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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

Armut In Der Wesermarsch: Ein Kinderleben im Schatten

22.02.2020

Wesermarsch Wenn man beim Fußballtraining nicht mitmachen kann. Wenn ein Kinobesuch nicht drin ist, und man Ausreden erfindet, um das nicht zugeben zu müssen. Wenn man jeden Cent mehrmals umdrehen muss und es trotzdem nicht reicht – das ist Armut, beschrieben in den Worten von Jugendlichen in Deutschland.

Vorgestellt wurden diese eindringlichen Sätze von Evelyn Shtamer, wissenschaftlicher Mitarbeiterin der Universität Frankfurt, am Donnerstag in Lemwerder. Dort diskutierten auf Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftung Dr. Carola Reimann, niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (SPD), Jens Pannemann, Leiter des Kinderschutzhauses Blauer Elefant und die SPD-Landtagsabgeordnete Karin Logemann. „Kinderarmut bedeutet nicht nur materielle Armut. Es fehlt auch an Möglichkeiten, am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilzunehmen“, erklärte Shtamer. Auch gesundheitlich seien Kinder aus armen Haushalten oft schlechter gestellt, ebenso wie in ihrer Bildungslaufbahn.

Arm – wer ist das?

Arm – wer ist das eigentlich in Deutschland? Als arm gilt nach Definition der Europäischen Union jemand, dessen Einnahmen bei 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Einkommens der Bevölkerung in Privathaushalten liegen. „Fast jedes sechste Kind unter 18 Jahren in Deutschland lebt in einer Bedarfsgemeinschaft nach dem Sozialgesetzbuch II“, sagte Shtamer. Das sind 14,4 Prozent der Kinder. In Niedersachsen sind es 15 Prozent, in der Wesermarsch 18 Prozent, in Bremen 31 Prozent.

In Zahlen bedeutet das für die Wesermarsch: bei der Bundesagentur für Arbeit waren im vergangenen Jahr (Stand Juni) 2350 Personen unter 18 Jahren in Bedarfsgemeinschaften mit Einkünften aus Hartz-IV gemeldet. Im Jahr 2014 waren es noch 2454.

Wie kann die Zukunft dieser Kinder und Jugendlichen aussehen? Nach der Studie, die Evelyn Shtamer in Lemwerder vorgestellt hat, ist ihr weiteres Leben durch die Armut in der Kindheit deutlich geprägt. Ihre Voraussetzungen für ein selbstständiges Leben als Erwachsene sind schlechter, als bei anderen Kindern. Und je länger die Armut in der Kindheit andauert, desto größer ist das Risiko, später selbst als arm zu gelten.

Von Hilfen nicht erreicht

Unter dem Makel, nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können, würden besonders Jugendliche leiden. Mehr Teilhabe am Leben – das ist auch das Ziel einer Initiative von Ministerin Dr. Carola Reimann. Sie plädiert für die Einführung einer Grundsicherung für Kinder. Viele Hilfen vom Staat würden bei ihnen nicht ankommen. Das bestätigte auch Evelyn Shtamer. Die Hälfte der Jugendlichen werde von den Hilfen nach dem Sozialgesetzbuch II nicht erreicht. „Der soziale Status bestimmt über die Zukunft dieser Kinder. Das anzugehen, ist eines der wichtigsten sozialpolitischen Themen“, sagte die Sozialministerin.

Friederike Liebscher Berne/Lemwerder / Redaktion Brake
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