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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

In der Friedeburg wird es ganz still

22.11.2018

Nordenham Es ist schon eine Herausforderung, Steven Spielbergs Kinoklassiker „Schindlers Liste“ – ein mit sieben Oscars prämiertes Mahnmal gegen den Holocaust – auf die Theaterbühne zu bringen. Kann das funktionieren? Ja, es kann und das sogar sehr gut. Das zeigte die Inszenierung von Florian Battermann, die Dienstagabend in der Stadthalle Friedeburg zu sehen war als eine Gemeinschaftsproduktion der Landesbühne Rheinland-Pfalz und der Konzertdirektion Hannover.

Bewegendes Drama

Um die 250 Zuschauer verfolgten rund zwei Stunden die Handlung des bewegenden Geschichtsdramas sehr konzentriert. Aber worum geht es in dem Stück eigentlich? Der ambitionierte Industrielle Oskar Schindler, ein Deutscher, der sich an den Machenschaften der Nationalsozialisten zu bereichern weiß, reist 1939 nach Krakau, um dort lukrative Geschäfte zu tätigen.

Er erwirbt bald eine Emaille-Fabrik, nutzt die desolate Situation der jüdischen Arbeitskräfte, um schnell zu Geld zu kommen und in Saus und Braus leben zu können. Im Laufe der weiteren politischen Entwicklung ändert der Fabrikant jedoch seine Einstellung. Er setzt sich mehr und mehr für seine jüdischen Mitarbeiter ein und kann letztlich – dank seiner diplomatischen Fähigkeiten und finanziellen Möglichkeiten – bis Kriegsende 789 Männer und 297 Frauen vor dem Tod bewahren. „Wer ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt“, sagt er in der Schlussszene.

Das Geschehen in Krakau, Auschwitz und Brünnlitz wird in dem Theaterstück mit mehreren Rückblenden dargestellt. Die Anfangsszene spielt in Hildesheim im Jahr 1997. Die Kinder des Ehepaares Staehr stoßen, während sie den Haushalt ihrer verstorbenen Eltern auflösen, durch Zufall auf Unterlagen von Oskar Schindler. Mit dem Fund der Original-Listen von Schindlers jüdischen Arbeitskräften, Fotos und Briefen aus dieser Zeit startet ihre Reise in das wohl düsterste Kapitel der deutschen Vergangenheit.

Anders als der Film arbeitet Florian Battermann in seinem Bühnenstück sehr stark die psychologischen Motive heraus, die Oskar Schindler dazu bewegt haben, seine jüdischen Arbeitskräfte vor den Übergriffen der Nazis zu schützen und zu retten.

Grenzen des Machbaren

Oskar Schindler verstand es, äußerst geschickt zu verhandeln und ging dabei mitunter bis an die Grenze des Machbaren. Die Schwierigkeit, die verschiedenen Schauplätze auf immer anderen Theaterbühnen darzustellen, wird in Battermans Inszenierung durch die Reduktion auf das Wesentliche gemeistert. Stark vergrößerte Auszüge aus den Originallisten der „Schindler-Juden“ an der Rückwand, davor wenige mobile Holzelemente und Möbelstücke, die sich schnell umbauen lassen und zugleich mit ihrer Kargheit die düstere Zeit der 1930er und 1940er Jahre widerspiegeln. Dazu immer wieder jiddische Klezmer-Musik aus den Boxen, bisweilen auch kurze Originalradioaufnahmen.

Das Theaterensemble aus Braunschweig besteht aus 12 Schauspielern, die infolge diverser Doppelbesetzungen insgesamt 27 Rollen übernehmen und ihre Sache so gekonnt machen, dass es in der Friedburg durchweg mucksmäuschenstill ist, weil alle gebannt die Handlung verfolgen, obwohl die meisten sie aus dem Kinofilm kennen.

„Ganz toll umgesetzt, vor allem auch das Bühnenbild“, fanden auch Maria Gottschalk und Harald Nordmann von der Deichschäferei Tettens. Die beiden hatten im Sommer eine Radtour durch Südpolen gemacht und dabei auch Krakau und Auschwitz besichtigt. „Als wir dann gehört haben, dass Schindlers Liste hier in Nordenham aufgeführt wird, war uns klar, dass wir da hinmüssen“, erklärten die zwei.

Ihre ausführliche Führung durch das Konzentrationslager, in das zwischen 1940 und 1945 mindestens 1,1 Millionen Juden, 140 000 Polen, 20 000 Sinti und Roma, mehr als 10 000 sowjetische Kriegsgefangene und über 10 000 Häftlinge anderer Nationalität deportiert worden waren, hatte übrigens sechs Stunden gedauert. Man müsse Auschwitz auch bis in die Füße spüren, hatte die Besucherführerin gemeint.

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