Rodenkirchen - Wohin mit meiner Wut? Diese Frage haben sich jetzt rund 20 Kinder der Rodenkircher Tagesstätte Löwenzahn gestellt – und sie beantwortet, indem sie unter anderem ein Wutmonster bauten. Sie setzten es zum Abschluss des Projekts in einen Zug – fast wie eine Flaschenpost.
Und jetzt? Jetzt würden die Kinder gerne wissen, wo das kleine Monster gelandet ist auf seiner Reise, schreibt die Erzieherin Heinke Speckels.
Große Frustration
Sie schildert, dass sie und ihre Kolleginnen bei vielen Kindern der Knospengruppe Anspannung, Unmut, Unsicherheiten und Frustration beobachtete haben. „Es waren viele junge Kinder dabei, die erst lernen mussten, sich in einer Gruppe zurechtzufinden“, sagt Heinke Speckels. Damit wollten die Erzieherinnen ihre Schützlinge nicht allein lassen. Gemeinsam mit den Kindern arbeiteten sie seit dem vergangenen Dezember an der Frage, wie sie mit dem Thema Wut umgehen können.
Binnen eines halben Jahres haben sich die Gefühle der Kinder deutlich verbessert, schildert Heinke Speckels auf Nachfrage unserer Redaktion. Der Zusammenhalt in der Gruppe und das Verständnis für die Regeln seien deutlich besser geworden.
Die Kinder malten Wutbilder, bekamen einen Wut-Raum, in dem sie Wutbälle kneten durften, um ihren Frust abzulassen, lernten die Stopp-Regel, kämpften angeleitet mit Schwimmnudeln, backten Emoji-Kekse, spielten Anti-Aggressionsspiele und schrien bei gemeinsamen Spaziergängen am Deich ihre Wut heraus. Sie lasen aber auch Bücher und genossen Massagen.
Und sie planten und bauten ihr eigenes Wutmonster. Dafür beschafften sie auch das Material, wie Heinke Speckels schildert – etwa, indem sie in einer Zimmerei anriefen und Restholz besorgten. Aus diesem Holz fertigten sie mit Luftballons, Kleister, Pappkarton, Farbe, Schrauben und Nägeln das Wutmonster, das sie auch Feuerspuckerdrachen nannten.
E-Mails erbeten
Dieses Wutmonster schickten die Kinder zum Abschluss des Projekts auf Reisen, damit es nicht allein in der Tagesstätte bleiben muss. Sie brachten von ihren Eltern Proviant mit, dachten auch an ein Kuscheltier und fuhren das Monster und die Gaben mit einem Bollerwagen zum Bahnhof. Ein Kind hatte den Fahrplan besorgt. Dazu kamen eine Fahrkarte und ein selbst geschriebener Zettel mit der Bitte an andere Reisende, das Monster ein Stück weit zu begleiten und vielleicht bei Gelegenheit in einen anderen Zug zu setzen und dann eine E-Mail an die Kindertagestätte über sein weiteres Schicksal zu schreiben. Die Kindertagesstätte ist zu erreichen unter kiloe@ewetel.net.
