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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

Elsfleths eigenes Weltall

20.07.2019

Elsfleth Im Elsflether Planetarium der Jade Hochschule, Fachbereich Seefahrt und Logistik, projiziert Bernd Klemm einen künstlichen Sternenhimmel auf das Innere der 9,30 Meter breiten Planetarium-Kuppel. Es ist absolut dunkel bis auf die vielen weißen Punkte an der Decke. Der Mond huscht auf seiner Bahn am Nachthimmel vorbei. Die Bewegungsabläufe der Gestirne lassen sich nach den Worten von Bernd Klemm naturgetreu und in starker Zeitraffung darstellen.

Bernd Klemm ist Nautiker, hat an der Seefahrtschule in Elsfleth sein Patent erworben und fuhr dann zwölf Jahre als Kapitän zur See. Jetzt ist er Dozent an der Jade Hochschule und betreut ehrenamtlich das Planetarium, bringt Interessierten die Magie des Weltalls, der Sterne und unseres Sonnensystems näher. Die Mondlandung vor 50 Jahren hat er als Fünfjähriger vor dem Fernseher miterlebt.

In den USA schrieb man den 20. Juli 1969, in Europa war die Zeit schon einen Tag weiter fortgeschritten. Bernd Klemms Vater war von den Sternen und der Raumfahrt fasziniert. Der Funke der Begeisterung ist auf seinen Sohn übergesprungen.

Mond zur Navigation

Im Elsflether Planetarium ziehen Sternbilder vorbei. Und der 55-Jährige erläutert sie. Mit einem Laserpointer zeigt er auf das Sternbild des Orion. „Dort sehen wir Rigel, die drei Gürtelsterne, Bellatrix und Betelgeuse“, sagt er. Sie seien wichtige Sterne für die Navigation. Genau wie Sirius. „Er ist der hellste Stern am Nachthimmel“, erzählt Bernd Klemm. Einer der wichtigsten Sterne ist der Polarstern. Er ist der hellste Stern im Sternbild Kleiner Wagen. „Für die Navigation gibt es 58 wichtige Sterne“, merkt Bernd Klemm an. Wer Nautiker werden möchte, sollte sie erkennen.

Dass der Mond zur Navigation genutzt wurde, liegt nach seinen Worten allerdings schon eine geraume Weile zurück. Als Mitte des 18. Jahrhunderts das Chronometer aufkam, habe man die Monddistanzen nicht mehr benötigt. 1759 präsentierte der englische Zimmermann John Harrison einen Chronometer, der die nötige Genauigkeit für eine präzise Längengradbestimmung besaß.

Der Mond trat in den Schatten. Durch Messung von Lunardistanzen zur Bestimmung der Ortszeit habe man ab dem Mittelalter auf Schifffahrten indirekt die geografische Länge errechnen können. Heute gebe es aber komfortablere Möglichkeiten, sagt Bernd Klemm. Im Unterricht der angehenden Nautiker gebe es zwar noch eine begleitende astronomische Navigation. Für die heutige Ausbildung sei das jedoch ein Nebenprodukt. Der technischen Navigation komme eine viel größere Bedeutung zu. „Sterne zu schießen“ sei nicht mehr an der Tagesordnung auf den Schiffen.

Planetarium in Elsfleth

Elektronische Seekarten sind die digitale Variante zu den klassischen Papierseekarten. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation legt die Mindestanforderungen für die Kartendaten fest. Das ECDIS (Electronic Chart Display and Information System) ist ein solches Kartendarstellungs- und Informationssystem.

Als das Planetarium vor 58 Jahren gebaut wurde, steckte die bemannte Raumfahrt noch in den Kinderschuhen. Der erste große Schritt hin zu den Sternen erfolgte am 12. April 1961, als der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin mit der Wostok 1 als erster Mensch die Erde umkreiste. Bis zum ersten Schritt eines Menschen auf dem Mond sollten noch acht Jahre vergehen. Der US-amerikanische Astronaut Neil Armstrong verließ die Landefähre „Eagle“ und betrat als erster Mensch den Mond. Wenig später folgte ihm Edwin „Buzz“ Aldrin. In der Apollo-11-Kapsel umkreiste Michael Collins derweil den Erdtrabanten, um die beiden nach ihrer Mission wieder aufzunehmen. Nach Neil Armstrong und „Buzz“ Aldrin betraten noch zehn weitere US-Astronauten den Erdtrabanten.

Das Planetarium in Elsfleth wurde zwischen 1961 und 1972 errichtet. Die letzte bemannte Mondlandung von Apollo 17 erfolgte am 11. Dezember 1972. Diese Mission löste aus rund 384 000 Kilometern Entfernung irgendwie auch die Strahlkraft des Elsflether Planetariums aus. Mit seinem Planetariumsprojektor Zeiss ZKP 2, der damals für 140 000 Mark angeschafft wurde, kann sich Elsfleth mit dem Deutschen Museum in München messen – nur das dort das Zeiss ZKP 2 den Himmel über der Bayerischen Landeshauptstadt zeigt, während in Elsfleth die Sterne über der Hunte strahlen.

Der Mond, der erstmals vor 50 Jahren von Menschen betreten wurde, hat aber an beiden Orten nichts von seiner Anziehungskraft verloren.

Ulrich Schlüter Elsfleth / Redaktion Brake
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