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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

900 demonstrieren für buntes Nordenham

15.10.2018

Nordenham Vor einer Woche war die Demonstration angemeldet worden mit der Erwartung von 250 Teilnehmern. Bei der Vorbesprechung Samstagmorgen mit der Polizei war dann aufgrund der großen Resonanz in der Bevölkerung nach dem Demonstrationsaufruf von 400 Teilnehmern ausgegangen worden. Tatsächlich haben nach Schätzungen der Polizei etwa 900 Menschen am Samstagnachmittag mit einem eindrucksvollen Demonstrationszug durch die Nordenhamer Innenstadt und anschließender Kundgebung auf der Rathauswiese gegen Hass und Rassismus demonstriert.

Sie setzten ein klares Signal dafür, dass Nordenham bunt ist und die Stadt bunt bleiben will. Das riefen sie während des Zuges und der Kundgebung immer wieder nachdrücklich aus und zeigten das auch durch fröhliche Stimmung bei strahlendem Sonnenschein.

Anlass waren islamfeindliche Farbschmierereien an der Nordenhamer Selimiye-Moschee am 10. September und an einem türkischen Imbiss in der Nacht zum 3. Oktober.

Der Leiter des Polizeikommissariats Nordenham, Matthias Ahlers, bestätigte, dass die insgesamt zweistündige Demonstration und Kundgebung ohne jeden Zwischenfall verlaufen ist.

Demonstrationsleiter Nils Humboldt (SPD-Stadtratsmitglied) und die beiden weiteren Initiatoren, Mario Kauschmann (Grünen-Ratsmitglied) und DGB-Kreisvorsitzender Mustafa Dogan, bezeichneten den Protestmarsch als „großartig“ und „starkes Zeichen“. Sie schätzen die Teilnehmerzahl sogar auf rund 1000.

In den letzten 30 Minuten vor Schluss kehrten allerdings mehrere hundert Teilnehmer der Kundgebung vorzeitig den Rücken – offenbar wegen der langen Rednerliste und mancher überzogen langen Rede.

Dagegen bis zum Schluss kamen gut an: die Musikbeiträge einer bunt zusammengestellten Nordenhamer Irish-Folk-Band, der neuen Jugendband mit dem Namen „Nudelbox 3.50 Euro“ (Timothy Trinks, Til Jasper Kara und Mathias Schubert) und der Familienband Jasch, die auch ihr Nordenham-Lied präsentierte.

Veranstalter war ein Aktionsbündnis aus Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und Vereinen. Zu den vielen Rednern von, die auf die Bühne traten, zählten auch die Parteien-Vertreter Karin Logemann (SPD-Landtagsabgeordnete), Sabine Dorn (CDU-Stadtverbandsvorsitzende), Dragos Pancescu (Grünen-Landtagsabgeordneter), Horst Kortlang (FDP-Landtagsabgeordneter) und Albert Mumme (für den Kreisverband der Linkspartei).

Sowohl für die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) in Einswarden als auch für „DITIB Türkische Islamische Gemeinde zu Nordenham“ (sie betreibt die Selimiye-Moschee an der Walther-Rathenau-Straße) sprach Mehmet Karabacak. Der Nordenhamer ist stellvertretender Vorsitzender des DITIB-Landesverbandes Niedersachen-Bremen.

Beide islamische Nordenhamer Gemeinden treten nach seinen Worten seit 30 Jahren für den Abbau von Vorurteilen und für Völkerverständigung ein. Beide Gemeinden laden alle Nordenhamer zu weiteren Gesprächen ein. Mehmet Karabacak appellierte: „Wir müssen im Gespräch bleiben, damit wir uns besser verstehen.“ Er fügte unter großem Beifall hinzu: „Der Islam und die Muslime sind ein Teil der Gesellschaft in Nordenham und in Deutschland.“

Für die evangelischen Christen hatte zuvor Kreispfarrer Jens Möllmann das christliche Gebot der Nächstenliebe hervorgehoben.

Ähnlich hatte die Vorsitzende des Pfarreirates der katholischen St.-Willehad-Gemeinde Nordenham, Claudia Huter-Dosdal, appelliert: Die Einzigartigkeit jedes einzelnen Menschen müsse respektiert werden.

Gekommen war auch – nicht dienstlich, sondern privat – der Präsident der Polizeidirektion Oldenburg, Johann Kühme. Er wohnt in Rastede. Auf Anfrage sagte er der NWZ, das Thema sei für ihn ganz wichtig. Auch er wolle ein Zeichen setzen. Es müsse alles getan werden, um einer Stärkung des rechten Randes in Deutschland entgegenzutreten. Diese Demonstration und Kundgebung in Nordenham sei „ganz beeindruckend“. Johann Kühme fügte hinzu: „Man kann stolz auf die Nordenhamer Bürger sein.“

Polizeipräsident Johann Kühme und Mehmet Karabacak Bild: Lohe

Bürgermeister Carsten Seyfarth zog dieses Fazit: „Heute bin ich mächtig stolz, ein Nordenhamer Bürger zu sein. Hier sind Zeichen gesetzt worden. Wir dulden in Nordenham keine Fremdenfeindlichkeit. Wir dulden keinen Hass auf Kulturen und Religionen und wir dulden auch kein Klima der Angst.“

Der Bürgermeister wies darauf hin, dass in der Stadt Menschen aus 90 Nationalitäten leben und betonte: „Diese Stadt ist unsere gemeinsame Heimat.“ Carsten Seyfarth dankte den Initiatoren der eindrucksvollen Demonstration und appellierte an alle Bürger: „Nehmen wir diese Kraft mit für die Zukunft. Bleiben wir miteinander im Dialog und bauen wir Brücken.“

Video

Horst Lohe
Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2206

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