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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

Betonfüße werden zu Stolpersteinen

27.07.2017

Nordenham Es sind nur Kleinigkeiten, die Hilde Androsch am Nordenhamer Bahnhof bemängelt, doch für Menschen mit Sehproblemen können diese schnell zu Stolpersteinen werden. Der Bauzaun rund um die Baustelle beispielsweise steht auf dicken Betonfüßen. Rechts und links ragen die Betonsteine am Zaun vor, zeigt Hilde Androsch. Darauf hat sie die Stadtverwaltung schon hingewiesen. „Die hat auch schnell reagiert und zwei Warnbaken am Zaun an der Bushaltestelle aufgestellt. Von der Stelle hatte ich ein Bild beigelegt“, lobt sie. Allerdings gibt es das Problem nicht nur an dieser Stelle. Der Bauzaun steht rund um die Baustelle auf solchen Betonfüßen.

Schlecht zu sehen

Gerade in den Abendstunden, wenn das Licht langsam schwächer wird, seien die Steine schlecht zu sehen, sagt Hilde Androsch. Hinzu komme, dass Fahrgäste, die mit dem Zug am Bahnhof ankommen und in den Bus nach Blexen steigen wollen, ab 19 Uhr gerade einmal fünf Minuten Zeit haben, um vom Gleis zur Haltestelle zu gelangen. „Wer in Eile ist, nimmt den kürzesten Weg“, meint Hilde Androsch.

Über die Rampe kommen sie zwar problemlos zur Baustelle. „Aber wenn man schlecht sehen kann, hält man sich nahe am Bauzaun“, sagt Hilde Androsch, die selbst an einer altersabhängigen Makula-Degeneration (AMD) leidet. Bei Betroffenen stellt sich ein Sehverlust in der Mitte des Gesichtsfelds ein. Dabei können sie ausgerechnet das nicht mehr erkennen, was sie direkt betrachten.

Eine weitere häufig vorkommende Augenkrankheit ist der Graue Star. Durch eine Eintrübung der Linse sehen die Betroffenen wie durch eine Milchglasscheibe. Farben werden immer blasser und Kontraste immer schwächer. Die Betonfüße des Bauzauns verschwimmen so mit dem Untergrund.

Gerade, wenn Fußgänger die zwei Engpässe zwischen Zaun und Wasserspiel und ein Stück weiter zwischen Zaun und Sitzbank passieren, sei die Gefahr groß, über die Betonfüße zu stolpern, sagt Hilde Androsch. Hinzu kommt, dass an dieser Stelle oft Fahrräder abgestellt werden, die den ohnehin schmalen Durchgang weiter verengen.

Hilde Androsch schlägt vor, den Bauzaun einfach an den äußeren Verankerungslöchern der Betonfüße zu befestigen, dann würden sie nicht mehr soweit hervor ragen. Das sei aber nicht möglich, sagt Tim Lorenz, Diplom-Ingenieur für Architektur im Stadtplanungsamt.

Wird der Zaun am Rand der Füße verankert, wird die Stabilität des Zauns beeinträchtigt, erklärt er. Gerade bei Wind fangen die Elemente an zu wackeln und können umstürzen, sagt er weiter. Warnbaken an jedem Fuß aufzustellen hält Tim Lorenz für nicht sinnvoll. „Die Baken haben ja auch einen Fuß, der dann wieder im Weg steht“, sagt er mit Blick auf die Engstellen, die Hilde Androsch anspricht. Doch an diesem Donnerstag soll eine Baubesprechung stattfinden, sagt Tim Lorenz. Da werde er das Thema gern einbringen. „Wir gucken uns das noch einmal an und überlegen, ob wir die Situation verbessern können“, verspricht er.

Sackgasse für Rollstühle

Rollstuhlfahrer, die den kurzen Weg entlang des Bauzauns wählen, landen schließlich sogar in einer Sackgasse an den beiden Stufen zur Bahnhofstraße/Gatestraße, zeigt Hilde Androsch die nächste Problemstelle auf. Mit Makula-Degeneration oder Grauem Star sind diese Stufen, genau wie alle anderen zurzeit zugänglichen Treppen am Bahnhofsvorplatz, nur schwer zu sehen, sagt sie. Es fehlt eine Markierung der ersten und der letzten Stufe. Auch die Geländer seien zu kurz, meint sie. Die Haltemöglichkeit hört genau auf der letzten Stufe auf, den letzten Treppenabsatz übersehen Sehbehinderte unter Umständen. Üblich sei es, die Handläufe noch für rund 20 bis 30 Zentimeter gerade weiter zu führen, damit Sehbehinderte wissen, dass die Treppe hier endet.

Bei den aktuellen Umbauarbeiten würden Seheinschränkungen jedoch berücksichtig, sagt Tim Lorenz. Die alte Treppe wurde bereits abgerissen. Für die neue sind Kontraststreifen jeweils an der ersten und der letzten Stufe geplant, damit Anfang und Ende der Treppe leichter zu erkennen sind. Auch ein Treppengeländer soll angebracht werden. Den Hinweis, dass es auch für Treppengeländer Anfangs- und Endmarkierungen gibt, nimmt er gerne auf.

„Es liegt in der Natur der Sache, dass es während der Bauzeit Einschränkungen gibt“, sagt Tim Lorenz. Er lobt aber die Nordenhamer. „Die Bürger sind sehr flexibel und stellen sich darauf ein“, freut er sich. Dass es bereits Unfälle gegeben hätte, sei ihm nicht bekannt, sagt er auf Nachfrage. Die Bauarbeiten sollen Ende Oktober abgeschlossen sein.

Merle Ullrich Nordenham / Redaktion Nordenham
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