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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

Gedenkveranstaltung Im Museum Nordenham: Gegen das Vergessen und Verdrängen

28.01.2020

Nordenham Bewegend. Aufrüttelnd. Ermutigend. Hin- und hergerissen zwischen Beklommenheit, Entsetzen und Ansporn, Wut und Mut. So erlebten am Vorabend des Holocaust-Gedenktages die Besucher im Nordenham-Museum die szenische Lesung „Wider Hass und Antisemitismus“.

Seit der Befreiung der Häftlinge aus der größten Menschenvernichtungsanlage aller Zeiten, dem Konzentrationslager Auschwitz, am 27. Januar 1945 durch die Rote Armee seien zwar schon 75 Jahre vergangen. Doch, so machten Dr. Wolfgang Knüll, Kai und Delf Jacobs, Dagmar Leffers und Dr. Timothy Saunders unmissverständlich bewusst, die Themen Hass und Rassenwahn, stumpfe Gewalt, Rechtspopulismus und Antisemitismus seien in der heutigen Gesellschaft nicht nur weiterhin präsent, sondern sogar wieder brandaktuell.

Die brutalen Morde des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), die Schändung von Synagogen und die Bagatellisierungen – wie die Aussage des AfD-Politikers Alexander Gauland, die Nazis seien „nur ein Vogelschiss“ in 1000 Jahren deutscher Geschichte, – seien eindeutige, wachrüttelnde Belege dafür. Es gehe bei dem Gedenken des Holocausts aber nicht um Schuld, sondern es gehe gegen das Vergessen.

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Initiative ergriffen

Die Idee, sich in einer gemeinsamen Gedenkstunde zu erinnern, war gekommen, nachdem im vergangenen November die sogenannten Stolpersteine auf Nordenhams Fußwegen am Vorabend der Reichspogromnacht mit Farbe beschmiert worden waren. Die Stolpersteine tragen die Namen der seinerzeit in der Stadt lebenden jüdischen Familien. Wolfgang Knüll, Sohn des praktischen Arztes, der in jenen Jahren die Familien bis zu ihrer Verschleppung oder Vertreibung betreut hatte, ergriff daraufhin die Initiative.

Museumsleiter Timothy Saunders sprach mit Blick auf die Massenvernichtung von einer „moralischen Niederlage“ der Gesellschaft und von einem „Scheitern des kollektiven Anstands“. Der gemeinschaftliche Mord damals sei offenbar aber so ungeheuerlich gewesen, dass viele ihn in Köpfen und Herzen heute noch immer nicht begriffen hätten. Das Beschmieren der Stolpersteine beispielsweise zeige es, denn es verunglimpfe die Opfer des Nazi-Terrors.

Timothy Saunders: „Das Beschmieren ist allerdings nicht nur eine Schande für die, die es taten, sondern auch eine Schande für uns alle.“ Die Gedenkstunde sei aber nicht gedacht, um belehrend den Zeigefinger zu heben, sondern um Buße zu tun und sich gegen den Faschismus in der Köpfen und gegen die Verdrängung und Verleugnung der Fakten zu wehren. Was damals während des Nazi-Terrors passierte, dürfe nie wieder passieren.

Willkür und Grausamkeit

Wolfgang Knüll erinnerte an das Leid der jüdischen Familien, an die etwa sechs Millionen ermordeten Juden, an getötete Sinti, Roma, Behinderte, Politiker und Kirchenvertreter. Und an die Abermillionen in den Schützengräben getöteten Soldaten. Hitler sei ein nichtsnutziges Rednertalent gewesen, sagte er, persönlich feige, ein Menschenverachter und als empathischer Mensch untauglich. Er und seine „skrupellose Verbrecherbande epochalen Ausmaßes“ hätten mit totaler Willkür und Grausamkeit geherrscht. Es sei erschreckend, dass viele die Vorfälle von damals auch heute noch bestritten oder bagatellisierten, obwohl es Augenzeugenberichte gebe und wissenschaftliche Beweise. Wolfgang Knüll forderte deshalb dazu auf, keine Toleranz gegenüber der Intoleranz zu üben.

In verteilten Rollen lasen Wolfgang Knüll, Kai und Delf Jacobs, Dagmar Leffers und Timothy Saunders aus den sehr persönlichen Kindheitserinnerungen des Seefelders Gerold Hillmann und des Wilhelmshaveners Rutger Tillessen sowie aus dem Klassenbrief einer Abiturklasse von 1944, legten erschütternde Zeitdokumente über die Reichspogromnacht in Nordenham und Brake vor und blätterten in Berichten aus Konzentrationslagern. Kai Jacobs spielte zwischendurch auf der Solo-Klarinette Klezmer-Musik, die uralte Volksmusik der europäischen Juden. Im Nordenham-Museum herrschte beklemmende Stille. Nach anderthalb Stunden beendete Wolfgang Knüll die Veranstaltung: „Wir machen jetzt Schluss, weil mehr nicht auszuhalten ist.“

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