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AT Rodenkirchen Ein Kämpfer – einzeln und im Team

Rodenkirchen - Als er bei der jüngsten Übergabe der Sportabzeichen seinen Abschied ankündigte, hatten einige Teilnehmer Tränen in den Augen. Doch für Manfred Fleischer stand fest: Nach 15 Jahren als Sportabzeichen-Obmann beim AT Rodenkirchen sollte es reichen.

Vom Trio zum Einzel

Es waren 15 Jahre, die er allein ehrenamtlich gearbeitet hat. „Ich kenne keinen anderen Verein, bei dem sich nur einer um die Sportabzeichen kümmert“, sagt der 65–Jährige.

Angefangen hatte er als Teil eines Trios – vor 17 Jahren, als ihn Thade Thaden, sein Vorgänger als Sportabzeichen-Obmann, anwarb. Dritte im Bunde war Gabriele Schwarze-Best. Doch es blieb nur er übrig, war von Mai bis September an jedem Mittwoch von 16 bis 18 Uhr auf dem Sportplatz und erwartete Kandidaten, ging mit ihnen ins Braker Schwimmbad und zur katholischen Kirche, wo die Fahrradprüfungen starteten.

Sie waren seine Lieblingsdisziplin. Nicht zuletzt deshalb, weil er seit Jahren gemeinsam mit Frank Haase Rennrad trainiert.

Aus dem Ruhrpott

Manfred Fleischer ist kein gebürtiger Rodenkircher; er stammt aus Castrop-Rauxel im Ruhrgebiet, wo sein Vater Bergmann war. Im Zuge des Zechensterbens musste er sich 1969 nach einer beruflichen Alternative umsehen und fand den Braker Hafen. Die Familie zog zunächst nach Rönnelmoor und 1971 nach Rodenkirchen.


Besonders sportlich war die neunköpfige Familie nicht, eher im Gegenteil. Irgendwann fasste Manfred wohl den Beschluss, das alles allein aufzuholen. Seine erste Leidenschaft war der Fußball, er war Stürmer in der fünften Mannschaft des ATR. Diese Mannschaft hält heute noch zusammen – aber nicht auf dem Platz, sondern eher beim Feiern.

Zweite Leidenschaft

Manfred Fleischers zweite Leidenschaft ist das Nordic Walking. Werner zur Horst gründete in den 80er Jahren beim ATR eine Gruppe, der sich Manfred Fleischer anschloss und deren Leitung er später übernahm. Auch hier achtete er auf die Feinheiten: „Ich bin immer hinten gelaufen, um Fehler korrigieren zu können.“

Besonders stolz ist er auf die Jahre, in denen er – erfolgreich – an Multiple Sklerose erkrankte Frauen im Nordic Walking trainierte. Jetzt walkt er allein. Seine Lieblingsstrecke führt von Rodenkirchen nach Schweierzoll und zurück – immer schnurstracks an der Bundesstraße 437 entlang, gute 20 Kilometer. Vier Stunden braucht er dafür. Am liebsten walkt der Rentner im Sommer: „Bei 30 Grad fühl‘ ich mich pudelwohl“, sagt er. Im Monat schafft er dann locker 100 Kilometer zu Fuß und mit Stöcken.

Beruflich war er 42 Jahre lang beim Wachdienst am Kernkraftwerk tätig. Zuvor hatte er am Bau der Anlage mitgewirkt – unter anderem hatte er Stahlwände sandgestrahlt.

Was er kritisiert

Das Sportabzeichen war ihm immer wichtig, aber Manfred Fleischer blickte auch zunehmend kritisch auf dieses Angebot. So seien die Anforderungen immer weiter gestiegen – seiner Meinung nach keine gute Entwicklung. Bei den Zusammenkünften der Sportabzeichen-Leute im Kreissportbund wies er mehrfach darauf hin. Und ihn störte die zunehmende Unverbindlichkeit der Teilnehmer. „Wenn ich sage, ich komme, dann komme ich“, lautet das Credo von Manfred Fleischer.

Auch ohne Amt will er sportlich bleiben und weiterhin sportliche Maschinen fahren – ob auf zwei oder vier Rädern. Und immer noch ist er auch in seiner eigenen Familie der sportliche Einzelkämpfer, wie er einräumt: „Meine beiden Töchter sagen nur: Sport ist Mord.“ Vielleicht sollten sie sich ihren sportlichen Vater noch einmal näher ansehen.

Henning Bielefeld
Henning Bielefeld Redaktion Nordenham (Stv. Leitung), Redaktion Stadland
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