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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

Ein ganz persönliches Geschenk

05.11.2014

Berne Es sind die Geschichten vom Leben in Berne, mit denen Ernest Koopmann aufgewachsen ist. Geschichten über die Hofwirtschaft, die Viehzucht, fröhliche Feste im Dorf, das Zusammenleben und der Handel mit den Nachbarn. Einige Geschichten handeln auch von Nazis, von der Judenverfolgung, vom Verlust der Hofstelle, von Vertreibung und von Konzentrationslagern.

Diese Geschichten hat Ernest Koopmann in den USA gehört. Und er hat gut zugehört, wenn ihm sein Vater Dr. Louis Koopmann etwas erzählte. Das Resultat: eine innige Zuneigung zu Berne und den Familien, die den Koopmanns immer verbunden waren und geblieben sind, und eine ausgeprägte Faszination für die Geschichte seiner Familie.

Vortrag am Freitag in der Kulturmühle

Vortrag in der Kulturmühle: Das Schicksal der jüdischen Familie Koopmann aus Berne wird an diesem Freitag, 7. November, ab 19 Uhr Thema eines Vortrags im Rahmen der Reihe „Berne bringt ...“ sein. Ulla Bernhold und Almut Setje-Eilers sind die Referentinnen, die die Geschichte der Region und der Koopmanns im Nationalsozialismus aufgearbeitet haben.

„Ernie, willst du noch Kaffee?“ Aenne Dencker hat den Tisch an der Bettingbührener Straße in Berne gedeckt. Es gibt selbst gebackenen Kuchen mit luftiger Baiserhaube. Der Mann mit der Glatze nickt, lässt sich Kaffee nachschenken, isst seinen Kuchen und plaudert. Nur an seinem leichten amerikanischen Akzent merkt man, dass er bei Aenne Dencker nicht ständig am Kaffeetisch sitzt. Vertraut ist der Umgang miteinander. Schließlich hat Ernie – wie Ernest Koopmann von allen Mitgliedern der Familie Dencker genannt wird – den Weg von den USA nach Berne schon „mindestens zehn Mal“ gemacht.

Es sind die Wurzeln, an denen sich Ernest Koopmann, in dieser Woche wieder bis weit in die Vergangenheit entlang hangelt: „Ich will die Wege gehen, die meine Vorfahren gegangen sind“, erzählt der 67-Jährige: „Mein Vater ist 107 Jahre alt geworden. Er hat lange in Berne gelebt. Ich weiß, wo meine Großeltern begraben sind, und was passiert ist. Aber ich will noch mehr wissen.“ Es gebe jüdische Organisationen, die die Stammbäume jüdischer Familien dokumentieren. Das will Ernie Koopmann, selbst Kaufmann, der mit Trucks handelt, auch für seine Familie.

Sein Vater, Dr. Louis Koopmann, wurde in Berne 1888 als Sohn des Landwirts Leopold Koopmann und seiner Frau Sara geboren. Louis Koopmann wurde Jurist, er kämpfte im Ersten Weltkrieg, bekam als Leutnant das Eiserne Kreuz verliehen und übernahm nach dem Tod des Vaters den Hof in Berne. Louis Koopmann arbeitete erfolgreich, er war ein angesehener Bürger und Geschäftsmann Bernes, der seine Freundschaften pflegte und ein lebenslustiger Mensch war.

Ab 1935 wurde der Familie das Leben durch die Nationalsozialisten immer schwerer gemacht. Schließlich verloren sie ihren Hof. Louis Koopmann wurde Lehrer bei der Jüdischen Reichsvertretung in Berlin. Nach der Reichskristallnacht am 9. November 1938 wurde er ins Konzentrationslager nach Buchenwald gebracht. Er überlebte: Das Eiserne Kreuz aus dem Ersten Weltkrieg war sein Ticket in die Freiheit. Es folgte die Ausreise in die USA. Seine Mutter Sara wurde im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet. Die Grabschrift auf dem jüdischen Familienfriedhof der Koopmanns an der Weserstraße weist auf ihre Ermordung hin. Louis Koopmann kehrte immer wieder nach Berne zurück. Ernest war zwölf Jahre alt, als er seinen Vater erstmals begleitete.

Natürlich besucht der 67-Jährige den Friedhof seiner Familie. Er sei ein „sehr persönlicher Ort“, erzählt der Amerikaner. In dieser Woche will er diesen besonderen Platz an die Deutsch-jüdische Gesellschaft Hannover verschenken – damit sie diesen Friedhof in Ehren hält und dokumentiert, dass die jüdische Familie Koopmann ein Teil der Berner Geschichte ist. Dann kann Ernest Koopmann seiner Familiengeschichte ein weiteres Kapitel hinzufügen.

Anja Biewald
Berne/Lemwerder
Redaktion Brake
Tel:
04401 9988 2321

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