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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

Rückbau: Berlin prüft Genehmigung

09.12.2017

Kleinensiel /Brake Das niedersächsische Umweltministerium hat Stilllegung und Rückbau des Kernkraftwerks Unterweser (KKU) genehmigt. Am 28. November ist diese Genehmigung zur Prüfung an das Bundesumweltministerium in Berlin weitergeleitet worden.

Diese Aussage von Andreas Obermair vom Arbeitskreis Wesermarsch (AKW), einen Zusammenschluss der lokalen Anti-Atom-Initiativen, hat Dr. Edgar Mergel am Donnerstagabend bestätigt. Mergel leitet im Bundesumweltministerium das Referat Kerntechnische Aufsicht und ist damit für Stilllegung und Rückbau der deutschen Kernkraftwerke zuständig. Die Prüfung werde mindestens vier Wochen dauern, sagte er.

Mergel war einer der beiden Referenten beim 1. Forum zum Rückbau des KKU, das im Kreishaus stattfand. So unterschiedliche Menschen wie Ute Cornelius, die Vorsitzende des Kreislandfrauenverbandes, und Mustafa Dogan, der Chef des DGB-Kreisverbandes, bewerteten die vierstündige Veranstaltung als sehr informativ.

Damit war der Zweck der Zusammenkunft erfüllt. „Wir wollen alle Teilnehmer auf den gleichen Stand der Information bringen, damit sie auch als Multiplikatoren wirken können“, sagte die Moderatorin Helma Dirks zum Auftakt. Sie ist Mitarbeiterin des Basler Beratungsunternehmens Prognos AG, das die Bürgerbeteiligung im Auftrag der Kreisverwaltung organisiert. Teilnehmer waren rund 20 feste Vertreter aus Wirtschaft, Landwirtschaft, Gewerkschaften, Naturschutz, Politik und Verwaltung sowie vom Betreiber und von Anti-Atom-Initiativen.

Rückbau ist möglich

„Es ist möglich, in Deutschland Kernkraftwerke vollständig zurückzubauen“, lautete die wichtigste Botschaft von Edgar Mergel. So sei das bayerische Kernkraftwerk Niederaichbach komplett einer mehr oder weniger grünen Wiese gewichen. Seine zweite Botschaft betraf den erneuerten Leitfaden zur Stilllegung von Kernkraftwerken, der dem direkten Abbau eindeutig Vorrang vor dem sicheren Einschluss gibt. Der auch von Atomkraftgegner in der Wesermarsch geforderte sichere Einschluss für 30 Jahre sei „sinnlos“, sagte Mergel, weil die Strahlung in dieser vergleichsweise kurzen Zeit kaum nachlasse, das Kraftwerk aber weiterhin stehenbleibe. Wichtigste Probleme seien die hohe Zahl der Stilllegungsprojekte, die im Ministerium viel Personal binde, und der große Bedarf an Rückbau-Fachkräften.

Generell ist Kerntechnik in Deutschland kaum noch gefragt, ergänzte Florian Reisenhofer, der zweite Referent des Abends, mit Bedauern. Reisenhofer ist am Institut für nukleare Entsorgung und Techniktransfer der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen in der Forschung und bei der Fachhochschule Aachen in der Lehre tätig. Kerntechnik werde nicht nur zur Stromerzeugung gebraucht, sondern etwa auch für die Medizin.

Gefährlich wie Röntgen

Reisenhofer nutzte seinen Vortrag, um die Dimensionen zurechtzurücken. Der von Atomgegnern als zu hoch kritisierte deutsche Grenzwert für radioaktive Belastung sei international sehr niedrig. Ein Arbeiter auf einer Deponie mit Bauschutt aus einem Kernkraftwerk dürfe maximal einer Belastung von 10 Mikrosievert im Jahr ausgesetzt werden. Das sei so viel wie eine Röntgenaufnahme beim Zahnarzt. Zum Vergleich: Die natürliche Strahlung aus Luft und Boden beträgt 4000 Mikrosievert pro Jahr. Starke Raucher könnten es allein durch ihr Laster auf 8000 Mikrosievert im Jahr bringen.

Kritik mussten sich die Atomkraftgegner aus der Runde anhören. Mustafa Dogan verbat sich die „Aggressivität“ im Tonfall von Andreas Obermair, und Jens Wrede, Leiter der Wirtschaftsförderung Wesermarsch, und Julia Bittner, Chefin der Touristikgemeinschaft Wesermarsch, machten deutlich, dass sie das Schicksal der KKU-Beschäftigten und die Zukunft der Wesermarsch ohne diesen großen Arbeitgeber mehr interessiere als technische Details.

Henning Bielefeld
Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2203

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