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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

Wie Che Guevara zum Nazi wird

16.08.2017

Rodenkirchen Exakt 1,5 Prozent der Wähler haben bei der Bundestagswahl 2013 eine rechtsextreme Partei angekreuzt. Das klingt nicht eben bedrohlich. Doch der Rechtsextremismus äußert sich nicht nur in Wahlergebnissen. Sondern auch in Toten.

Seit 1990 sind in Deutschland 184 Menschen rechtsextremer Gewalt zum Opfer gefallen. Und das klingt nicht mehr harmlos. Der Rechtsextremismus bedroht also nicht nur die Demokratie, sondern auch das Leben von Menschen, wie beispielsweise die Morde des sogenannten „Nationalsozialistischen Untergrundes“ zeigen.

Dass der Weg in den Rechtsextremismus meistens ganz harmlos beginnt, mit losen Sprüchen über Minderheiten und Musik, zeigt die Ausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“ in der Mensa der Oberschule Rodenkirchen. Am Dienstagmittag ist sie eröffnet worden.

10 000 Gewaltbereite

Zusammengestellt wurde sie vom Landesbüro Niedersachsen der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. Die SPD-Landtagsabgeordnete Karin Logemann, Berne, zitierte in ihrem Grußwort Zahlen des Verfassungsschutzes, die die Dimensionen deutlich machen: Demnach gibt es in Deutschland 22 400 Neonazis, von denen 10 000 gewaltbereit sind.

Zusammen mit Jule Christoffers aus der Klasse 10 b bot Karin Logemann in einer kleinen szenischen Lesung ein Frage-und-Antwort-Spiel um den NPD-Aussteiger Kevin Müller. Der wuchs in Berlin auf und war mit 14 Hip-Hop-Fan. Als seine Eltern in ein brandenburgisches Dorf umzogen, wachte er in einer völlig anderen Welt auf und war mit seiner Einstellung plötzlich ein Opfer. Nach und nach rutschte er in die rechtsextreme Szene, hörte Lieder, die den Holocaust verharmlosen und fand es bald völlig in Ordnung, die Judenvernichtung zu leugnen. Er stieg in der NPD auf.

Doch die extreme Gewalt ließ ihn aufwachen. Kevin Müller wandte sich vom Rechtsextremismus ab. Seitdem lebt er gefährlich: Seine ehemaligen Gesinnungsgenossen bedrohen ihn mit dem Tod.

In der Wesermarsch, betonte Karin Logemann, gibt es nach Auskunft der Polizei keine rechtsextremistischen Strukturen. Aber das müsse auch so bleiben: „Wir dürfen uns vom eigenen Denken nicht abbringen lassen und uns mit einfachen Antworten nicht zufrieden geben. Wir dürfen Extremismus und Ausgrenzung, Angst und Hass nicht dulden in einem Land, in dem wir leben wollen.“ Als Beispiel dafür, was junge Leute selbst tun können, nannte sie die Patenschaft der Oberschule Berne über den jüdischen Friedhof des Dorfes: Schüler pflegen die Gräber.

Eigene Erlebniswelt

Jan Krieger von der Interkulturellen Arbeitsstelle IBIS in Oldenburg machte an mehreren Beispielen deutlich, mit welchen Methoden Rechtsextreme um Nachwuchs werben: Sie bieten jungen Leuten eine ganz eigene Erlebniswelt. „Glatze, Bomberjacke und Springerstiefel gibt es noch, aber sie kommen viel seltener vor als früher“, sagte Krieger.

Jetzt läuft der coole Rechtsextreme mit „Patriot“-, oder „HKNKRZ“-Klamotten herum. HKNKRZ steht für Hakenkreuz. Marschmusik ist passé, stattdessen gibt es Hip-Hop und Rap mit rechtsextremen oder menschenverachtenden Texten.

Und nicht einmal die linke Ikone Che Guevara ist vor den Rechtsextremen sicher: Der Argentinier, der auf Kuba Karriere machte, gilt ihnen als „Nationalrevolutionär“.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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