• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

Jetzt erst recht: In Gambia geht‘s weiter

23.02.2017

Rodenkirchen „Jetzt erst recht!“ Unter diesem Motto ist eine 15-köpfige Gruppe der Projekthilfe Gambia nach Westafrika geflogen. „Jetzt erst recht!“ So beschreibt Ingo Lieken, Schatzmeister der Regionalgruppe Wesermarsch der Projekthilfe, auch die Stimmung in dem gambischen Dorf Jahaly, in dem die Organisation mehrere Einrichtungen betreibt oder unterstützt.

Flugzeug statt Konvoi

Eigentlich wollten 4 Mitglieder der 15-köpfigen Gruppe in einem Konvoi mit zwei Kleinbussen und einem Arztwagen die 6700 Kilometer von Rodenkirchen bis Jahaly auf dem Landweg zurücklegen. Doch wegen der Unruhen beim Machtwechsel in Gambia mussten die Helfer die Tour in letzter Minute absagen. Die Frustration darüber sitzt immer noch tief, sagt Ingo Lieken.

Stattdessen nahmen Ingo Lieken, seine Frau Marion sowie Oktawian Jezierski und Fritz Borchers an der Flugreise teil, die Dieter Lieken, der Vorsitzende der Projekthilfe in der Wesermarsch, begleitend zum Konvoi vorbereitet hatte. Mit dem Flugzeug trafen sie gut eine Woche nach dem Machtwechsel in der Hauptstadt Banjul ein. „Die Stimmung war sehr gelöst, die Leute sind froh, dass sie endlich wieder frei reden dürfen“, sagt Ingo Lieken.

Dass es so laufen würde, war am 20. Januar, als der Konvoi mit 9 Teilnehmern in Rodenkirchen starten sollte, nicht abzusehen. Der Diktator Yahya Jammeh klammerte sich an seinen Posten und weigerte sich, die Macht an seinen gewählten Nachfolger Adama Barrow abzugeben. Truppen aus den Nachbarländern unterstützten die Demokratie-Bewegung, viele Gambier flohen nach Senegal, das den Kleinstaat Gambia komplett umschließt. Auch in Jahaly hatten die Menschen Angst, die Buschklinik und die Vorschule blieben eine Woche lang geschlossen.

Inzwischen ist Adama Barrow an der Macht und arbeitet an der Bildung einer großen Koalition; in drei Jahren will er abtreten und das Amt einem gewählten Nachfolger überlassen, hat er gesagt.

In Banjul besuchte die Gruppe aus Stadland zunächst das Büro der Projekthilfe, das der Einheimische Famara Fatty leitet. Das Büro muss in der Hauptstadt sein, weil es nur dort Internet gibt – und damit eine Verbindung nach Deutschland –, und weil nur dort die Versorgung der Projekte – etwa mit Medikamenten – sichergestellt werden kann.

Um nach Jahaly zu gelangen, mussten die Reisenden den Gambia-Fluss mit einer Fähre überqueren, was eine gute Stunde dauert. Dabei stellten sie fest, dass die Normalisierung noch auf sich warten lässt: Sie kamen gleich auf das Schiff und nicht erst, wie sonst, nach endloser Wartezeit.

Kunta-Kinte-Sklaveninsel

Unterwegs besuchten sie die Riverboat-Doctors, eine Hilfsorganisation aus Bookholzberg, die künftig das Büro der Projekthilfe mitnutzen wird. Eine weitere Station war die nach dem berühmtesten Sklaven der Welt benannte Kunta-Kinte-Insel, ehemals St. James Island. Hier war Kunta Kinte, ein Gambier aus dem Dorf Jujureh, vor 300 Jahren mit vielen anderen versklavt und nach Nordamerika verschifft worden, was in den 80er Jahren in der Fernsehserie „Roots“ geschildert wurde.

In Jahaly, einem Dorf von der Größe Rodenkirchens, wurden die Helfer mit einer zweistündigen Feier empfangen. Sie überreichten einen symbolischen Spendenscheck über 25 000 Euro, in der Landeswährung sind das 1,25 Millionen Dalasi.

Anschließend überzeugten sie sich vom sauberen und tadellosen Zustand der 1991 gegründeten 30-Betten-Buschklinik. Sie ist, vor allem wegen der kostenlosen Ausgabe von Medikamenten, seit einigen Jahren besonders stark gefragt. Im vergangenen Jahr wurden fast 45 000 Patienten gezählt. Kindergarten und Vorschule betreuen etwa 480 Kinder; die Einrichtung ist mit neuen Spielgeräten ausgestattet worden. Als nächstes großes Projekt wollen die Helfer die staatliche Grundschule mit 600 Kindern in 7 Klassen unterstützen, die in einem desolaten Zustand ist.

 Die Fahrzeuge, die eigentlich im Konvoi nach Gambia fahren sollten, sind seit dem vergangenem Freitag mit einem Frachtschiff von Hamburg nach Banjul unterwegs, wo sie am 17. März eintreffen sollen. Dort werden sie verkauft, der Erlös fließt in die Hilfsprojekte.

Henning Bielefeld
Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2203

Weitere Nachrichten:

Riverboat-Doctors | Lieken

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.