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Bier-Café Hülsmann Traditionsgaststätte droht das Aus: „Für Rodenkirchen wäre es schade“

Ein Glücksfall für Rodenkirchen: Anne und Gerfried Hülsmann

Ein Glücksfall für Rodenkirchen: Anne und Gerfried Hülsmann

Henning Bielefeld

Rodenkirchen - Am 23. Dezember ist Stichtag. Darüber sind sich Anne und Gerfried Hülsmann einig. Bis zum 23. Dezember geben die beiden der Wilhelmshavener Maklerin, die sie mit dem Verkauf ihres Hotels mit Gaststätte am Stadlander Platz in Rodenkirchen beauftragt haben, Zeit für einen verbindlichen Abschluss. Für den Fall, dass die Maklerin bis dahin nicht erfolgreich sein sollte, hat das Ehepaar einen Alternativplan.

Nur das Hotel

Und der sieht so aus: Bis Jahresende schließen die beiden das Bier-Café, betreiben das Hotel mit 27 Zimmern jedoch auf unbestimmte Zeit weiter. Zunächst setzen die Unternehmer aber darauf, dass sie die Immobilie komplett verkaufen können. „Gaststätte und Hotel laufen gut“, sagt Gerfried Hülsmann. Darauf könne ein neuer Eigentümer problemlos aufbauen.

Einige Interessenten haben sich gemeldet und Gespräche mit dem Ehepaar geführt, doch handelseinig geworden sind sich die Beteiligten überwiegend nicht. Derzeit gebe es zwei weitere Interessenten, die ihre Finanzierung noch nicht unter Dach und Fach haben.

Für Anne und Gerfried Hülsmann ist klar: Sie wollen eine Lösung, die Bestand hat; an halben Sachen sind sie nach einem außerordentlich langen Arbeitsleben nicht interessiert. „Für das Dorf wäre es sehr schade, wenn die Gaststätte schließen würde“, weiß Anne Hülsmann. Doch sie und ihr Mann, so viel steht fest, werden nicht die Menschen sein, die dieses Schicksal durch eigene Arbeit abwenden können.

Denn die beiden sind nicht mehr die Jüngsten: Gerfried zählt 76 Lenze, seine Frau ist 64. Für Jahrzehnte haben sie die Gastronomie in der mittleren Wesermarsch durch Unternehmergeist und schier unerschöpfliche Arbeitskraft geprägt; doch in den vergangenen Jahren haben sie sich nach und nach zurückgezogen – nicht zuletzt mit Rücksicht auf die Gesundheit von Gerfried Hülsmann. Gern hätte er im Februar 2024 sein 50-Jähriges in der Gaststätte gefeiert, doch die wahrscheinliche Rücknahme der coronabedingten Mehrwertsteuersenkung für Gaststätten zum Jahreswechsel vereitelt diesen Plan, wie der Gastwirt sagt: „Für zwei Monate werde ich nicht mehr die elektronischen Kassen umstellen, neue Speisekarten drucken lassen und unseren Auftritt im Internet ändern.“


Deshalb sieht es derzeit danach aus, dass die Gaststätte an einem noch unbestimmten Tag zwischen Weihnachten und Neujahr schließt.

Früh aufstehen

Doch schon seit einiger Zeit haben sich die beiden nach und nach aus ihren Außenbetrieben zurückgezogen, das Haupthaus am Stadlander Platz fordert genug Aufmerksamkeit.

Nach wie vor stehen Anne und Gerfried Hülsmann jeden Morgen um viertel vor fünf auf, öffnen ihre Gaststätte, bereiten das Frühstück für die Hotelgäste, begrüßen meistens schon gegen halb acht die ersten Kneipengäste zu Kaffee oder Frühstück.

Das geht den ganzen Tag so weiter – früher bis nachts um drei. Diese Zeiten sind längst vorbei, und seit Anfang des Jahres machen Anne und Gerfried Hülsmann abends um 20 Uhr zu – schon aus Rücksicht auf sich selbst.

Einmal Urlaub

Damit nicht genug: Gleich nach dem Rodenkircher Markt haben die beiden etwas gemacht, das sie noch nie gemacht hatten: Urlaub! Zwei Wochen! Bislang waren sie immer nur für ein paar Tage weg gewesen. Jetzt waren sie in Heidelberg und Baden-Baden unterwegs, und es gelang ihnen sogar, nicht zu Hause anzurufen, wo ihre Tochter Tanja Müller vorübergehend die Geschäfte führte.

Das macht Hoffnung für zwei echte Unternehmer, die sich um Rodenkirchen und die Rodenkircher verdient gemacht haben. Ob sie nun einen Käufer finden oder nicht.

Henning Bielefeld
Henning Bielefeld Redaktion Nordenham (Stv. Leitung), Redaktion Stadland
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