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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

Erster Nachkriegsbürgermeister: Den Nazis immer die Stirn geboten

06.06.2020

Nordenham /Brake /Westerstede Die Nationalsozialisten hatten ihn aus seinem Amt vertrieben, die Alliierte Militärregierung ernannte ihn zum Bürgermeister von Nordenham: Vor genau 75 Jahren, am 6. Juni 1945, trat Dr. Johannes Winters seine schwere Aufgabe in der Unterweserstadt an.

Johannes Winters war ein standhafter Verwaltungsbeamter und Nazi-Gegner gewesen. Als Bürgermeister der Stadt Brake hatte er sich 1933 mehrmals geweigert, die Hakenkreuzfahne am Rathaus hissen zu lassen. Er ließ sogar den Fahnenstock verstecken, damit nicht eine Parteifahne an einem öffentlichen Gebäude gehisst werden konnte.

Aus Brake verjagt

Die Empörung unter den Nazis war riesengroß. Unter Glockengeläut versammelten sich SA-Leute, um den undemokratischen Akt zu vollziehen. Johannes Winters wurde im April aus seinem Amt gejagt. Mit zwei weiteren Ratsmitgliedern wurde er aus dem Magistrat der Stadt (das entspricht in etwa dem heutigen Verwaltungsausschuss) ausgeschlossen. Er musste Brake verlassen und 1934 nach Oldenburg ziehen.

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In Oldenburg hatte der politische Beamte – er war zuvor (bis 1927) Gemeindevorsteher in Westerstede gewesen – keinerlei finanzielle Unterstützung. Ehefrau Gretchen bekam eine Stelle als Lehrerin an der Volksschule in Metjendorf. Weil sie den „deutschen Gruß“ verweigerte, also nicht „Heil Hitler“, sondern „Guten Morgen“ sagte, verlor sie die Stelle wieder, wie ihre Tochter Ingrid im Gespräch mit dem Oldenburger Historiker Günter Heuzeroth erzählte.

Die Familie wohnte in der Donnerschweer Straße 89. Auf dem Weg zur Schule wurden die Tochter und drei Söhne des Öfteren von der Gestapo drangsaliert. Sie waren nicht in der Hitlerjugend und auch nicht im Bund Deutscher Mädel. Der Vater, in der Weimarer Republik in der Deutschen Demokratischen Partei (DDP), lehnte das ab.

„Entweder wir haben eine Gesinnung oder nicht. Und wenn, muss man eventuell damit rechnen, vor die Hunde zu gehen“, sagte Johannes Winters.

Der Hass der Nazis auf ihn traf die Kinder. Ingrid Winters musste in der Oberschule aufstehen und sagen: „Unser geliebter Führer Adolf Hitler hat mit sicherem Instinkt alle korrupten und verfassungsfeindlichen Beamten aus ihren Ämtern verjagt.“ Klare Ansage an eine 13-Jährige, gemeint war natürlich der Vater.

Gauleiter Carl Röver soll Johannes Winters Stellen angeboten haben, aber er lehnte ab und wollte nicht Mitglied der Partei werden, was dafür Voraussetzung gewesen wäre.

Holzdiebe bestraft

So kam Johannes Winters als erklärter Nazi-Gegner und von ihnen zum Feind erklärt in die Position des ersten Nachkriegsbürgermeisters in Nordenham. Dort ergriff er ungewöhnliche Maßnahmen, um das „schwarze“ Abholzen von Straßenbäumen zu verhindern.

Der Bürgermeister veröffentlichte die Namen von 34 Nordenhamern, die Bäume an Straßenbermen und in Parks gefällt hatten. Sie erhielten Geldstrafen. 50 Reichsmark Geldstrafe gab es für den Holzdiebstahl.

Im Januar 1946 wurde Johannes Winters vom späteren Landrat und Landtagsabgeordneten Max Schwarz (SPD) abgelöst und wurde Stadtdirektor. 1948 wurde er dann zum Oberkreisdirektor des Landkreises Ammerland gewählt. Dort hatte er schon einen Namen. Denn als tüchtiger Gemeindevorsteher hatte er in Westerstede gewirkt und unter anderem 1927 die Hössen-Sportanlage errichten lassen. Seine Amtszeit war kurz. Er starb im Alter von 54 Jahren am Karfreitag (15. April) des Jahres 1949.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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