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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

Verwaltung: „Ich freue mich auf Zeit“

28.12.2017

Elsfleth Als Dieter Sindermann am 1. April 1970 zu seinem ersten Arbeitstag im Rathaus in Elsfleth auftaucht, ist er noch grün hinter den Ohren. Er trägt einen Anzug, das Hemd hat die Mama gründlich gebügelt, der Krawattenknoten sitzt. Stadtdirektor Rolf Hayen begrüßt den neuen Azubi in seinem Büro und und bietet ihm eine Zigarette an. Sindermanns Nervosität platzt wie eine Seifenblase: „Das ist ja ein lockerer Laden hier“, denkt er sich und schlendert vergnügt aus dem Büro.

 Ordentlicher Anschiss

Auf dem Flur holt ihn die Lebenswirklichkeit in Gestalt seines direkten Vorgesetzten ein, der einen ordentlichen Anschiss zum Thema Rauchen im Büro abfeuert und klarstellt, dass Lehrjahre keine Herrenjahre sind.

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Letztere sollten für Sindermann später kommen. Geahnt hat er anfangs natürlich nicht, dass er beinahe 48 Jahre im Elsflether Rathaus arbeiten würde – davon einige in einem Büro mit vier Männern, die alle Zigaretten ohne Filter rauchten, so dass sich jeder bei Feierabend wie ein Räuchermann fühlte.

1. April 1970 bis 29. Dezember 2017: Dieter Sindermann ist der Dinosaurier im Elsflether Rathaus. Kein anderer ist dort schon so lange im Geschäft.

Große Teile seiner Ausbildung zum Verwaltungsangestellten verbrachte Dieter Sindermann in der Stadtkasse, „weil es da einen Engpass gab“, erinnert sich der 64-Jährige, der anfangs von seiner beruflichen Wahl noch nicht vollends überzeugt war: „Der Öffentliche Dienst war damals unattraktiv, es gab zu wenig Geld. Aber mein Lehrer wollte, dass ich mich in der Verwaltung bewerbe.“ Also bewarb sich der Moorriemer.

Das Auswahlverfahren kann in Stichpunkten zusammengefasst werden: zwei Bewerber. Ein Junge. Ein Mädchen. Der Junge gewinnt.

Sindermann selbst hat in seiner Laufbahn unzählige Vorstellungsgespräche geführt und Mitarbeiter eingestellt. Auch die heutige Bürgermeisterin Brigitte Fuchs war einst ein Azubi von Dieter Sindermann: „Da scheine ich ja nicht so viel falsch gemacht zu haben.“ Der 64-Jährige jedenfalls schätzt die Zusammenarbeit mit ihr.

 Vier Vorgesetzte

Viele Bürgermeister hat er nicht verschlissen: Erst gab es den Stadtdirektor, dann kam mit der Einführung des hauptamtlichen Bürgermeisters Diedrich Möhring, auf ihn folgte Traute von der Kammer und schließlich Brigitte Fuchs. Schon 1977 war Sindermann ins Hauptamt (heute Fachdienst 1 – Zentrale Dienste) gewechselt. 1987 übernahm er die Leitung dieses Bereichs, 2006 wurde er Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters. An diesem Freitag ist nun sein letzter Arbeitstag gekommen, dann verabschiedet er sich in den Ruhestand.

Blickt Sindermann auf seine Dienstjahre zurück, sieht er „Meilensteine für Elsfleth“ wie den Bau des Hallenbades, der Stadthalle und des Sportboothafens, die Verwaltungsreform und die erfolgreiche Arbeit der Heye-Stiftung, deren ehrenamtlicher Geschäftsführer Sindermann ist. Blickt er in die Zukunft, beschleicht ihn ein mulmiges Gefühl, „man weiß ja nicht, was kommt“. Aber: „Ich freue mich, Zeit zu haben, keine Termine, kein Druck. Ich will Radfahren, Spaziergänge machen und endlich Bücher lesen, die ich schon Weihnachten vor zwei Jahren bekommen haben.“ Und: Sindermann will mehr Zeit fürs Familienleben aufbringen. Zusammen mit seiner Frau Elke will Sindermann häufiger Sohn und Enkelkinder in Leipzig besuchen. „Einer unserer Söhne lebt hier in Elsfleth. Da haben wir auch zwei Enkel, darauf freue ich mich.“

Haus und Garten weisen auch ein paar Baustellen auf: „Aber ich bin handwerklich recht ungeschickt“, räumt Sindermann ein – das hat er auch in fast 48 Verwaltungsjahren nicht gelernt. Aber das kann ja noch werden.

Und wer weiß – könnte Dieter Sindermann nicht ein Mann für die Elsflether Lokalpolitik sein? „Ich kann das nicht ausschließen“, sagt der Fast-Rentner und lächelt zufrieden.

Anja Biewald Berne/Lemwerder / Redaktion Brake
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