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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

„Ohne Angst gemeinsam leben“

16.01.2015

Berne Liebe geht durch den Magen. Das weiß man. Vielleicht gilt das ja auch für Annäherung, Toleranz, Verständnis und Freundschaft. Dann jedenfalls ist die Berner Runde auf dem richtigen Weg. Denn das Ergebnis eines ersten Treffens zwischen Asylbewerbern, Flüchtlingen und Bürgern der Gemeinde Berne sei gleich vorweggenommen: Man trifft sich bald zum gemeinsamen Kochen, Essen und Quatschen in zwangloser, gemütlicher Runde wieder.

Neues Leben beginnen

Nun zum Anfang: „Jetzt brauchen wir mehr Stühle“, sagte Verena Delius, die das erste Treffen der Berner Runde in der Kulturmühle initiiert hatte, als die Eingangstür immer wieder aufging und weitere Teilnehmer in den Saal gespült wurden. Rund 35 Menschen kamen schließlich zusammen. Alle waren neugierig aufeinander und wollten sich aneinander ran tasten.

Aber aller (Gesprächs-)Anfang ist schwer: Verena Delius machte also Mut, Gedanken, Ängste, Fragen auszusprechen. Ein Flüchtling aus Syrien fand diesen Mut zuerst: Mit seiner Frau lebe er seit drei Monaten in Berne. Er sei Bauingenieur, habe am Goethe-Institut in Damaskus gelernt und sei aus Angst aus seinem Land geflüchtet. Auf einem Zettel hatte der Mann Gedanken auf Deutsch niedergeschrieben, die ihn in dieser Zeit, in der die Gewalt in vielen Ländern der Welt immer mehr eskaliert, bewegen: „Ich liebe Gott, ich liebe Mohammed, ich liebe alle Menschen. Das ist unsere Religion. Der Islam ist eine Religion des Friedens.“ Der Syrer zitierte aus dem Koran und riet den Berner Bürgern dazu, diesen selbst zu lesen, um sich von seiner Friedensbotschaft zu überzeugen: „Terrorismus hat keine Religion.“

Auch der Arzt aus dem Irak, der mit seiner Frau und seinen zwei kleinen Kindern nach Berne geflüchtet ist, wollte an diesem Abend diese Botschaft überbringen: „Wer einen Menschen tötet, der tötet die ganze Menschheit“, sagte der junge Mann. So stehe es im Koran. Er sei dem Töten in seiner Heimat entkommen und wolle in Deutschland mit seiner Familie Frieden erleben, arbeiten und ein neues Leben beginnen.

Der Knoten war geplatzt, es gab Applaus und die ersten Gespräche kamen in Gang. Dabei wurde auch diskutiert, warum es Pegida gibt, warum manche Deutsche Angst vor Muslimen haben, dass Deutsch eine komplizierte Grammatik und schwierige Wörter hat und ob Berne wirklich ein Ort sei, in dem sich die Familien nun wohlfühlen. „Viele Leute helfen uns. Wir möchten dafür danke sagen“, erklärte der Mann aus Syrien. Und Verena Delius brachte es auf den Punkt mit: „Meine Idealvorstellung wäre es, ohne Angst und in Freundschaft miteinander zu leben. Man muss miteinander reden, das ist das Wichtigste.“

Kochen verbindet

Und damit das passieren kann, schlug Sandra Bohlken vor, bei ihr in der Machbar gemeinsam zu kochen. Diese Idee kam super an. Auch wenn es dort wohl etwas eng werden dürfte. Verena Delius will sich nun bemühen, dass sich alle Interessierten in der Küche der Oberschule versammeln können – immer am zweiten Mittwoch eines Monats. Dort kann dann gleich an mehreren Herden gekocht werden. Schließlich geht Liebe durch den Magen. Und Annäherung, Toleranz, Verständnis und Freundschaft vielleicht auch. Da war es doch ein guter Anfang, dass das zweijährige Mädchen, das zusammen mit ihren Eltern aus dem Krieg im Irak in die Wesermarsch kam, mit den Bernern gerne ihre Gummibärchen teilte.

Anja Biewald
Berne/Lemwerder
Redaktion Brake
Tel:
04401 9988 2321

Weitere Nachrichten:

Delius | Kulturmühle | Pegida | Oberschule Berne

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