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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

Diskussion um neue Straßennamen

12.01.2018

Nordenham Wie es einst dazu gekommen ist, dass die Stadt Nordenham eine Straße und einen Weg ausgerechnet nach zwei Heimatforschern und Lehrern benannt hat, die in der Nazi-Zeit besonders mit nationalistischen und antisemitischen Hetzereien aufgefallen sind, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Aber die jetzt von einem Historiker ans Licht gebrachten Details aus der braunen Vergangenheit von Eduard Krüger und Erich Lampe setzen die Verantwortlichen im Rathaus unter Zugzwang. Sie stehen vor der Frage, welche Konsequenzen aus diesen Erkenntnissen zu ziehen sind und ob die Straßennamen umgeändert werden sollten. Der Nordenhamer SPD-Ratsherr und Geschichtslehrer Nils Humboldt hat für sich persönlich schon die Antwort gefunden: „Ich habe ein großes Problem damit, wenn bekennende Nazis mit Straßennamen geehrt werden“, sagt er. Daher spricht sich Nils Humboldt dafür aus, der Eduard-Krüger-Straße und dem Erich-Lampe-Weg neue Namen zu geben.

Experten befragen

Vor einer Entscheidung sollten sich der Nordenhamer Stadtrat und der Abbehauser Ortsrat, in dessen Zuständigkeit die Eduard-Krüger-Straße fällt, aber noch einmal die Meinung eines Geschichtswissenschaftlers einholen. Darin ist sich Nils Humboldt mit Bürgermeister Carsten Seyfarth einig, der die bisherige Namensgebung sehr kritisch sieht und es ebenfalls für sinnvoll hält, den Rat eines Experten einzuholen. Der Bürgermeister hatte gegenüber der NWZ betont, dass vor allem die rassistischen und judenfeindlichen Äußerungen der beiden Heimatforscher „nicht akzeptabel “ seien.

Die Diskussion über die Straßennamen ist durch eine wissenschaftliche Arbeit des Historikers Dr. Joachim Tautz aus Oldenburg in Gang gekommen. Er hat im Auftrag des Rüstringer Heimatbundes das Wirken dieses Vereins in der NS-Zeit erforscht und die Ergebnisse Ende 2017 in einem Buch veröffentlicht. Dabei spielten Eduard Krüger (1892 bis 1968) und Erich Lampe (1902 bis 1940) eine besondere Rolle. Denn die beiden Heimatkundler und Lehrer waren in der Nazi-Diktatur mit einer Vielzahl an Veröffentlichungen aufgefallen, in denen sie das völkische Gedankengut befeuerten. Zum Beispiel zog Eduard Krüger über den „ewigen Juden“ her und bejubelte Adolf Hitler als „Retter des Vaterlandes“.

Nicht nur Mitläufer

Als Geschichtslehrer und Sozialdemokrat hält Nils Humboldt es für unerlässlich, die Schrecken der NS-Vergangenheit immer wieder in Erinnerung zu rufen und sich kritisch mit diesem düsteren Kapitel der deutschen Historie auseinanderzusetzen. Daher veranstaltet er alljährlich Mahnwachen, mit denen in Nordenham der Opfer der Reichspogromnacht gedacht wird. Vor diesem Hintergrund ist es aus seiner Sicht nicht zu vertreten, wenn die Stadt Nordenham zwei Bürgern, „die sich öffentlich zu der NS-Ideologie bekannt ihr das Wort geredet haben“, mit Straßennamen ein Denkmal setzt. Die Forschungsarbeit über den Rüstringer Heimatbund habe aufgezeigt, dass Eduard Krüger und Erich Lampe nicht nur Mitläufer gewesen seien, sondern Überzeugungstäter. Diese Einstellung spiegele sich in ihrem öffentlichen Engagement für Volk, Führer und Judenhass wider. „Das ist etwas anderes als private Tagebucheinträge“, meint Nils Humboldt.

Trotz der vieler eindeutigen Hinweise warnt Nils Humboldt davor, die Entscheidung über die Straßennamen übers Knie zu brechen. „Wir sollten das sorgfältig prüfen und mit Bedacht handeln“, sagt der SPD-Ratsherr. Seine Fraktion habe das Thema in einer der nächsten Sitzungen auf der Tagesordnung.

Und sollte es zu einer Umbenennung kommen, hätte Nils Humboldt zumindest für den Erich-Lampe-Weg schon einen Vorschlag: Alter Bahndamm. Denn so heißt der Wanderweg ohnehin bei den meisten Nordenhamern. Für die Eduard-Krüger-Straße käme eine Abbehauser Persönlichkeit in Betracht. Oder vielleicht der frühere Nordenhamer Bürgermeister Johann Lahmann. Der SPD-Politiker war im März 1933 von den Nazis abgesetzt worden.

Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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