Nordenham/Hamburg - Der seit Monaten schwelende Streit um die Umstrukturierungen im Airbus-Konzern spitzt sich zu. Sollte es in der nächsten Verhandlungsrunde am Montag, 31. Januar, in Hamburg keine Einigung im Sinne der Industriegewerkschaft Metall geben, stehen die Zeichen auf Arbeitskampf. Der 2. Bevollmächtigte der IG Metall Hamburg, Emanuel Glass, spricht von einer „Deadline“. Für den Fall, dass die Gespräche mit dem Management am Montag ergebnislos verlaufen, kündigt die Gewerkschaft eine Urabstimmung über einen Streik an.
Michael Eilers, Betriebsratsvorsitzender am Nordenhamer Standort der Premium Aerotec GmbH (PAG), hält diese Vorgehensweise für richtig: „Wir haben lange genug verhandelt“, sagt er, „das Hin und Her muss ein Ende haben.“
Unzufriedenheit steigt
Michael Eilers kritisiert, dass die Unternehmensleitung bisher kein überzeugendes Konzept vorgelegt habe, das „wir mittragen können“. Eine Eingliederung des Nordenhamer Werks in das neue Tochterunternehmen, das der Luftfahrtkonzern unter dem Namen Airbus Aerostructures (ASA) gründen will, sei zwar durchaus vorstellbar. Aber dazu gebe es noch viele offene Fragen.
Weder eine Weichenstellung für die Sicherung der Standorte und Arbeitsplätze noch ein verlässliches Geschäftsmodell seien bisher zu erkennen. „Wir wollen ja nicht die Katze im Sack kaufen“, betont der Nordenhamer Betriebsratsvorsitzende. Die Unzufriedenheit in der Belegschaft nehme immer mehr zu. Daher sei es höchste Zeit für eine Lösung.
Verhandlungsführer auf Seiten der Gewerkschaft ist Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste. Nach bis dahin fünf Verhandlungsrunden hatte er am 14. Januar erneut mit dem Management gesprochen. Daniel Friedrich sieht zwar Fortschritte, macht aber deutlich, dass „wir von konkreten Ergebnissen noch weit entfernt sind“.
Der ursprüngliche Plan von Airbus war es, schon Anfang 2022 die Montage von Flugzeugstrukturen in dem neuen Unternehmen ASA zusammenzufassen. Das betrifft auch die Airbus-Tochtergesellschaft Premium Aerotec und damit den auf Rumpfkomponenten spezialisierten Standort in Nordenham mit seinen rund 2500 Beschäftigten. Die Teilefertigung bei Premium Aerotec in Augsburg und Varel sowie im rumänischen Brașov will Airbus auslagern und an einen Investor verkaufen. Die IG Metall lehnt eine solche Investorenlösung zwar nicht grundsätzlich ab. Doch ebenso müsse ein Verbleib der Teilefertigung im Airbus-Konzern ernsthaft geprüft werden.
Neueinstellungen
Nach der Flaute, die mit der Corona-Krise eingesetzt hatte, laufen die Programme bei Airbus jetzt wieder hoch. Angesichts der guten Auftragslage plant die Konzernleitung 6000 Neueinstellungen. Wie diese sich auf die Standorte verteilen, ist noch offen. „Es gibt plötzlich wieder einen erheblichen Personalbedarf“, sagt der Nordenhamer PAG-Betriebsratsvorsitzende Michael Eilers mit Blick auf den gerade erst abgewickelten Stellenabbau. Dieser Übergang von einem Extrem zum anderen sei „erstaunlich“ und zeuge nicht gerade von einer strategischen Personalplanung. Wegen Corona hatte Airbus zuletzt weltweit etwa 10.000 Stellen gestrichen; ursprünglich sollten es sogar 15.000 sein. „Wenn es dazu gekommen wäre, hätten wir nun ein völliges Chaos“, sagt Michael Eilers.
Am PAG-Standort Nordenham wurden im Zuge des Sparprogramms etwa 600 Jobs abgebaut. Rund 350 Beschäftigte unterzeichneten Aufhebungsverträge, 100 wechselten in die Altersteilzeit oder den Ruhestand. Zudem trennte sich PAG in Nordenham von 150 Leiharbeitskräften und fuhr deren Anteil an der Stammbelegschaft auf null herunter. Die verbesserte Auftragslage führt jetzt dazu, dass wieder 50 neue Leiharbeiter eingestellt werden.
