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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

Das war 2017 wichtig in Lemwerder

30.12.2017

Lemwerder Jürgen Zeisberg ist ein stiller Beobachter. Er spricht ruhig und überlegt und lässt in seine Aussagen zuweilen ironische Seitenhiebe einfließen. Und der 74-jährige Lemwerderaner hat eine eher selten gewordene Leidenschaft: er interessiert sich für die Entwicklung seiner Gemeinde. Deshalb ist er – obwohl politisch nie selbst aktiv geworden – regelmäßiger Zuhörer in den Rats- und Ausschusssitzungen des Gemeinderates. Wer könnte also besser am Ende des Jahres eine Bilanz ziehen und einordnen, was 2017 wichtig in Lemwerder gewesen ist. Auf Bitten der NWZ blickt der ehemalige technische Angestellte von ASL (Aircraft Services Lemwerder), der eigentlich Autoschlosser gelernt hat, auf die vergangenen zwölf Monate zurück – ganz persönlich und ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

 Carbon Rotec

Das bedrückendste Ereignis ist für Jürgen Zeisberg natürlich die Insolvenz des Rotorblattherstellers Carbon Rotec auf dem ehemaligen Flughafengelände. Hier hat Jürgen Zeisberg selbst viele Jahre gearbeitet, hat den Niedergang der dort ansässigen Unternehmen am eigenen Leib miterlebt. „Damit habe ich nicht gerechnet“, sagt Zeisberg mit Blick auf die Schließung des Unternehmens zum Jahresende. „Das war für mich nicht abzusehen.“

Erinnerungen werden bei dem 74-Jährigen wach; an die Arbeitskämpfe um den Erhalt des Standorts Lemwerder, die am Ende doch erfolglos geblieben sind. Und nun wieder eine Pleite.

 Osttangente

Jürgen Zeisberg hofft, dass sich bald neue Unternehmen auf dem ehemaligen Flughafengelände ansiedeln. Dafür wäre als Anbindung die in der Gemeinde kontrovers diskutierte Osttangente sicher hilfreich, glaubt er. Aber nicht nur für die schnelle Erreichbarkeit des Gewerbegebietes. Wenn die Osttangente ihre geplante Funktion als Umgehungsstraße erfüllen würde, dann könnte vielleicht auch noch einmal ein Vorstoß unternommen werden, die Ortsdurchfahrt Stedinger Straße zu sanieren. „Notwendig wäre das schon“, sagt Zeisberg – der natürlich weiß, dass sich wegen der zu erwartenden Kosten viele Anlieger dagegen ausgesprochen hatten.

Die Osttangente könnte auch für eine Entlastung der Tecklenburger Straße sorgen, sieht der 74-Jährige eine weitere Funktion der Straße. Dies sei sinnvoll mit Blick auf die Entscheidung, die Erst- und Zweitklässler ausschließlich am Standort Deichshausen der Grundschule Lemwerder (eben in der Tecklenburger Straße) zu beschulen. „Der Durchgangsverkehr könnte sonst zu einer erheblichen Gefahr für die Kleinen werden“, meint Jürgen Zeisberg. Denn viele Kinder würden zu Fuß zur Schule laufen müssen, weil sie nicht in einem Abstand von mindestens zwei Kilometern – Voraussetzung für einen Bustransport – entfernt wohnen würden.

 Grundschule West

Apropos Schule: Unentschlossen ist Jürgen Zeisberg, wie er den zum Jahresende erfolgten Verkauf der ehemaligen Grundschule West bewerten soll. Einerseits biete das abgelegen liegende Schulgebäude, wie im Gemeinderat auch diskutiert, die Möglichkeit für neue Krippenplätze, die bekanntlich in der Kommune fehlen. Andererseits müsste das Schulgebäude mit den sanitären Anlagen auf die dann deutlich kleineren Nutzer umgebaut werden. Nun soll ein Atelierhaus daraus werden und der private Investor muss mögliche Umbaukosten tragen. „Wir werden sehen“, zeigt sich der 74-Jährige abwartend.

 Gemeinderat

Die politische Arbeit in den Fachausschüssen und im Gemeinderat bezeichnet der stille Beobachter als „unaufgeregt“. Nach dem Einzug der Unabhängigen in den Rat, die Bildung einer Gruppe aus FDP-Ratsmitgliedern und der Grünen-Ratsfrau Brigitta Rosenow sowie der (Mehrheits-)Gruppenbildung von SPD und CDU nach der Wahl im September 2016 hätten sich „die Aufregungen gelegt“. Auch die Mitglieder der UWL-Fraktion (Unabhängige Wähler Lemwerder) seien nach anfänglicher Euphorie im politischen Alltag angekommen“. Sie hätten erkennen müssen, dass nicht alles so einfach umsetzbar sei.

 Senioren-Anlaufstelle

Zu einem Rückblick gehört natürlich immer auch ein kleiner Ausblick. Ein Thema im neuen Jahr ist für Jürgen Zeisberg eine Anlaufstelle für Senioren, in der diese beispielsweise ein warmes Mittagessen bekommen könnten. „Die Bürgermeisterin hat als einen möglichen Standort das nicht mehr benötigte Gebäude der Eschhofschule ins Gespräche gebracht, das liegt doch ganz zentral“, unterstützt er diese Idee. Dass eine solche „Küche“ notwendig ist, steht für Jürgen Zeisberg außer Frage.

 Entwässerung

Ein weiteres wichtiges Thema ist für ihn die Entwässerung. „Bisher sind zum Beispiel in unserer Siedlung längst nicht alle Haushalte angeschlossen. Bei Starkregen steht hier überall das Wasser in den Gärten“, sieht der 74-Jährige Handlungsbedarf.

 Und Privat?

Privat, sagt der Ruheständler, sei das Jahr 2017 für ihn „ein ganz normales“ gewesen. Und 2018? „Vielleicht fahren wir nach Australien“, wirft Ehefrau Karin plötzlich ein und schmunzelt. „Da war er schon mal als junger Mann.“ Aber wer kontrolliert in dieser Zeit dann die Volksvertreter im Rat?

Torsten Wewer
Elsfleth
Redaktion Brake
Tel:
04401 9988 2322