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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

Anrüchige Namen sollen verschwinden

27.10.2018

Nordenham Die neuen Namen stehen zwar noch nicht fest, aber die Tage der Eduard-Krüger-Straße und des Erich-Lampe-Wegs sind gezählt. Der Abbehauser Ortsrat und der Bauausschuss des Stadtrates haben deren Umbenennung beschlossen. Hintergrund ist die Nazi-Vergangenheit der beiden Namensgeber, die während der NS-Zeit als engagierte Verfechter rassistischer und völkischer Ideologien aufgetreten sind. Dass Eduard Krüger (1892-1968) und Erich Lampe (1902-1940) nicht nur Mitläufer waren, hat der Nordenhamer Historiker Dr. Timothy Saunders in einer gutachterlichen Bewertung dargelegt.

Weil sich die Eduard-Krüger-Straße auf dem Gebiet der Altgemeinde Abbehausen befindet, hatte der Ortsrat über die von der Stadtverwaltung empfohlene Umbenennung zu entscheiden. Das Abstimmungsergebnis fiel denkbar knapp aus. Während die fünf CDU-Fraktionsmitglieder für eine Beibehaltung des Namens votierten, folgten die SPD und der Einzelratsherr Horst Milotta dem Verwaltungsvorschlag. Die beiden FDP-Ortsratspolitiker enthielten sich der Stimme, so dass sich am Ende eine 6:5-Mehrheit für die Aufhebung des Straßennamens ergab.

Grundsatzbeschluss

Mit diesem Grundsatzbeschluss hat die Stadtverwaltung den Auftrag erhalten, die Anlieger zu informieren und das formelle Umbenennungsverfahren einzuleiten. In einer weiteren Sitzung sollen dann die von den Anwohnern vorgetragenen Bedenken und die Interessen der Stadt gegen­einander abgewogen werden.

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Das richtige Signal

Gegenüber der NWZ hatten die zehn betroffenen Anwohner bereits im Vorfeld deutlich gemacht, dass sie geschlossen gegen eine Änderung des Straßennamens sind. Sie wollen ihre bisherigen Adressen behalten, weil sie befürchten, dass ein hoher Aufwand und beträchtliche Ausgaben auf sie zukommen, wenn ihre Ausweise, Dokumente und Briefköpfe geändert werden müssen.

Der Vorsitzende der SPD-Ortsratsfraktion, Michael Garbe, machte deutlich, dass weder bei Eduard Krüger noch bei Erich Lampe besondere Verdienste zu erkennen seien, die eine Würdigung durch einen Straßennamen rechtfertigen würden. Vor allem bei Eduard Krüger komme erschwerend hinzu, dass er nicht unter Zwang, sondern aus eigenem Antrieb gehandelt habe. Der SPD-Politiker bezeichnete es als berechtigtes „Bedürfnis der Stadt, nicht Personen zu würdigen, die sich mit der NS-Ideologie verbunden hatten“. Dieses Bedürfnis überwiege gegenüber den Bedenken der Anlieger. Michael Garbe regte allerdings an, dass die Stadt Nordenham deren Kosten erstatten sollte.

„Ich würde mich schämen, in einer Straße mit einem solchen Namen zu wohnen“, sagte der Grünen-Ratsherr-Mario Kauschmann, „und mir eine Umbenennung wünschen.“ Astrid Ammermann (Linke) meinte, dass „wir es den Opfern der Nazi-Verbrechen schuldig sind“, der Eduard-Krüger-Straße und dem Erich-Lampe-Weg neue Namen zu geben. Ähnlich äußerte sich Mustafa Sahin von der Wählerinitiative Nordenham. Der mit der Adressänderung verbundene Aufwand für die Anlieger sei zumutbar.

Der Chef der FDP-Stadtratsfraktion, Manfred Wolf, bezeichnete die Kosten und den bürokratischen Aufwand als „Argument zweiter Klasse“. Viel wichtiger sei es, dass die Kommunalpolitiker den Mut aufbringen müssten, Fehler aus der Vergangenheit zu korrigieren. Den Verwaltungsvorschlag, die beiden Straßen umzubenennen, lobte er als „voll und ganz richtig“.

Absonderlicher Vorgang

Auch Wilfried Fugel, der im Stadtrat an der Spitze der SPD-Fraktion steht, sprach sich klar für eine Umbenennung aus. Er betonte, dass es bei dem „delikaten Thema“ nicht um eine Abrechnung mit einer Generation gehe. Sondern es sei zu hinterfragen, dass zwei Persönlichkeiten, die „sich im verbrecherischen System des Faschismus hervorgetan haben“, mit Straßenschildern geehrt werden. Für Wilfried Fugel ist das ein „absonderlicher“ Vorgang, zumal weder Eduard Krüger noch Erich Lampe Reue gezeigt hätten.

Vertreter der CDU-Fraktion – sowohl aus dem Ortsrat als auch aus dem Bauausschuss – schlugen sich auf die Seite der Anlieger. Horst Wreden führte an, dass es nicht eindeutig zu klären sei, ob Eduard Krüger und Erich Lampe in der NS-Zeit freiwillig oder unter Zwang gehandelt haben. „Niemand von uns kann darüber urteilen“, sagte er. Daher sollten die Straßennamen bleiben. Sabine Dorn ergänzte, dass die „beiden Persönlichkeiten zur Geschichte Nordenhams gehören“. Bisher habe sich ja auch niemand daran gestört. Ihr Fraktionskollege Torsten Lange bestätigte zwar, dass sich die beiden Lehrer und Heimatkundler in der NS-Zeit „falsch verhalten“ hätten. Aber anstatt die Straßenschilder zu entfernen, sollten sie erhalten bleiben, mit Informationstafeln versehen werden und als Mahnung dienen. Diesen Kompromissvorschlag wies SPD-Vormann Wilfried Fugel mit dem Argument zurück, dass er nicht pragmatisch sei.

Da der Erich-Lampe-Weg, der zwischen Nordenham und Moorsee auf dem früheren Damm der Butjenter Bahn verläuft, in die Zuständigkeit der Stadt Nordenham fällt, hatte der Bauausschuss in dieser Angelegenheit das Sagen. Der Ortsrat durfte lediglich eine Empfehlung abgeben. Dabei hatte die CDU mit 5:8 Stimmen das Nachsehen, weil sich auch die FDP für eine Umbenennung des Erich-Lampe-Wegs aussprach. Im Bauausschuss war das Ergebnis mit 11:3 noch eindeutiger. Gegen die breite Mehrheit aus allen anderen Fraktionen hatten die drei CDU-Vertreter in dem Ratsgremium wenig zu melden.

Die Umbenennung des Erich-Lampe-Wegs hat keine Folgen für Anlieger. Aus einem einfachen Grund: Es gibt dort keine.

Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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