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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

„Globalisierung ist etwas Gutes“

19.09.2018

Rodenkirchen Sven Giegold eilt der Ruf eines Globalisierungskritikers voraus. Doch das ist nicht ganz richtig: Der Grünen-Europaabgeordnete und Mitbegründer der deutschen Sektion der globalisierungskritischen Organisation Attac kritisiert nicht die Globalisierung als solche, sondern das Fehlen sozialer, demokratischer und ökologischer Standards im internationalen Handel.

Bekennender Christ

Das betonte der 48-Jährige, der mit seiner Familie in Dörverden wohnt, am Montagabend bei seinem Referat im Zuge der Fairen Woche im evangelischen Gemeindehaus Rodenkirchen. Rund 40 Interessierte waren gekommen. Sven Giegold begrüßte sie als „liebe Schwestern, liebe Brüder“, denn er ist bekennender Christ und Mitglied im Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages. Veranstalter des Informations- und Diskussionsabends war die Oldenburgische Landeskirche, als Moderator fungierte Kreispfarrer Jens Möllmann.

Internationalen Handel, sagte Sven Giegold, gebe es im Grunde seit der Steinzeit. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatten die westlichen Staaten beschlossen, nie wieder mit Protektionismus auf eine große Wirtschaftskrise zu reagieren wie 1929. Das sei gut, betonte Giegold: „Durch Handel entstehen Kontakte zwischen Staaten und Unternehmen, das kann nichts Schlechtes sein.“ Ein Paradebeispiel sei die Europäische Union, die in ihrem Binnenmarkt viele verbraucherfreundliche Regelungen verankert habe, die die Nationalstaaten allein niemals hingekriegt hätten.

Es fehlten aber solche Regelungen zwischen wirtschaftlich starken und schwachen Staaten. Die Situation verschärfe sich sogar durch Sonderhandelsabkommen, von denen TTP das bekannteste sei. Hier gehe es, anders als im Binnenmarkt, nicht um den Abbau klassischer Handelshemmnisse wie Zölle, sondern um neue Regeln und Standards, etwa in Bezug auf die Gentechnik oder die Öffnung von Märkten.

Der Westen greife vermehrt zu diesem Instrument – derzeit gebe es etwa 40 derartige Handelsabkommen–, weil er seine Interessen in der eigentlich dafür zuständigen Welthandelsorganisation WTO nicht mehr durchsetzen könne, denn dort seien die armen Länder deutlich in der Mehrheit. Bei den Sonderabkommen seien die armen Länder aber in der schwächeren Position, so dass sie ihre Ziele – eine andere Agrarpolitik der reichen Länder und einen günstigen Zugang zu patentgeschützten Medikamenten – nicht erreichen könnten.

Katholische Sozialethik

Ausgerechnet im evangelischen Gemeindehaus sang Sven Giegold ein Loblied auf die katholische Sozialethik, die Grundlage unserer sozialen Marktwirtschaft sei und auch Grundlage des internationalen Handels werden müsse – mit Standards für den Schutz der Schöpfung, der Würde der Menschen, des Weltklimas und mit dem Ausbau demokratischer Rechte.

Das könnten die Verbraucher unterstützen: „Die meisten bei uns haben genug Geld, um ethisch einkaufen zu können.“ Den Hauptbeitrag müsse aber die Politik leisten, weshalb er die Kirchengemeinde ermutigte, auch Politiker anderer Parteien einzuladen und mit einem kirchlichen Fachmann über dieses Thema diskutieren zu lassen.

Henning Bielefeld
Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2203

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