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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

Lampe-Weg heißt jetzt Bahndamm

28.09.2019

Nordenham Die Tage des Erich-Lampe-Wegs sind gezählt. Mit großer Mehrheit hat der Stadtrat beschlossen, diese Bezeichnung aus dem Nordenhamer Straßenverzeichnis zu streichen. Grund sind die nationalsozialistischen Verstrickungen des Namensgebers, der in der NS-Zeit rassistische und antisemitische Texte veröffentlicht hatte. Nur vier Ratsmitglieder aus der CDU-Fraktion stimmten in der Sitzung am Donnerstagabend gegen die Umbenennung. Ohne Angabe von Gründen lehnten Horst Wreden, Dr. Tilman Kaethner, Annegret Conrady und Sabine Dorn es ab, den Erich-Lampe-Weg in Alten Bahndamm umzutaufen. Dieses Verhalten stieß in den anderen Fraktionen auf großes Unverständnis.

Lehrer und Heimatkundler

Dass der 1940 gestorbene Lehrer und Heimatkundler Erich Lampe ein glühender Nazi war, hatte der Oldenburger Historiker Dr. Joachim Tautz Ende 2017 ans Licht gebracht. Später folgte eine gutachterliche Bestätigung durch den Leiter des Museums Nordenham, Dr. Timothy Saunders. Vor diesem Hintergrund empfahl Bürgermeister Carsten Seyfarth die Umbenennung des Erich-Lampe-Wegs und auch der Eduard-Krüger-Straße, deren Namensgeber ebenfalls als Judenhasser und eifriger Verfechter der Nazi-Ideologe aufgefallen war.

Erich Lampe

Aktiv in der NS-Zeit

Erich Lampe (1902-1940) war als Lehrer in Abbehausen tätig und engagierte sich im Vorstand des Rüstringer Heimatbundes. Zudem leitete er als Vorsitzender von 1924 bis 1937 den TSV Abbehausen.

Eduard Krüger (1892-1968) stammte aus Jever und war 1921 als Hilfsschullehrer nach Nordenham gekommen. Er leitete von 1946 bis 1957 als Rektor die Hafenschule. Im Rüstringer Heimatbund war Eduard Krüger vor allem als Reiseleiter und von 1962 bis 1966 auch als 1. Vorsitzender aktiv.

In der Nazi-Zeit sind beide mit judenfeindlichen und nationalistischen Hetzereien aufgefallen, die sie unter anderem in Zeitungsartikeln verbreiteten. Dafür gibt es laut einem Gutachten, das der Historiker Dr. Timothy Saunders im Auftrag der Stadt Nordenham erstellt hat, eindeutige Belege. Eduard Krüger habe zudem seine Position als Schulleiter missbraucht, um ihm missliebige Personen zu denunzieren und der Zwangssterilisierung auszuliefern.

Weil sich die Eduard-Krüger-Straße ausschließlich auf dem Gebiet der Altgemeinde Abbehausen befindet, liegt sie in der Zuständigkeit des Ortsrates. Die CDU/FDP-Mehrheit in dem Abbehauser Dorfparlament lehnte im März dieses Jahres eine Änderung des Straßennamens ab, nachdem die Anlieger auf die Barrikaden gegangen waren.

Für den Erich-Lampe-Weg hingegen, der auf dem Damm der früheren Butjenter Bahn von Nordenham nach Moorsee führt, hat der Stadtrat die Entscheidungsbefugnis.

Der Beschluss über eine Umbenennung zog sich hin, da zwischenzeitlich die Idee aufgekommen war, sich bei der Namensgebung mit der Gemeinde Butjadingen abzustimmen. Hintergrund ist ein gemeinsames, von der Europäischen Union gefördertes Tourismusprojekt, bei dem der Bahndamm vom Nordenhamer Bahnhof bis Mitteldeich in Butjadingen als Erlebnisweg für Radfahrer und Wanderer ausgebaut werden soll. Mittlerweile haben sich Rat und Verwaltung in Butjadingen gegen einen gemeindeübergreifenden Namen für den Bahndamm ausgesprochen. Daher ging es nun im Stadtrat darum, die Bezeichnung für den Nordenhamer Abschnitt festzulegen.

SPD-Ratsherr Nils Humboldt machte vor der Abstimmung noch einmal deutlich, dass es höchste Zeit sei, den Erich-Lampe-Weg umzubenennen. „Erich Lampe hat eine nationalsozialistische Vergangenheit, die weit über ein Mitläufertum hinausgeht“, sagte er. Der Abbehauser Lehrer habe in seinen Texten antisemitische Maßnahmen wie die Nürnberger Gesetze und die Reichspogromnacht gerechtfertigt. Derartige Artikel sind in der Oldenburgischen Staatszeitung und in der Butjadinger Zeitung erschienen. Auch Erich Lampes Mitgliedschaft in NS-Organisationen ab 1933 und in der NSDAP ab 1937 ist belegt.

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Peinliche Steigerung

Verschärfend kommt laut Nils Humboldt hinzu, dass Erich Lampe aus freiem Antrieb und nicht etwa unter dem Druck der Machthaber die hetzerischen Schriften verfasst habe. Vor diesem Hintergrund rief Nils Humboldt alle Ratsmitglieder dazu auf, Erich Lampe „die Ehrung zu entziehen“.

„Schon genug gesagt“

Vier der sieben anwesenden CDU-Abgeordneten ließen sich aber nicht von ihrem Nein abbringen. Auf Nachfrage der NWZ begründete CDU-Fraktionsvorsitzender Horst Wreden am Freitag die Vorgehensweise damit, dass die NS-Zeit ein Teil der deutschen Geschichte sei. „Was damals geschehen ist, verurteilen wir natürlich auch“, betonte er. Horst Wreden hätte es begrüßt, wenn die umstrittenen Straßenschilder mit erläuternden Informationstafeln ausgestattet worden wären. Aber dafür sei keine Mehrheit im Rat zu bekommen gewesen. Das Quartett habe die Argumente nicht in der Ratssitzung vorgetragen, weil „zu dem Thema schon genug gesagt“ worden sei.

Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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