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Aktualisiert vor 27 Minuten.

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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

Junge Frauen verlassen die Wesermarsch

07.09.2018

Brake Das Thema ist nicht neu. Bereits zum dritten Mal hat das Referat für Gleichstellungsfragen beim Landkreis Wesermarsch das Wanderungsverhalten von Frauen zwischen Butjadingen und Lemwerder untersuchen lassen. Das Ergebnis bleibt allerdings ernüchternd: Nach wie vor verlassen Frauen mit deutscher Nationalität im Alter zwischen 18 und 25 Jahren den Landkreis nach Schule und Ausbildung – und das mit steigender Tendenz. Insgesamt liegt der Wanderungsverlust der Frauen mit 148 Personen so hoch wie seit 2011 nicht mehr. Wanderungsgewinne sind allein in der Zuwanderung ausländischer Personen begründet. Die beiden anderen untersuchten Küstenlandkreise Friesland und Cuxhaven wiesen hingegen auch in den zurückliegenden Jahren Wanderungsgewinne auch bei Frauen deutscher Nationalität auf. Das hat die Fortschreibung der Analyse des Wanderungsverhaltens von Frauen im Landkreis Wesermarsch von Klaus-Martin Hesse (Forum Hueber, Karsten & Partner) ergeben.

Zahlen und Fakten

Der Landkreis Wesermarsch hat in den vergangenen Jahren bei der Einwohnerzahl wieder leicht zulegen können: 89 282 Personen weist die Statistik für Ende 2016 aus, 2014 waren es noch 88 786 Personen.

Ohne Zuwächse durch die internationale Zuwanderung würde der Landkreis allerdings weiterhin schrumpfen. Der Sterbeüberschuss liegt nach wie vor auf sehr hohem Niveau; 2015 wurde gar mit 522 Personen der höchste Wert der letzten 50 Jahre erreicht.

Der Wanderungsverlust zwischen 2007 und 2016 ist bei den Männern (767 Personen) deutlich geringer als bei den Frauen (1087 Personen).

Mehr Infos und die älteren Berichte finden Sie unter

Mehr Infos und die älteren Berichte finden Sie unterhttp://www.landkreis-wesermarsch.de/verwaltung-politik/gleichstellungsfragen/wanderungsverhalten-von-frauen.php

Besonders hohe Frauenabwanderungen sind demnach in den ländlich strukturierten Gemeinden des Landkreises zu verzeichnen. Als Ziele hat Hesse neben den Oberzentren Oldenburg und Bremen auch den Landkreis Friesland ausgemacht.

Gleichstellungsbeauftragte Ulla Bernhold appellierte im jüngsten Ausschuss für Wirtschaft und Tourismus an Politik und Wirtschaft, sich dafür einzusetzen, dass Frauen in der Wesermarsch nicht abgehängt werden. Und die Politik signalisierte, sich des Themas annehmen zu wollen. In seiner nächsten Sitzung am 14. November will sich der Ausschuss mit dem Ergebnis der Analyse beschäftigen.

Bei den Frauen, die der Wesermarsch als Wohnort treu bleiben, ist der Aufwand, ihren Arbeitsplatz zu erreichen, deutlich höher, als bei den Männern im Kreis. Während von diesen 1085 mehr aus- als einpendeln, sind es bei den Frauen mehr als dreimal so viele: 3433.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen beschäftigten Frauen hat sich im Landkreis Wesermarsch in den zurückliegenden zehn Jahren kontinuierlich erhöht. Allerdings: Im letzten Untersuchungsjahr 2016 waren 40 Prozent der Frauen zwischen 18 und 64 Jahren mit Wohnort in der Wesermarsch sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Im benachbarten Friesland sind es immerhin 48 Prozent. Fast 80 Prozent der im Landkreis beschäftigten Frauen arbeiten im Dienstleistungssektor. Im industriellen Sektor ist der Männeranteil hoch. Besonders hier gibt es nach Ansicht der Gleichstellungsbeauftragten noch Entwicklungspotenzial für Frauen und Betriebe. Immerhin: Die Bereitschaft der Betriebe, Frauen in untypischen Berufen auszubilden oder einzustellen steigt durch den Arbeitnehmer- und Fachkräftemangel.

Positiv auch: Bei Familien weist die Wesermarsch wieder eine günstigere Wanderungsbilanz auf. Vermutlich durch den überhitzten Wohnungsmarkt in den größeren Städten der Region (Oldenburg und Bremen) ziehen mehr Familien in die Wesermarsch als ihr den Rücken kehren.

Es gibt fast 120 Berufe in der Wesermarsch. Durch das Angebot von Praktika könnten Mädchen und Frauen ermutigt werden, bislang von Männern dominierte Berufe zu ergreifen. Dabei gibt es auch – wenn auch bescheidene – erste Erfolge: Die Zahl der im produzierenden Gewerbe beschäftigten Frauen stieg seit 2013 um zwei Prozentpunkte, bei den jüngeren waren es sogar vier.

kommentar

Ohne Frauen

geht es nicht

Wenn Frauen überproportional aus einer Region abwandern, müssen die Alarmglocken schrillen – und zwar ganz laut. Nicht nur in der Wesermarsch. Ohne Frauen kann es keine Fortentwicklung der Gesellschaft geben, nicht quantitativ und auch nicht qualitativ. Ja, dafür werden auch Männer gebraucht, vor allem aber eben das weibliche Geschlecht.

Es muss also alles getan werden, um der Abwanderung Einhalt zu gebieten. Hier gibt es genügend Ansatzpunkte für die Politik: Die Ausstattung an Kinderbetreuungsplätzen ist nicht schlecht, kann punktuell aber noch deutlich verbessert werden. Das betrifft nicht nur die Anzahl der Plätze, sondern vor allem auch die Flexibilität bei den Betreuungszeiten. Das Problem: Am ehesten gespart wird dort, wo der Bedarf als nicht mehr so dringlich gesehen wird. Das aber beschleunigt nur die Abwärtsspirale. Muss also nicht genau anders herum gehandelt werden?

Luft nach oben gibt es auch bei gewerblichen Arbeitgebern. Sie müssen Frauen noch mehr geeignete Beschäftigungsmöglichkeiten bieten, auch und vor allem in Führungspositionen, Teilzeitstellen eingeschlossen.

Das sind nur zwei von vielen Schrauben, an denen gedreht werden kann – zum Wohle des Landkreises.

Den Autor erreichen Sie unter
Markus Minten
Redaktionsleitung Brake
Redaktion Brake
Tel:
04401 9988 2301

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