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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

Viel erreicht, aber längst nicht am Ziel

18.11.2019

Nordenham In Bonn war gerade Willy Brandt zum ersten sozialdemokratischen Kanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt worden, als in Nordenham die SPD-Frauen den Aufbruch wagten: Sie gründeten die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF). Ruth Müller, Betty Gärtner, Marianne Münzberg, Liselotte Scholz, Alma Schröder, Margitta Terborg und Elisabeth Trentepohl hatten seinerzeit, im Herbst 1969, zur Gründerversammlung eingeladen. Und 42 Frauen waren gekommen.

Ihr Ziel: Politik verstehen und diskutieren, sich einmischen und für Frauenrechte kämpfen. Und dies alles in einem gemütlichen Rahmen einerseits und mit Aktionen andererseits. Das hat sich bewährt, das hatte Bestand: Am Sonnabend feierte die Nordenhamer AsF im Mehrgenerationenhaus ihr 50-jähriges Bestehen.

Wahlrecht erst 1919

„Wusstet ihr eigentlich“, begann die Vorsitzende Heidi Brunßen ihren Rückblick auf 50 Jahre Arbeit in der AsF Nordenham, „dass Frauen erst ab 1919 wählen durften, dass Frauen erst ab 1977 ohne Zustimmung des Ehemannes arbeiten gehen und über ein eigenes Konto verfügen durften, dass Frauen erst Mitte der 70er Jahre auf der Arbeitsstelle Hosen tragen durften?“

Diese Beispiele machten deutlich, dass in den zurückliegenden Jahren schon sehr vieles erreicht worden sei, doch es gebe auch weiterhin noch zig Baustellen, etwa bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, der Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit oder nach Parität in Vorstandsetagen und politischen Gremien. Heidi Brunßen: „Gleichberechtigung ist nach wie vor kein Selbstläufer.“

Die AsF sei vermutlich „die älteste Frühstücksrunde Nordenhams“, scherzte Bürgermeister Carsten Seyfarth (SPD) in seinem Grußwort. Sie sei aber, fuhr er anerkennend fort, auch eine äußerst lebendige, eine politische und mit Inhalten gefüllte Runde. Auf ihre 50-jährige Geschichte könne sie wirklich stolz sein, doch sie dürfe in ihrem Kampf nicht innehalten, denn das Ringen um Gleichberechtigung sei heute nicht minder dringend als damals.

Zwar seien die Forderungen der Frauen in vielen Köpfen durchaus schon angekommen, aber es gebe andererseits auch zunehmend wieder politische Kräfte, die ein tradiertes Frauenbild beschwören. „Dieses mittelalterliche Gesellschaftsbild darf auf keinen Fall wieder in unsere moderne Gesellschaft einkehren“, warnte Seyfarth.

Die SPD-Landtagsabgeordnete Karin Logemann versicherte der Nordenhamer AsF, dass alle Sozialdemokraten „stolz auf ihre starken Frauen“ und auf ihr großes Engagement seien. „Ihr seid diejenigen, die einerseits immer den Finger in die Wunde legen“, fuhr sie fort, „ihr seid andererseits Motor sozialdemokratischen Tuns. Und auf euch ist immer Verlass.“

Margitta Terborg versuchte, die regionale Politik in einen breiteren Rahmen einzupassen. Dabei sah sie einen Hoffnungsschimmer in den vielen jungen Menschen, die an jedem Freitag für eine bessere Umwelt auf die Straße gehen, und riet: „Reiht euch ein in die Gruppe der Protestierer.“

Als Gefahr für die Demokratie, für Menschlichkeit und Toleranz machte sie das Aufflammen von rechtem Denken und eine Welle rechter Gewalt aus. Man müsse sich gegen alle Übergriffe und Aktionen dieses Hasses gemeinsam zur Wehr setzen. Margitta Terborg: „Es darf kein Einknicken geben!“

Erste Bürgermeisterin

Zum Abschluss der Feierstunde zeichneten Karin Logemann und Heidi Brunßen Edith Bertram für 50 Jahre, Diethild Kritzler und Helga Schiel für 42 und Lilo Diekmann für 40 Jahre Mitarbeit in der AsF aus.

 Der früheren Bundestagsabgeordneten Margitta Terborg überreichten sie die Willy-Brandt-Medaille. Margitta Terborg habe die AsF mitbegründet, sei erste Frau im Nordenhamer Rat und erste Bürgermeisterin in ganz Niedersachsen gewesen und habe später auch als Bundestagsabgeordnete das Thema Gerechtigkeit immer an die erste Stelle gesetzt.

Für musikalische Abwechslung sorgte der Mehrgenerationenchor.

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