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Jahresrückblick Stadland 2019: Gelbe Westen, heiße Flammen, neue Ärzte

28.12.2019

Stadland Gelbwesten? Die kennen wir doch aus Frankreich. In Paris und anderswo machen zornige Bürger, in neongelbe Westen gehüllt, Präsident Emanuel Macron die Hölle heiß, damit er von seinen umstrittenen Sozialreformen ablässt. Seit dem 20. Mai gibt es auch in Stadland Gelbwesten.

Gelb vor Wut

Sie wehren sich gegen die Straßenausbaubeitragssatzung und fordern deren Abschaffung. Mit ihrem einheitlichen Auftritt machen sie mächtig Eindruck – aber ihr eigentliches Ziel erreichen sie nicht.

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1975, kurz nach ihrer Gründung, führte die damals finanzschwache Gemeinde die Satzung ein, bekam mit ihrer Anwendung aber so viel juristischen Ärger, dass sie seit 1996 praktisch keine Einnahmen erwirtschaftete, wie eine Rechnung von Gemeindekämmerer Gerd Schierloh ergab. Anfang des Jahres startete die SPD/WPS/FDP-Mehrheitsgruppe eine Initiative und ließ die Satzung von der Verwaltung überprüfen mit dem Ziel, sie durch etwas zu ersetzen, „das für alle gerecht ist“.

Am 21. März verschärfte sich die Diskussion, als ein Bauingenieur im Infrastrukturausschuss des Rates einen neuen, wesentlich teureren Plan für den Ausbau der Schulstraße in Schwei vorlegte: Die Gesamtkosten beliefen sich auf 1,22 Millionen Euro – das bedeutete bis zu 43 000 Euro Beitrag pro Haushalt. Das brachte die Anwohner, die 2014 schon gegen einen deutlich günstigeren Ausbau votiert hatten. gegen die Satzung auf.

Vorbehaltlose Unterstützung bekamen sie nur von der CDU. Am 5. Dezember beauftragte der Rat mit den Stimmen der Mehrheit und der Grünen die Verwaltung, die Satzung bürgerfreundlicher und damit günstiger für den einzelnen Haushalt zu gestalten, aber nicht abzuschaffen. Bürgermeister Klaus Rübesamen ging selbst das zu weit: Er lässt den Auftrag von der Kommunalaufsicht bei der Kreisverwaltung überprüfen.

Feuer in Wohngruppe

Ein tragisches Ereignis rüttelte die Gemeinde im Spätherbst auf: In der Nacht zum 23. November brannte infolge eines Kurzschlusses die privat betriebene Wohngruppe von Ute Rudolph in Achterstadt ab. Dabei kamen die 81-jährige Eigentümerin und ein 78-jähriger Bewohner ums Leben; sechs Bewohner, darunter eine Tochter der Eigentümerin, konnten gerettet werden. Rund 120 Einsatzkräfte der Feuerwehr und er Rettungsdienste rückten zu dem einsamen Anwesen aus, auf dem auch Dutzende Tiere lebten.

Stall in Flammen

Ein weiterer dramatischer Brand hatte sich schon in der Nacht zum 27. Januar in Augustgroden ereignet: Kurz nach Mitternacht war im offenen Teil eines Rinderstalls Feuer ausgebrochen. Vier junge Landwirte aus Butjadingen, auf dem Rückweg vom Bowling in Varel, sahen den Feuerschein, hielten an, weckten den Eigentümer, riefen die Feuerwehr, halfen bei der Rettung der Tiere und verhinderten so Schlimmeres.

Arzt in Ausbildung

Auf dem Weg der Besserung ist auch das Gesundheitswesen in Stadland. Es hatte einen Schlag bekommen, als Peter Malinowski im März 2018 seine Arztpraxis in Seefeld schloss, ohne einen Nachfolger zu haben. Zwar ist der Arztsitz nach wie vor unbesetzt, aber in Rodenkirchen hat sich ein neuer Arzt angesiedelt: Ronny Köhler. Der 48-Jährige, der aus dem vorpommerschen Wolgast stammt, verstärkt die Praxis von Jürgen Albrecht und Bettina Krusche.

Der Chirurg absolviert dort eine zweite Facharzt-Ausbildung, die bis Ende Juni 2020 dauern wird. Nicht nur er hofft, dass die kassenärztliche Vereinigung dann den zusätzlichen allgemeinmedizinischen Arztsitz genehmigt.

Gute Nachrichten auch für Schwei: Im Juli gab der Allgemeinmediziner Gert von Heugel bekannt, dass er einen Nachfolger gefunden hat. Zum 1. Januar übernimmt der 47-jährige aus Polen stammende Internist Maciej Marcin Tomtala die Praxis. Dafür gibt er seinen Posten als Chefarzt der inneren Medizin an der Helios-Klinik in Esenshamm auf.

Bürgerbus unterwegs

Mehr Lebensqualität in Stadland bringt auch der Bürgerbus, der am 4. Oktober den Liniendienst aufgenommen hat. Vier Mal täglich fährt er montags bis freitags von der Wesermarsch-Klinik zum Bahnhof Rodenkirchen und erschließt dabei vor allem das westliche Stadland.

Aus formalen Gründen musste der eigentlich vorgesehene Starttermin am 15. August kurzfristig abgesagt werden. Nichtsdestoweniger ist der Bürgerbus im Rekordtempo gestartet. Von der Idee bis zur Aufnahme des Liniendienstes vergingen nur anderthalb Jahre. Am Steuer sitzen ehrenamtliche Fahrer, darunter Paul-Eugen Schumann, der Vorsitzende des Bürgerbusvereins.

Pech und Pannen

Einen holprigen Start verzeichnete dagegen ein weiteres Infrastrukturprojekt: die Park & Ride-Anlage am Rodenkircher Bahnhof. Ihr Bau war schon seit rund 20 Jahren im Gespräch, ehe er im Frühjahr 2018 tatsächlich begann. Die zum Rodenkircher Markt geplante Fertigstellung verzögerte sich deutlich, und als die Anlage im Januar 2019 in Betrieb ging, wirkte sie wie eine Ansammlung von Fehlern: Die Gitter für den abschließbaren Teil des Fahrradparkhauses waren zu dünn, die Tür passte nicht, und der Dachabschluss war wellig. Zudem konnte der Spezialasphalt auf der Zubringerstraße erst mit monatelanger Verspätung eingebracht werden.

Jetzt stehen 70 Fahrrad-Stellplätze zur Verfügung, davon 54 im Parkhaus, sowie 21 Parkplätze für Autos und 2 für Motorräder. Zu den Kosten von 950 000 Euro flossen Zuschüsse von 540 000 Euro – deutlich weniger als erhofft.

Verdruss bereitete auch der neue Rillenstein unweit der R & R-Anlage: Acht Radfahrer kamen in den ersten Wochen zu Fall. Bis sich herausstellte: An dieser Stelle müssen Fahrräder geschoben werden.

Feuerwehr macht Spaß

Deutlich besser als erhofft sind die im Frühjahr gegründeten Kinderfeuerwehren angelaufen. Jeweils mehrere Dutzend Kinder meldeten sich in Rodenkirchen und für die Kinderwehr Seefeld/Reitland/Schwei.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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