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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

Bleistiftzeichnungen einer Odyssee

28.09.2017

Butjadingen Ein Mann steht vor einer Mauer. Neben sich hat er seinen Koffer abgestellt. Die Mauer wirkt fast unüberwindbar. Und dennoch und obwohl man ihn nur von hinten sieht, ahnt man, dass der Mann voller Zuversicht ist. Hinter der Mauer ist Deutschland. Dort will er hin.

Der Mann an der Mauer ist Mahmud Akrash aus Syrien, der seit März 2016 mit seiner Frau Ruveda und seinen drei Töchtern Klara (9), Yara (14) und Lava (17) in Stollhamm lebt. Anfang Oktober 2015 flüchtete die Familie aus Damaskus, landete nach einer 40-tägigen Odyssee in einem Auffanglager in Lüneburg und kam dann nach Stollhamm. Eindrücke von der Flucht – darunter die „Der Aufbruch“ betitelte Szene mit dem Mann vor der Mauer – hat Mahmud Akrash in Bleistiftzeichnungen festgehalten. Einige seiner Bilder sind nun in einer kleinen Ausstellung im Rathaus in Burhave zu sehen.

Bei der Ausstellungseröffnung waren neben der Familie Akrash und Bürgermeisterin Ina Korter auch die Flüchtlingspaten Gabriele Schätzel-Petschulat und Theresa Petschulat dabei, die die Akrashs seit ihrer Ankunft in Butjadingen betreuen. „Eine ganz tolle Familie“ lobt Gabriele Schätzel-Petschulat. Zu den Gästen der Ausstellungseröffnung zählte auch Christopher Luker, der gerade ein freiwilliges soziales Jahr an der Grundschule Burhave absolviert hat, auf einen Lehramtsstudienplatz hofft und den drei Mädchen der Akrashs hilft, die deutsche Sprache zu lernen.

Dass sie schon sehr viele gelernt haben, bewiesen Klara, Yara und Lava, indem sie ihre Flucht schilderten. „Als wir noch in Syrien gewohnt haben, lebten wir in Damaskus. Aber der Krieg wurde immer schlimmer. Die Flugzeuge warfen immer mehr Bomben auf unsere Stadt. Überall waren Soldaten. Wir waren nicht mehr sicher. Wir hatten sehr viel Angst und mussten uns oft verstecken“, begann Klara, ehe ihre Schwestern berichteten, wie sie zunächst in die Türkei, von dort in einem Schlauchboot nach Griechenland flohen. „Sehr viele Menschen waren auf dem Boot. Wir können nicht schwimmen“, erzählte Lava.

Am 10. November 2015 war die Familie Akrash endlich in Deutschland angekommen. Lava: „Wir waren so erleichtert.“ Einige Stationen der Flucht lassen sich nun auf den Bildern von Mahmud Akrash nachvollziehen, die in den Fenstern im Erdgeschoss des Rathauses ausgestellt sind.

Hintergrund der Ausstellung ist letztlich ein Kunstprojekt, das der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes in Elsfleth für Flüchtlingsfrauen realisiert hatte. Eine Kunsttherapeutin hatte den Frauen geholfen, über die Malerei ihre Traumata zu verarbeitet. Butjadingen gehört zu den Kommunen, die sich bereiterklärt hatten, im Rahmen der aktuell laufenden interkulturellen Woche einige der bei dem Projekt entstandenen Bilder auszustellen – sie hängen nun im Rathausflur.

Die Gemeinde hatte die Idee, die vier Bilder der Frauen noch zu ergänzen, und hörte sich um, ob sich auch unter den in Butjadingen lebenden Flüchtlingen jemand künstlerisch betätigt. So kam Mahmud Akrash ins Spiel, der sich nun nicht nur über die Wertschätzung seiner Kunst freut, sondern auch über Malutensilien, die ihm Ina Korter als Dankeschön überreichte.

Detlef Glückselig Butjadingen / Redaktion Nordenham
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