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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

Eduard Krüger darf doch bleiben

23.03.2019

Nordenham /Abbehausen Sie hatten protestiert, Unterschriften gesammelt und sogar mit einem Bürgerentscheid gedroht. Die Anlieger ließen nichts unversucht, um die geplante Umbenennung der Eduard-Krüger-Straße zu verhindern. Nachdem es im Herbst vergangenen Jahres noch danach ausgesehen hatte, dass ihr Widerstand ins Leere laufen würde, ist jetzt eine ganz neue Situation eingetreten. Im Vorfeld der entscheidenden Sitzung des Abbehauser Ortsrates am Mittwoch, 27. März, zeichnet sich ab, dass die Mehrheit aus CDU und FDP die Straßenumbenennung ablehnen wird. Das haben die Vorsitzenden beider Fraktionen auf Nachfrage der NWZ deutlich gemacht.

Aktiv in der NS-Zeit

Mit seiner Dokumentation über das Wirken des Rüstringer Heimatbundes in der NS-Zeit hatte der Oldenburger Historiker Dr. Joachim Tautz die Debatte über die Straßennamen ausgelöst. Seine Forschungsarbeit war Ende 2017 erschienen. Darin beschreibt er, wie sich Eduard Krüger und Erich Lampe für den Nationalsozialismus ereifert hatten.

Eduard Krüger (1892-1968) stammte aus Jever und war 1921 als Hilfsschullehrer nach Nordenham gekommen. Er leitete von 1946 bis 1957 als Rektor die Hafenschule. Im Rüstringer Heimatbund war Eduard Krüger vor allem als Reiseleiter und von 1962 bis 1966 auch als 1. Vorsitzender aktiv. Der Verein ernannte ihn später zum Ehrenmitglied.

Erich Lampe (1902-1940) war als Lehrer in Abbehausen tätig und engagierte sich im Vorstand des Rüstringer Heimatbundes. Zudem leitete er als Vorsitzender von 1924 bis 1937 den TSV Abbehausen.

In der Nazi-Zeit sind beide mit judenfeindlichen und nationalistischen Hetzereien aufgefallen, die sie unter anderem in Zeitungsartikeln verbreiteten. Dafür gibt es laut einem Gutachten, das der Historiker Dr. Timothy Saunders im Auftrag der Stadt Nordenham erstellt hat, eindeutige Belege. Er betont, dass sie dazu „in keiner Weise genötigt wurden“. Eduard Krüger habe zudem seine Position als Schulleiter missbraucht, um ihm missliebige Personen zu denunzieren und der Zwangssterilisierung auszuliefern.

Als sich der Ortsrat am 25. Oktober zum ersten Mal mit dem heiklen Thema befasste, bekam die Stadtverwaltung den Auftrag, das Umbenennungsverfahren einzuleiten und die Anlieger darüber zu informieren. Diesen mit 6:5 Stimmen verabschiedeten Grundsatzbeschluss trugen die vier anwesenden SPD-Fraktionsmitglieder, der WIN-Vertreter Heinz-Dieter de Groot und der unabhängige Ratsherr Horst Milotta mit. Die CDU votierte mit Nein, während sich die beiden FDP-Vertreter der Stimme enthielten.

Bürgermeister Carsten Seyfarth, der sich aufgrund der nationalsozialistischen Vergangenheit des Namensgebers ausdrücklich für eine Umbenennung der Eduard-Krüger-Straße ausspricht, hat sich in der Zwischenzeit mit den Anliegern zu einer Unterredung getroffen. Trotz der im Vorfeld hochgekochten Emotionen sei das Gespräch sehr sachlich verlaufen, betont er. Allerdings seien die Anwohner nicht bereit gewesen, von ihrer Position abzuweichen. Davon konnte der Bürgermeister sie auch nicht mit dem Angebot abbringen, dass die Stadt Nordenham ihnen eine Kostenpauschale für die Ausgaben zahlen würde, die in Folge einer Adressenänderung entstehen.

Kosten und Aufwand

Die Anlieger der Eduard-Krüger-Straße haben ihre ablehnende Haltung stets damit begründet, dass die finanziellen Belastungen und der bürokratische Aufwand nicht zumutbar seien. Außerdem zogen sie in Zweifel, dass Eduard Krüger in der Nazi-Zeit mehr als ein Mitläufer gewesen sein soll.

Gegenüber der NWZ hat der Bürgermeister noch einmal bestätigt, dass die Verwaltung es nach wie vor für richtig hält, der Eduard-Krüger-Straße einen neuen Namen zu geben. Eine entsprechende Empfehlung will er in der Ortsratssitzung vortragen, die am Mittwoch um 19 Uhr im Landhotel Butjadinger Tor beginnt. Angesichts der Mehrheitsverhältnisse in dem 15-köpfigen Dorfparlament steht der Bürgermeister aber auf verlorenem Posten, weil er die CDU (6 Sitze) und die FDP (2 Sitze) gegen sich hat.

Der Willen der Anlieger ist laut CDU-Fraktionschef Ralf van Norden ausschlaggebend. „Darüber darf man sich nicht einfach hinweg setzen“, findet er. Ähnlich äußert sich die Vorsitzende der FDP-Ortsratsfraktion, Larissa Fink. „Wir möchten, dass wieder Ruhe in unser Dorf kommt“, ergänzt sie, „es gibt wichtigere Themen.“

An der schwarz-gelben Mehrheit wird auch die SPD (5 Sitze) mit ihrem Vorschlag scheitern, den Namen Eduard Krüger zu streichen und stattdessen die Straße nach Carl-Wilhelm Jaspers zu benennen. Er war der Vater des international bekannten Philosophen Karl Jaspers und von 1879 bis 1881 als Amtshauptmann in Ellwürden tätig.

Butjadingen fragen

Der Ortsrat hat in dieser Angelegenheit die alleinige Entscheidungsbefugnis, weil sich die Eduard-Krüger-Straße ausschließlich auf dem Areal der Altgemeinde Abbehausen befindet. Anders sieht die Sache beim Erich-Lampe-Weg aus, der auch durch das Nordenhamer Stadtgebiet verläuft. Dessen Umbenennung ist bereits beschlossene Sache. Nur der Name steht noch nicht fest. Die Anregung der Verwaltung, ihn künftig als „Alter Bahndamm“ zu bezeichnen, ist zwar im Bauausschuss des Stadtrates auf eine grundsätzliche Zustimmung gestoßen. Allerdings soll die Stadtverwaltung vor einem Beschluss noch die Meinung der Gemeinde Butjadingen einholen, auf deren Gebiet der Weg ebenfalls verläuft. Dem Bauausschuss wäre es auch aus touristischen Gründen am liebsten wenn der Bahndamm von Nordenham bis Mitteldeich durchgehend den selben Namen tragen würde.

Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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