Oberdeich - Für viele ist sie ein Ärgernis, mit dem sie sich notgedrungen abgefunden haben: die mangelhafte Postzustellung. Doch für manche Menschen ist ein zuverlässiger Zustelldienst finanziell und wirtschaftlich unentbehrlich – beispielsweise für Landwirte. Einige von ihnen wollen sich den schlechten Service auf dem Land nicht länger gefallen lassen und beginnen sich zu wehren: Elke und Hans Beerepoot aus Beckum sowie Birgit und Gerriet Janßen aus Oberdeich.
Ein Beschwerdebrief
So hat Elke Beerepoot am 21. August einen geharnischten Brief mit mehreren besonders eklatanten Beispielen an die Bundesnetzagentur geschrieben. Deren „Verbraucherservice Post“ reagierte umgehend und antwortete: „Mit ihrer Beschwerde helfen Sie uns, Zustellmängel oder andere Verschlechterungen der Postversorgung in Deutschland frühzeitig zu erkennen.“ Im weiteren Verlauf des langen Briefes heißt es: „Die Postunternehmen reagierten auf die Aufforderung der Bundesnetzagentur zumeist schnell und stellten die Mängel ab.“
Die Deutsche Post und ihr Zustellgebaren in Beckum und Oberdeich können damit nicht gemeint gewesen sein. Dort hat sich nichts verbessert, wie auch Birgit und Gerriet Janßen kritisieren: Die Post kommt nach wie vor nur ein- oder zweimal in der Woche.
So haben die Janßens die Benachrichtigung für die Landtagswahl erst am 9. September bekommen. Dabei war sie schon am 31. August im nur wenige Kilometer entfernten Rathaus in Rodenkirchen abgeschickt worden, wie der Frankierstempel der Deutschen Post zeigt.
Milch weggekippt
Das kann noch als Ärgernis gewertet werden. Aber dass die Post von der Molkerei mit den Teströhrchen für Milch auch erst am 9. September in Oberdeich angekommen ist, obwohl sie schon am 25. August abgeschickt worden war, ist ein erheblicher finanzieller Schaden. Mit den Röhrchen prüft der Landwirt die Milch von Kühen, die frisch gekalbt haben. Nur wenn das Röhrchen anzeigt, dass die Milch für den Verzehr geeignet ist, darf der Landwirt sie an die Molkerei liefern.
Das konnte Gerriet Janßen zwei Wochen lang nicht tun, weil das Päckchen mit den 25 Teströhrchen irgendwo auf dem Postweg hängen geblieben war. Zwei Wochen lang musste er die Milch der betreffenden Kühe wegkippen. Bei bis zu 25 Litern pro Kuh und 60 Cent pro Liter Milch kommt da schon ein nennenswerter Verlust zustande – zumal es ja nicht nur um eine Kuh ging.
Überraschungsgast
Vor zehn Jahren, erinnert sich Birgit Janßen, kam die Post noch jeden Morgen um 10 Uhr zu ihnen: „Danach konnte man die Uhr stellen.“ Auch der Postbote, den sie bis vor wenigen Jahren hatten, war zuverlässig. „Aber jetzt kommt jedes Mal jemand anderes.“ Auch auf Tierpässe für Kälber, die verkauft werden sollen, muss das Ehepaar Janßen oft so lange warten, dass es den Verkauf um eine Woche verschieben muss: Das kostet Geld für die Ernährung des Kalbs, bringt aber beim Verkauf keinen Cent mehr ein.
Hans und Elke Beerepoot hätten ihre Tiere in diesem Sommer um ein Haar nicht bei der Tierschau in Stollhamm ausstellen können, weil die dafür erforderliche Blutprobe, die nachweist, dass die Tiere frei von Seuchen sind, im Postverteilzentrum in Brake liegen geblieben war. Dabei war der Brief mit einem großen roten Stempel als Terminsache deklariert. Elke Beerepoot kam dieser Schlamperei auf die Schliche, als sie selbst im Verteilzentrum aufkreuzte, um nach dem Rechten zu sehen. Die zuständige junge Dame habe sie ignoriert, aber ein freundlicher Postbote sei behilflich gewesen und habe den wichtigen Brief herausgegeben, so dass die Tiere doch noch in Stollhamm auftreten konnten. Dort bekamen sie gute Platzierungen. Ein Tier wurde sogar zur Siegerkuh gekört, was die Besitzer nicht nur stolz macht, sondern auch den Wert ihres Bestandes steigert.
Zum Eklat kam es bei Familie Beerepoot, als die Tochter Tessa, eine angehende Polizeibeamtin, ungewöhnlich lange auf das Ergebnis ihrer Bachelorarbeit warten musste: Die Kommilitonen hatten es schon seit zwei Tagen. Als Elke Beerepoot sah, dass das Postauto langsam am Briefkasten vorbeifuhr, lief sie hinterher und hielt es an. Im Inneren fand sie drei volle Körbe mit Post, wie sie erzählt: „Unsere Post lag in der untersten Reihe“. Wie immer war sie nach Absendetagen geordnet, fein säuberlich übereinander, beginnend am Mittwoch. Darunter: das erhoffte Ergebnis.
