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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

Museumsleitung In Nordenham Und Moorsee: Rüstringer Heimatbund ärgert sich über Misstrauen

09.03.2020

Nordenham Der Rüstringer Heimatbund droht damit, sich komplett aus der Museumsarbeit zurückzuziehen. 1. Vorsitzender Hans-Rudolf Mengers nannte in der Jahreshauptversammlung als Grund „die regelmäßig wiederkehrende Forderung der Politik, die Leitungen der Museen Nordenham und Moorsee zu einer Stelle zusammenzufassen“.

Deutlich formulierte der Langzeit-Vorsitzende aus Stollhamm am Sonnabend in den Weserterrassen in Nordenham seine Verärgerung darüber, „alle Jahre wieder unseren Status rechtfertigen zu müssen“. Dabei schwinge ein „Misstrauen in die effektive Arbeit unserer Museumsleiter und auch in unser eigenes Engagement“ mit. Nach einem Gespräch in der vergangenen Woche mit Vertretern des Landkreises Wesermarsch und der Stadt Nordenham hofft Hans-Rudolf Mengers nun, „dass dieses Thema endgültig vom Tisch ist“. Seine Worte waren auch an die Ehrengäste gerichtet.

Der niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler (CDU) aus Berne, nannte die Ausein­andersetzung „mit unserer Kultur und Geschichte die Krönung kultureller Arbeit“. Besonders in diesen Zeiten sei es nicht selbstverständlich, sich ehrenamtlich in der Heimatarbeit zu engagieren. Wegen der „Begrifflichkeit Heimatpflege“ gebe es Ängste, in die rechte Ecke gerückt zu werden. Umso mehr sei die Arbeit des Rüstringer Heimatbundes zu würdigen, sagte der Minister auch im Namen des Landtagsabgeordneten Horst Kortlang (FDP) aus Elsfleth.

Kulturelles Erbe

„Dass unser kulturelles Erbe Kulturlandschaft und Kirchen immer wieder nach vorn getragen wird in Klönabenden und den Museen“, bezeichnete Nordenhams Bürgermeister Carsten Seyfarth als ein Verdienst des Heimatbundes. Dem dankte er noch einmal für „die mutige Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte im Nationalsozialismus“. Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Aufarbeitung hätten „richtigerweise dazu geführt, dass wir den Erich-Lampe-Weg in Alter Bahndamm umbenannt haben“, betonte der Bürgermeister.

Helmut Riesner, Vorsitzender des Landesverbandes Oldenburg im Friesischen Klootschießerverband (FKV), appellierte an die anwesenden 48 Mitglieder und die Ehrengäste: „Schickt eure Enkelkinder in die Klootschießer- und Boßelvereine. Unser Heimatsport braucht Nachwuchs.“

Als weitere Ehrengäste hatte der 2. Heimatbund-Vorsitzende Alexander Schuhr den stellvertretenden Landrat Uwe Thöle, die stellvertretenden Bürgermeister Martina Geberzahn (Butjadingen) und Hans Schwedt (Stadland), den Ehrenvorsitzenden des FKV-Landesverbandes Oldenburg, Johann Hasselhorst, und Kyffhäuser-Vorstandsmitglied Annegrete Spindler begrüßt.

Auch wenn der Rüstringer Heimatbund sich politisch neutral zu verhalten habe, so stehe doch jeder einzelne Heimatfreund in der Verantwortung, „unsere Gesellschaft, unser Land, unsere Heimat vor Schaden zu bewahren“, ging Hans-Rudolf Mengers auf die „unruhigen Zeiten“ ein. „Der Mord an Walter Lübcke, die Geschehnisse von Halle, von Hanau und Volkmarsen, die Schmierereien an Häusern und Gedenksteinen in Nordenham, das ist eine schreckliche Spur des Hasses, der Intoleranz und der Verachtung unserer Gesellschaftsordnung“, sagte er. Hans-Rudolf Mengers forderte dazu auf, „diesem Treiben nicht tatenlos zuzusehen und wo es geht, uns zur Wehr zu setzen“.

1379 Mitglieder

Die Mitgliederzahl des Rüstringer Heimatbundes ist in den vergangenen fünf Jahren um über 100 auf jetzt 1379 gesunken. Es bedürfe dringend neuer, insbesondere jüngerer Mitglieder. Sonst drohe dem Heimatbund langfristig der Verlust von Bedeutung und Handlungsfähigkeit, machte der Vorsitzende deutlich.

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