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NWZonline.de Region Wesermarsch Politik

Die Gesellschaft ist gefordert

11.10.2019

Wesermarsch Das Attentat auf die Synagoge in Halle ist nach jetzigem Erkenntnisstand Ausdruck rechtsextremen Gedankenguts. „Es ist unglaublich. Man ist fassungslos“, sagt dazu Reinhard Rakow. Der Organisator der Berner Bücherwochen widmet sich nicht nur der Literatur und Musik, seit vielen Jahren setzt er auch Zeichen gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Die Gesellschaft sei gefordert, dem Rechtsextremismus und dem Antisemitismus geschlossen entgegenzutreten, betont der Berner.

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„Als ich von dem Anschlag auf die Synagoge gehört habe, war mein erster Gedanke: bitte nicht schon wieder! Alleine schon wegen der deutschen Geschichte. Und dass die Bilder dann auch noch direkt im Internet kursieren – schön ist das nicht!“

Selina Backhaus (30), Seefeld

„Der Mann meiner Patentante war Jude. Da sind Erinnerungen wach geworden. Ob die Politik versagt hat, ist schwer zu beurteilen. Auf jeden Fall hätte es mehr Sicherheitsvorkehrungen vor der Synagoge geben müssen. Ich finde es erschreckend.“

Rolf Balgar (76), Reitland

„Es passiert in letzter Zeit einfach zu viel. Das macht mir Angst. Aus welchem Lager auch immer, ob von Islamisten oder Rechtsradikalen. Auch wenn die Menschen mit ihrem Leben unzufrieden sind. Solche Taten sind durch nichts zu rechtfertigen. Es gibt andere Möglichkeiten, seinen Unmut zu äußern.“

Zuhra Pasukan (52), Brake

In der Wesermarsch gibt es keine jüdische Gemeinde mehr, keine Synagoge, in der sich Gläubige versammeln können. Vom jüdischen Leben zeugen nur noch die Friedhöfe in Ovelgönne und in Berne sowie die „Stolpersteine“ vor Wohnhäusern, in denen einst Mitbürger jüdischen Glaubens lebten.

Das Grundstück an der Weserstraße in Berne, auf dem sich der jüdische Friedhof befindet, war im November 2014 von Ernest Koopmann an den Landesverband der jüdischen Gemeinden von Niedersachsen übergeben worden. Der Eingangsbereich zum Friedhof, der im Jahr 1895 angelegt wurde, wurde neu gestaltet. Auf Initiative von Reinhard Rakow und anderen Mitstreitern schufen der Jader Künstler Raymon M. Müller (Gestaltung) und die Firma Meinardus und Tapken (Anfertigung) ein neues Tor.

Nach dem Angriff auf die Synagoge in Halle, bei dem der Täter zwei Menschen ermordete und mindestens zwei weitere verletzte, besteht bei der Polizei erhöhte Alarmbereitschaft. In anderen Städten werden nun die Synagogen verstärkt überwacht. Weil es in der Wesermarsch keine jüdischen Einrichtungen gibt, entfallen die Schutzmaßnahmen. Die jüdischen Friedhöfe sind nicht als gefährdet eingestuft. Wie aus Polizeikreisen zu erfahren war, gibt es eine Reihe von Schutzmaßnahmen, die bei einer Terrorgefahr ergriffen würden. Vermehrte Kontrollfahrten zählten unter anderem dazu.

Aber nicht nur Mitbürger jüdischen Glaubens sind gefährdet. Nach dem Einmarsch der Türkei in Syrien gibt es ein weiteres Gefahrenpotenzial. Die Moscheen in Brake und Lemwerder könnten Angriffsziele islamistischer Gruppierungen sein, daher gilt auch in diesen Fällen seitens der Polizei erhöhte Wachsamkeit.

Reinhard Rakow spricht von einem Pulverfass, das schwelt. In den sozialen Netzwerken sei „unglaublich viel Verbreitung für das Gedankengut möglich“, ohne dass es die Gesellschaft reglementiere, sagt er. In der Anonymität könne man pöbeln und beleidigen, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen.

In Berne gibt es eine Gedenkstelle für jüdische Mitbürger, die in Berne gelebt haben und die ermordet wurden. „Ich bin froh, dass diese Stelle in Ehren gehalten wird“, sagt Reinhard Rakow.

Ulrich Schlüter Elsfleth / Redaktion Brake
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