• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
Oldenburgerin übernimmt Fraktionsvorsitz der Linken
+++ Eilmeldung +++
Aktualisiert vor 1 Minute.

Amira Mohamed Ali
Oldenburgerin übernimmt Fraktionsvorsitz der Linken

NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

Stadt darf weitere Krähennester entfernen

19.10.2019

Nordenham Kein Zweifel: Die Krähenkolonien im Stadtpark und am Ilseplatz sind eine große Lärm-Belästigung für die Anwohner. Das Gesundheitsinteresse der Menschen ist beeinträchtigt. Das ist auch gutachterlich belegt. Daher hat die Untere Naturschutzbehörde beim Landkreis Wesermarsch der Stadt – wie schon in den beiden Vorjahren – jetzt erneut eine Ausnahmegenehmigung erteilt. Demnach darf die Stadt seit Anfang September und noch bis zum 1. März nächsten Jahres vor der Brutzeit Nester aus den Baumkronen herausnehmen. Auch darf die Stadt Horstbäume um ein Drittel einkürzen.

Anzahl Offen

Damit soll verhindert werden, dass sich Saatkrähen an diesen Stellen erneut ansiedeln. Denn die Vögel bevorzugen, auf entsprechend hohen Bäumen zu nisten. Bis zum 10. Mai darf die Stadt zudem kontinuierlich von den Vögeln neu gebaute Nester jeweils innerhalb von vier Tagen entfernen. In welcher Anzahl Nester entfernt und Bäume eingekürzt werden dürfen, hat die Behörde aber nicht festgelegt.

Diese Vergrämungsmaßnahmen dürfen laut Genehmigung allerdings nicht dazu führen, dass die Saatkrähen-Population insgesamt im Stadtgebiet zurückgeht. Anders ausgedrückt: Die Genehmigung geht davon aus, dass die unter besonderem Naturschutz stehenden Vögel auf andere Brutplätze in der Stadt ausweichen können – insbesondere auf die Bäume bei den Gateteichen.

150 Unterschriften

Diese Präzisierungen hat die NWZ auf Nachfrage von Lutz Winkelmann, Teamleiter der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis, erfahren. Donnerstagabend hatte er und Nordenhams Baudezernentin Ellen Köncke im Ratssal rund 25 betroffenen Bürgern – vor allem aus der Wohnsiedlung Friedeburgpark – Rede und Antwort gestanden. Bewohner des Friedeburgparks hatten mit mehr als 150 Unterschriften von der Stadt stärkeres Einschreiten gegen das Krähenproblem gefordert.

Baudezernentin Ellen Köncke machte deutlich, dass sie gerne noch viel mehr unternehmen würde, die Stadt aber an die strengen Schutzvorschriften des Bundesnaturschutzgesetzes gebunden sei. Ein Vorstoß der Stadt beim Landesumweltministerium habe leider nichts gebracht. Sie riet den Bürgern, mit einer Petition an den Landtag heranzutreten sowie Bundestagsabgeordnete auf die starken Belästigungen hinzuweisen – mit dem Ziel einer Gesetzesänderung.

Es sei unrealistisch, gesetzliche Änderungen erreichen zu können, meinte dazu ein Anlieger. Er forderte stattdessen, die Stadt müsse viel stärker Bäume zurückschneiden, zumal im Friedeburgpark zahlreiche Bäume nicht mehr gesund seien. Ein anderer Anwohner beklagte: „Es muss doch auch Menschenschutz geben und nicht nur Krähenschutz.“

Umweltausschuss

Ellen Köncke sagte, die Entscheidung müsse sie dem Stadtrat überlassen. Sie könne vorschlagen, dass der Umweltausschus des Rates in seiner nächsten Sitzung darüber berät. Die Baudezernentin wies aber auch auf den in diesem Jahr gefassten Stadtratsbeschluss hin, wonach Klimaschutz mehr Gewicht bekommt. Wörtlich heißt es in dem Stadtratsbeschluss:  „Bei eigenen Entscheidungen der Stadt Nordenham wird der Klimaschutz als ein sehr wichtiges Kriterium bei der erforderlichen Abwägung der Belange und Interessen berücksichtigt. Bei mehreren gleich geeigneten Lösungen wird die klimafreundlichere bevorzugt.“

Offenbar viele Anwohner des Friedeburgparks haben festgestellt, dass die Zahl der Krähennester im Stadtpark in den letzten beiden Jahren stark zugenommen hat – trotz der Entfernung von Nestern im Frühjahr vergangenen Jahres und im Frühjahr 2017.

Wie LKW-lärm

Ein Anwohner, dessen Hausterrasse nahe am Nordenhamer Stadtpark liegt, beklagte: Er müsse ständig stark störenden Lärm hinnehmen. Ein anderer Anwohner sagte, bei geschlossenen Räumen habe er in seinem Schlafzimmer eine Lärmbelästigung wie bei laufendem Motor eines Lastwagens. Weitere Bürger regten an, einen Falkner einzusetzen. Falkner lassen Falken oder Bussarde am Himmel patroullieren und verscheuchen so Saatkrähen. In Süddeutschland sind damit nach Presseberichten Erfolge erzielt worden.

Falkner-Einsatz

Ellen Köncke berichtete, sie habe kürzlich mit einem Mitarbeiter der Stadtverwaltung in Jever telefoniert. Demnach sei dort ein Falkner mit einem Sibirischen Bussard für drei Monate im Einsatz gewesen. Das habe zu einem Verschwinden der Krähen geführt – allerdings nur für diese drei Monate. Anschließend seien die Saatkrähen zurückgekehrt.

Nötig wäre demnach ein ganzjähriger Falkner-Einsatz. Die dreimonatige Aktion in Jever habe 20 000 bis 30 000 Euro gekostet. Die Stadt Nordenham werde sich das, so Ellen Köncke, finanziell nicht leisten können – zumal kürzlich eine Haushaltssperre erlassen worden ist.

Auf weitere Nachfragen von Anwohnern sagte die Baudezernentin, ein Zurückschneiden von Bäumen an allen drei Haupt-Kolonien – am Ilseplatz, bei den Gateteichen und im Stadtpark – sei rechtlich nicht zulässig.

Vertreibung

Eine dauerhafte Vertreibung der Krähen aus der gesamten Innenstadt sei nur zulässig und möglich, wenn den Saatkrähen Ausweichbrutplätze angeboten werden. Dafür ein geeignetes Areal neu mit Bäumen zu bepflanzen, werde aber Jahre in Anspruch nehmen.

Ob eine Umsiedlung etwa in Nähe des E-Centers in Atens oder des Bahndamms im Stadtsüden gelingen könnte, sei ebenfalls fraglich. Eher ratsam sei, sich an Politiker zu wenden, um eine Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes zu erreichen, so Ellen Köncke.

Horst Lohe Nordenham / Redaktion Nordenham
Rufen Sie mich an:
04731 9988 2206
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.