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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

400 demonstrieren für Geburtshilfe

04.02.2019

Esenshamm Gegen die Entscheidung der Helios-Geschäftsführung, Mitte Februar die gesamte Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in der Klinik im Nordenhamer Stadtteil Esenshamm zu schließen, haben Samstagmittag auf einer Kundgebung vor dem Klinikeingang rund 400 Menschen demonstriert.

Polizei bestätigt

Die Polizei bestätigte diese Schätzungen der NWZ. Die Initiatoren seien bei der Anmeldung der Kundgebung von 100 bis 150 Teilnehmern ausgegangen. Unter den tatsächlich 400 waren viele junge Frauen und Mütter.

„45 000 der rund 90 000 Einwohner des Landkreises Wesermarsch werden durch die Entscheidung von Helios von der Gesundheitsversorgung abgekoppelt“, kritisierte in seiner kurzen Ansprache Christian Drechsel aus Brake.

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Der Rentner hatte die Initiative zur Demonstration ergriffen. Die Nordenhamerin Heike Stefanoff, die eine eigene Hebammenpraxis betreibt, hatte den Aufruf von Christian Drechsel in sozialen Netzwerken weiter verbreitet. Sie forderte bei der Kundgebung Politiker dazu auf, dafür einzutreten, dass die Geburtshilfe erhalten bleibt.

„Hier muss Menschlichkeit gegen Profitgier stehen“, sagte Heike Stefanoff unter großem Beifall und appellierte an alle: „Kämpft für Kinder und Kindeskinder. Erhaltet diesen Standort.“

Die angekündigte Schließung sei „ein fatales Signal; das dürfen wir nicht hinnehmen“, sagte Butjadingens Bürgermeisterin Ina Korter. Ihre Gemeinde werde besonders stark betroffen. „Die Wege für werdende Mütter werden zu anderen Kliniken in der Region unzumutbar lang.“

Laut Betriebsratsvorsitzender Ralf Feierabend sind auch die Klinikmitarbeiter sehr emotional betroffen. „Wir danken recht herzlich, dass so viele Bürger für die Geburtshilfe hier eintreten.“

Als „unvorstellbar“ bezeichnete Vizelandrat Uwe Thöle aus Nordenham die Schließung der Geburtshilfe und Frauenheilkunde. Es gebe eine ältere vertragliche Regelung mit Stadt und Landkreis, wonach Helios mit dem im Mai 2017 fertiggestellten Klinikneubau auch diese Abteilung weiterführen müsse.

Das Wort ergriff auf der Kundgebung ebenfalls Janine Doberenz. Die 34 Jahre alte Mutter zweier Kinder ist vor zwei Jahren von Bremen nach Nordenham gezogen. Ihr zweites Kind ist in der Helios-Klinik entbunden worden. Die Entscheidung von Helios sei eine Schande und unmenschlich, erklärte sie unter großem Beifall.

Gleich zweimal zu Wort meldete sich der ehemalige Vorsitzende des Ortsverbandes Nordenham der Linkspartei, Dietmar Lange. Er sprach von einer Diktatur und von Vertragsbruch. Die Demonstrationsteilnehmer hörten geduldig zu.

Ein Arzt ergreift das Wort

Wie die NWZ berichtet hat, müssen sich nun sieben Klinikärzte aus der Abteilung Frauenheilkunde und Geburtshilfe einen neuen Arbeitsplatz suchen. Einer von ihnen sprach auf der Kundgebung: Detlef Klünner. Er ist seit 27 Jahren am Krankenhausstandort Nordenham tätig und sagte: „Typisch für uns Bürger ist, dass wir nicht wach werden, wenn die Katze in den Brunnen fällt, sondern wenn sie darin begraben ist.“ Zudem werde man erst wachgerüttelt, wenn man direkt betroffen sei.

Infolge der sozialen Medien kommunizierten Menschen nicht mehr miteinander, bedauerte Detlef Klünner. Dieser Fall zeige aber, dass es darauf ankomme, in direkten Gesprächen aufeinander zuzugehen.

Helios schließe die Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, so der Assistenzart, weil diese Abteilung einfach zu teuer sei.

Die Politik sei vielleicht froh gewesen, dass der Landkreis den Klinikstandort vor Jahren verkauft hat. „Jetzt kann die Politik keinen Einfluss nehmen. Wir werden hier vorgeführt. Alles was wir hier reden, lässt die (Helios) kalt“, sagte Detlef Klünner.

Kundgebung-Initiator Christian Drechsel hatte gleich zu Beginn alle Teilnehmer darum gebeten: Wegen der Intensivstation im Krankenhaus sollten die Trillerpfeifen nicht zu laut zu hören sein.

Am Ende der knapp 40-minütigen Kundgebung rief Christian Drechsel per Lautsprecher die Klinikleitung auf, vor den Demonstrierenden Stellung zu nehmen. Nachdem niemand aus der Klinik gekommen war, riefen die Demonstrierenden mehrfach: „Rauskommen“. Als auch das keinen Erfolg brachte, pfiffen die enttäuschten Bürger.

Wie die NWZ später erfuhr, war Klinik-Geschäftsführerin Annika Wolter nicht vor Ort. Über eine Pressemitteilung teilte sie mit: „Wir bedauern die angekündigte Schließung der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Diese Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen, ist aber leider alternativlos.“ Gründe seien Hebammen- und auch Ärztemangel.

Helios nimmt Stellung

Die Geschäftsführerin fügt in ihrer schriftlichen Mitteilung hinzu: „Wir haben Verständnis dafür, dass Frustration und Ängste in dem sensiblen Bereich der Geburtshilfe nachvollziehbar eine große Rolle spielen.“

Die Klinik werde sich darum bemühen, künftig ambulante Angebote in der Gynäkologie und Geburtshilfe anzubieten. Denkbar seien die Einrichtung einer Hebammenpraxis und die Fortführung der ambulanten Gynäkologie-Praxis in der Helios-Klinik in Esenshamm.

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Horst Lohe Nordenham / Redaktion Nordenham
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