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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

„Wir brauchen kritisches Denken“

13.01.2020

Brake /Wesermarsch Am 13. Januar 1980 wurde die Bundespartei die Grünen in Karlsruhe aus der Taufe gehoben. Sie entstand „als Alternative zu den herkömmlichen Parteien“ aus einer Bewegung der siebziger Jahre heraus, die sich für die Umwelt, Gleichberechtigung und Pazifismus stark machte. In diesem Jahr feiert die Partei ihren 40. Geburtstag und kann auf eine ereignisreiche Zeit zurückblicken.

Die Bewegung der 1970er-Jahre ist damals auch im Landkreis Wesermarsch deutlich zu spüren. Besonders der Bau des Kernkraftwerks Unterweser sorgt für Aufschreie bei den Umweltfreunden.

Doppelte Atomgefahr

Als Hans-Otto Meyer-Ott 1980 nach seinem Studium in die Wesermarsch zurückkehrt, ist der Kampf gegen die Atomkraft in vollem Gange. „Ich weiß noch, wie ich am Famila-Center vorbeifuhr und Anti-Atomkraft-Sprüche an den Wänden las“, berichtet der Grünen-Ratsherr der Stadt Brake. Als sich am 10. November 1980 auch der Kreisverband Grüne Wesermarsch zusammenschließt, unterstützt er das Wahlprogramm, obwohl er der Formation Partei zunächst bedenklich gegenüber steht. Erst 1988 wird er Parteimitglied. „Damals musste man auch nicht sofort Mitglied werden, man hat einfach mitgearbeitet“, sagt er.

Neben dem Kampf gegen das Atomkraftwerk erinnert er sich auch daran, wie er damals die Schiffe ausspähte, die sich dem Midgard-Hafen in Nordenham näherten. „Wir haben die Schiffe vom Bahnhof aus aufgenommen, um amerikanische Atomraketen zu entdecken.“ Der Nachrüstungsbeschluss der NATO 1979 sieht damals Raketen mit Atomsprengköpfen als Modernisierungsmaßnahme der atomaren Abschreckung vor. Der Midgard-Hafen wird zum Munitionshafen. Die Umweltaktivisten sind schockiert. Blockaden und Ausspähversuche sind ihre Antwort darauf. „Die Wesermarsch war damals somit doppelt von der Atomgefahr betroffen“, betont der Ratsherr.

Auch wenn die Grünen mit dem Atomausstieg einen großen Erfolg verbuchen konnten, blieben jede Menge Probleme zurück. Der Rückbau des Kernkraftwerkes schaffe weitere Gefahren, laut Jürgen Janssen, Fraktionsvorsitzendem der Grünen im Kreistag.

Das Kernkraftwerk Unterweser fungiert nun als Zwischenlager für den Atommüll. Jürgen Janssen gründete als Antwort darauf die Bürgerinitiative „Aktion Z“. Diese Bewegung hinterfragt das Zwischenlager und die Castoren, in denen sich der Atommüll befindet, kritisch.

Die Herausforderungen für die Partei bleiben also bestehen. Die bisherigen Erfolge sind nur die Spitze des Eisbergs. Dass die Partei bei den Europawahlen die zweitmeisten Stimmen in Deutschland für sich verbuchen konnte und damit sogar an der SPD vorbeizog und auch in aktuellen Umfragen weit vorne liegt, kann Jürgen Janssen erklären: „Wir sind unseren Themen immer treu geblieben. Wir haben schon viel früher den Klimaschutz angesprochen. Und jetzt hat sich herausgestellt: Wir hatten recht.“ Heute würde die Partei ernstgenommen, früher wäre man hingegen belächelt worden. „Wir waren die grünen Spinner“, sagt Jürgen Janssen.

Heute gehen junge Menschen auf die Straße und demonstrieren für den Klimaschutz. Die Bewegung „Fridays for Future“ hat auch die beiden Parteimitglieder überrascht. „Das die Jugend über Greta Thunberg hinaus aufsteht, hätte ich nicht gedacht“, sagt Hans-Otto Meyer-Ott. Auch Jürgen Janssen ist von dieser Entwicklung positiv überrascht.

Langer Prozess

Rückblickend sind beide davon überzeugt, dass die Arbeit der Grünen ein langer und schwieriger Prozess war. „Aber wo wir heute angekommen sind, damit hätten wir damals nie gerechnet“, betont Jürgen Janssen. Die Gesellschaft hätte einfach ein wenig gebraucht, um zu verstehen, was die Grünen längst wussten. Bevor Hans-Otto Meyer-Ott in diesem Jahr kürzer treten wird, möchte er sein Wissen aus der langen Zeit als Kommunalpolitiker an die jüngeren Generationen weitergeben. „Es ist entscheidend, dass es verschiedene Denkrichtungen innerhalb einer Partei gibt. Wir brauchen kritisches Denken.“

Sarah Schubert Volontärin, 1. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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