• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

Schwierige Spurensuche nach Jahrzehnten

08.08.2017

Hammelwarden /Schweiburg Auf das Schicksal von zwei Varelerinnen und zweier polnischer Zwangsarbeiter während des 2. Weltkriegs hat der Vareler Historiker Holger Frerichs schon vor einigen Jahren hingewiesen. Jetzt hat er nach Auswertung weiterer Dokumente neue Einzelheiten über den Vorfall herausgefunden, der wegen seiner Brutalität erschreckt: Es geht um die Varelerinnen Sophie Zahn und Alma Koch, die nach dem Krieg in Kirchhammelwarden lebte. Beide kamen wegen angeblicher Kontakte zu polnischen Zwangsarbeitern 1941 ins Konzentrationslager.

Die beiden polnischen Zwangsarbeiter Wladislaus Gwizdek und Johann Ziolkowski, beide bei der Maschinenfabrik Heinen beschäftigt, sollen sexuelle Beziehungen zu den Frauen unterhalten haben. Sie wurden umgebracht, Ziolkowski am 10. August 1942 im KZ Buchenwald bei Weimar, Gwizdek am 6. August 1942 im KZ Neuengamme bei Hamburg.

Während über Sophie Zahn einiges bekannt war (sie überlebte die KZ-Haft), wusste man über das Schicksal der zweiten Frau bisher wenig. Ein bisschen was hat Frerichs nun herausgefunden. Alma Koch, Mädchenname Meinen, geboren am 13. Oktober 1912 in Schweiburg, war 1941 zum Zeitpunkt des Vorfalls 28 Jahre alt. Sie war wie Sophie Zahn verheiratet, ihr Mann war Postschaffner, und Mutter von zwei Kindern. Alma Koch wohnte seinerzeit in der Vareler Achternstraße 6.

Über drei Jahre Haft

Holger Frerichs hat bei der Archivsuche ihren Haftentschädigungsantrag entdeckt. Darin erklärte sie 1947: „Meine Verhaftung durch die Gestapo erfolgte, weil ich polnischen Arbeitern häufiger Nahrungsmittel hatte zukommen lassen und abfällige Bemerkungen über Hitler und den Nationalsozialismus gemacht hatte. (…) Von der Gestapo wurde ich über Wilhelmshaven nach Vechta gebracht, wo ich etwa acht Wochen festgehalten wurde. Von Vechta wurde ich nach Hamburg gebracht. Dort wurde ich in einem Gefängnis des Polizeipräsidenten untergebracht und blieb darin infolge einer Erkrankung einige Monate bis April 1942. Von Hamburg kam ich dann in das KZ Lager Ravensbrück, wo ich bis zum 14. Februar 1945 festgehalten worden bin. In Ravensbrück wurde mir eine sehr schlechte Behandlung zuteil, als ich im Februar 1945 entlassen wurde (…), wog ich nur noch 84 Pfund. Im KZ Ravensbrück waren Strafmaßnahmen wie Dunkelarrest und Stockhiebe gegen mich verhängt worden.“

Alma Koch wurde am 25. April 1942 von der Gestapo ins Frauenkonzentrationslager Ravensbrück überstellt und mit der Häftlingsnummer 10661 registriert. Untergebracht war sie dort im Block 6. Sie wurde als „politischer Häftling“ geführt. Noch während ihrer KZ-Haft wurde ihre Ehe „schuldhaft“ geschieden. Nach ihrer Entlassung und Rückkehr in die Heimat lebte sie in Kirchhammelwarden. Weiteres ist Frerichs bisher nicht bekannt.

Sophie Zahn (1918 bis 1989), zum Zeitpunkt der Verhaftung 23 Jahre und Mutter eines Sohnes, wohnte wie Alma Koch in der Vareler Achternstraße. Sie überlebte die Torturen im Lager, war jedoch gesundheitlich angeschlagen. Sie starb 71-jährig im Altersheim Simeon und Hanna. Sophie Zahn kam nach ihrer Verhaftung im September 1941 ins Frauenkonzentrationslager Ravensbrück, wo ein Vareler Lagerleiter war: Fritz Suhren. Sie habe, was verboten war, sogar den Leiter des Konzentrationslagers angesprochen, warum sie denn inhaftiert sei, erzählt ihr Sohn Manfred Zahn (Büppel). Weil sie ein politischer Häftling sei, bekam sie zur Antwort.

Nach dreieinhalb Jahren Lagerhaft kam Sophie Zahn kurz vor Kriegsende wieder frei, offenbar auf Betreiben von Fritz Suhren. Nach dem Kriege kehrte Sophie Zahn wieder nach Varel zurück, und konnte sich ihres Jungen annehmen, der inzwischen fünf Jahre alt geworden war.

Verbotener Kontakt

Den polnischen Zwangsarbeitern Gwizdek und Ziokowski hatten Sophie Zahn und ihre Bekannte Schüsseln zur Verfügung gestellt, in denen die Zwangsarbeiter ihre Wäsche waschen konnten. Darin bestand die „Kontaktaufnahme“.

Und noch ein unangenehme Begleitgeschichte für die Lager-Überlebende Sophie Zahn: Im Jahre 1946 musste sie sich gegen den Vorwurf der üblen Nachrede wehren. Sie hatte den Vareler Alfred Nie­stedt als Denunzianten bezeichnet, der sie ins KZ gebracht habe. Niestedt habe sie bei dem damaligen Ortsgruppenleiter angeschwärzt, er habe gesehen, dass Sophie Zahn einem Polen eine Waschwanne geliehen habe. Der damalige NSDAP-Kreisleiter Hans Flügel habe damals geäußert, „dass in diesem Falle einmal ein Exempel statuiert werden müsse, um die Bevölkerung Varels vor solchen Taten zu warnen“, ist in ihrem Rechtfertigungsbrief an das Vareler Amtsgericht aus dem Jahre 1946 zu lesen.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2091
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.