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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

Tischgespräch: Ein Vertriebener prägt die Politik

15.10.2011

ELSFLETH Zwei alte Männer unterhalten sich im Werbespot eines großen Brillenherstellers über ihr Leben. Sie sehen dabei gar nicht so alt aus, denkt man. „Würdest du dein Leben noch einmal leben“, fragt der eine. Die Antwort ist den meisten Fernsehzuschauern geläufig.

Gerhard Kunschke stellt sich jene wichtige Frage, ob er sein Leben genauso noch einmal leben würde, am frühen Nachmittag am hinteren Tisch in der „Kogge“. Vor ihm steht ein großer Teller mit frischem Salat und geriebenem Käse. Dazu drei Scheiben Weißbrot. „Seniorengerecht“, sagt Gerhard Kunschke, den die meisten nur „Gerd“ nennen. „Man muss ein bisschen auf seine Gesundheit achten“, sagt der Mann mit dem gütigen Gesicht.

In zwei Wochen ist nach 43 Jahren seine politische Laufbahn in Elsfleth zu Ende. Mit dem Ende der Ratsperiode 2006/2011 diesen Monat beendet Kunschke seine politische Arbeit nach über vier Jahrzehnten. Der langjährige frühere Bürgermeister, Ratsvorsitzende und das Ratsmitglied wird dann im Alter von 75 Jahren wieder ein einfacher Bürger ohne Ämter sein.

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Das Leben von Gerhard Kunschke beginnt unter weitaus schlechteren Gegebenheiten, wie er im NWZ -Tischgespräch erzählt. Es war der 8. Juni 1936. „Ich bin in Habelschwerdt in der Grafschaft Glatz in Schlesien geboren und aufgewachsen“, erzählt Kunschke. „Als Neunjähriger bekam ich die schlimmen Auswirkungen dieses unglückseligen Krieges zu spüren“. Die Russen hatten Schlesien besetzt, das Land ging in polnische Verwaltung über.

„Es ging das Gerücht, dass alle Deutschen ausgewiesen werden sollten“, berichtet Kunschke. „Eines Abends klingelte es an der Tür. Wir bekamen die Anweisung, ein paar Sachen zu packen. Schon am nächsten Morgen wurden wir in bretterverschlagene Viehwaggons gesperrt und fünfeinhalb Tage sinnlos quer durch Deutschland gefahren.“

Der Zug mit dem neunjährigen Gerhard, seiner Mutter und seiner Großmutter, kam in Großenmeer an. „Wir bekamen eine bescheidene Unterkunft auf einem Bauernhof in Altenhuntorf. Ich durfte bei der Ernte helfen und bekam dafür ein deftiges Mittagessen.“ Die Augen von Gerhard Kunschke – bei dem Wort „Mittagessen“ beginnen sie zu leuchten. Als sei dies vor ihm jene Ration, die er Ende der 1940er-Jahre auf dem Feld in Altenhuntorf bekam und über die er sich jedes Mal unendlich freute.

Zehn Jahre später zog die Familie in die Ostpreußenstraße in jenes Haus, in dem die beiden Kinder aufgewachsen sind und in dem Gerhard Kunschke und seine Frau noch heute zusammen leben.

Die lange politische Karriere von Gerhard „Gerd“ Kunschke begann eher zufällig im Frühjahr 1968. Als Nachrücker auf der SPD-Liste zog Kunschke in den Elsflether Stadtrat ein. Er war damals 32 Jahre alt. „Ich möchte sehr schamhaft verschweigen, welche geringe Stimmzahl mir zu diesem Mandat verholfen hat“, sagt Kunschke. Schon im Herbst zog er sensationell mit dem zweitbesten Ergebnis aller Bewerber erneut in den Rat ein. Vier Jahre später hatte er sogar mehr Stimmen, als der Spitzenkandidat.

Das überraschende Ergebnis Kunschkes bewog die Politiker parteiübergreifend, ihn als neuen Bürgermeister zu wählen. Im Alter von 39 Jahren war er es und blieb es 21 Jahre lang. „Dieses Amt hat mich mächtig stolz gemacht. So wie alle Ämter“, sagt Kunschke und verschränkt beide Arme auf dem Restaurant-Tisch. „Ich war schließlich Zugereister“, spielt er süffisant auf seine Herkunft Schlesien an.

Würde er sein Leben noch einmal genauso leben? „Ja, ich würde diesen Weg noch einmal gehen“, sagt Gerhard Kunschke.

Felix Frerichs Nordenham / Redaktion Nordenham
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