche möchte er in der größten Stadt der Region Ostwestfalen-Lippe arbeiten. „Dort gibt es einen Zimmermann, der noch auf traditionelle Weise von Hand arbeitet“, sagt Nils Thomsen. Bei seinem letzten Besuch habe er den Handwerker kennengelernt.

Seit mehr als einem Jahr ist Nils Thomsen nun fern der Heimat unterwegs. Ein Handy führt er nicht mit. Hin und wieder ruft er seine Eltern an, schickt ihnen zuweilen eine E-Mail oder schreibt eine Postkarte. Weihnachten hat er mit anderen Gesellen, die wie er auf Wanderschaft sind, gefeiert. Den Jahreswechsel verbrachte er bei einem Ehepaar, das er kurz zuvor kennengelernt hatte.

Er ist nicht auf sich alleingestellt. Als Anlaufstellen gibt es für ihn Stammtische, an denen Gesellen zusammenkommen. An einem dieser Stammtische in Flensburg hatte Nils Thomsen auch den Gesellen kennengelernt, der ihm alles Wissenswerte über das Wandergesellenleben erzählte. „Wie man trampt, wie man eine Wohnung und Arbeit findet. Und wenn es passt, wird man in der Gesellenvereinigung aufgenommen“, so der 20-Jährige.

Es passte. „Meine Eltern finden das gut“, erzählt er. Der Geselle holte ihn von zu Hause ab und begleitete ihn die erste Zeit lang. Am 24. März 2018 wurde Nils Thomsen in Nürnberg in den Rolandschacht aufgenommen.

Der 20-Jährige zieht umher. Während seiner Reisezeit von insgesamt drei Jahren und einem Tag darf er den Bannkreis von 60 Kilometern um seinen Heimatort nicht betreten. Auf Schusters Rappen tippelt Nils Thomsen nun weiter – vielleicht kommt er auch wieder nach Brake.

Ulrich Schlüter Elsfleth / Redaktion Brake
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