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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

„Natur ist mit ihrer Geduld am Ende“

18.05.2019

Fedderwardersiel Wenn eine Flasche als Gastgeschenk den Besitzer wechselt, dann ist meist ein edler Tropfen drin. Der Inhalt der Flasche, die am Freitagvormittag Bürgermeisterin Ina Korter überreicht bekam, ist indes nicht zum Verzehr empfohlen. Es handelt sich um ein „Original Göttinger ♥Abwässerchen“. Mitgebracht hatte es Edgar Schulz aus Göttingen, der am Freitag im Fedderwardersieler Hafen seine „Stinktour“ beendet hat. Das „Abwässerchen“ für Ina Korter hatte er nahe eines Klärwerks abgefüllt.

Edgar Schulz ist seit vielen Jahren Kanute. Mit dem Paddelboot hat der pensionierte Lehrer auch seine Stinktour unternommen. Am 28. April war er in Göttingen aufgebrochen. 20 Tage und 430 auf der Leine, der Aller und der Weser gepaddelte Kilometer später ist er am Freitag in Fedderwardersiel eingetroffen. Bürgermeisterin Ina Korter und Dr. Felicitas Demann, die neue Leiterin des Nationalpark-Hauses, begrüßten ihn.

Unsichtbarer Gift-Mix

Der 62-Jährige ist nicht aus Spaß an der Freude von Göttingen nach Butjadingen gepaddelt. Vielmehr war er auf einer Ökomission unterwegs. Er wollte mit einer plakativen Aktion darauf aufmerksam machen, wie verunreinigt die deutschen Gewässer inzwischen sind – verunreinigt mit Plastikmüll, den Edgar Schulz zuhauf vor allem auf der Leine bei Hannover gefunden hat. Verunreinigt aber auch durch eine Gift-Mixtur, die man zwar nicht sieht, die die Flüsse aber in immer größeren Mengen mit sich führen.

Besonders beunruhigend fand Edgar Schulz Wasser, das aus Schlitzen einer Kläranlage bei Herrenhausen strömte. Obwohl es bereits geklärt war, war dieses Wasser buchstäblich giftgrün. Der 62-Jährige hat davon ein Foto gemacht – und damit ein großes Problem dokumentiert: Selbst moderne Kläranlagen seien mit dem Cocktail aus Nitrat, Phosphat, Säuren, Schwermetallen und Medikamenten, den die Flüsse transportieren, überfordert. Das hätten ihm auch Fachleute, mit denen er auf seiner Stinktour geredet hat, bestätigt, sagt Edgar Schulz.

Aus den Flüssen ergießt sich der Gift-Mix ins Weltnaturerbe Wattenmeer. Eben das wollte der Göttinger mit der Wahl seines Zielhafens deutlich machen. Symbolisch hat er am Freitag aus einer großen Flasche Wasser ins Fedderwardersieler Hafenbecken gekippt.

Insgesamt 30 Paddler haben Edgar Schulz abschnittsweise auf der Stinktour begleitet. Die ganze Zeit über dabei, und zwar auf dem Fahrrad, war Peter Zänker aus Oldenburg. Der 60-jährige ehemalige Berufsfeuerwehrmann hatte von der Tour vor fünf Wochen gehört und spontan entschieden, sich Edgar Schulz anzuschließen. Erst kurz vorm Start lernten sie sich kennen; inzwischen sind sie Freunde geworden. Peter Zänker ist die Strecke zwei Mal geradelt. Während Edgar Schulz paddelte, fuhr er an Land mit dem Rad neben ihm her. Am Ziel hat er umgedreht und ist zurückgefahren, um das Wohnmobil zu holen, in dem die Männer übernachtet haben und in dem sie auch das Infomaterial deponiert hatten, das sie unterwegs ausgaben.

„Politik spielt auf Zeit“

Edgar Schulz ist unterwegs mit vielen Menschen ins Gespräch gekommen. Die meisten, sagt er, seien sich des großen Problems bewusst, das die Verunreinigung der Gewässer durch Plastikmüll und Chemie-Abwässer darstellt. Für die ländliche Bevölkerung gelte das mehr als für Städter, hat er festgestellt.

Dass es auch für Politiker gilt, wagt Edgar Schulz zu bezweifeln. Die seien offenbar eher geneigt, auf Zeit zu spielen, sagt der 62-Jährige. Das jedenfalls ist der Eindruck, den er bei einem Gespräch mit dem niedersächsischen Umweltminister Olaf Lies (SPD) gewonnen hat.

„Die Natur hat sich lange genug angeguckt, was wir Menschen mit ihr machen. Jetzt ist sie mit ihrer Geduld am Ende“, sagt Edgar Schulz. Er glaubt, dass ein Paradigmenwechsel notwendig ist – hin zu einem Handeln, bei dem die Menschen ihr Streben nach immer mehr Wachstum aufgeben und zur Abwechslung einmal der Umwelt den Vorzug geben.

Für Edgar Schulz ist ein Punkt erreicht, „an dem man nicht mehr stillhalten kann“. Er wird die Stinktour nicht einfach zu den Akten legen, sondern weiter für saubere Gewässer kämpfen, Vorträge über das Thema halten und Infoveranstaltungen organisieren. Er sieht vor allem die Verbraucher in der Pflicht, etwas zu ändern und das Ruder herumzureißen.

Der Meinung waren mehrheitlich auch die Besucher eines Infostands, den das Nationalpark-Haus im Hafen aufgebaut hatte. Sie konnten mit Muscheln darüber abstimmen, wer am ehesten in der Verantwortung steht, den zu einer großen Gefahr gewordenen Plastikmüll zu reduzieren. Die meisten Muscheln landeten im „Verbraucher“-Glas. Tipps, wie man Plastikmüll vermeiden kann, gab es vom Nationalpark-Haus direkt dazu.


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Detlef Glückselig Butjadingen / Redaktion Nordenham
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