Nordenham - Rolf Ahlers verkauft nicht nur Kreuzfahrten, er ist auch ein Kreuzfahrt-Fan. Der 66-Jährige schätzt die Vorzüge der schwimmenden Hotels: „Man lernt Städte und Kulturen kennen. Man kann gleichzeitig Wellness, Sport, Theater und gutes Essen genießen.“ Dass die Branche gerade in Corona-Zeiten in Verruf geraten ist, will der Nordenhamer nicht hinnehmen. Immer wieder hört und liest er von Kreuzfahrtschiffen als Corona-Hot-Spots. Außerdem stehen sie wegen umweltschädlicher Emissionen am Pranger. „Zu Unrecht“, findet Rolf Ahlers. Er bricht eine Lanze für den Kreuzfahrt-Tourismus.
Im Reisebüro Ahlers, das der Nordenhamer selbst aufgebaut hat, ist Rolf Ahlers inzwischen als Berater tätig. In den vergangenen Jahrzehnten hat er unzählige Kreuzfahrturlauber auf Reisen geschickt. Mit Ausbruch der Corona-Pandemie hat die Nachfrage deutlich gelitten. Zeitweise waren Kreuzfahrten gar nicht oder nur ohne Landgänge möglich. Das hat sich inzwischen geändert. Rolf Ahlers berichtet, dass die Nachfrage anzieht. „Die Leute wollen raus.“ Es gebe großen Nachholbedarf. Er stellt eine steigende Nachfrage nach Flusskreuzfahrten im Inland fest. Rolf Ahlers führt das auf ein Sicherheitsbedürfnis der Kunden zurück, die sich angesichts der Corona-Gefahr in Deutschland besser aufgehoben fühlen.
Strenge Hygiene-Regeln
Für die Behauptung, dass Kreuzfahrtschiffe Corona-Hot-Spots seien, hat Rolf Ahlers kein Verständnis. Er weist darauf hin, dass nirgendwo strengere Hygiene-Regeln gelten als auf Kreuzfahrtschiffen. „Man ist hier sicherer als im Supermarkt“, sagt der Nordenhamer: Es werden nur Geimpfte an Bord gelassen. Bei Hochseefahrten müssen die Teilnehmer, bevor sie an Bord gehen, zwei negative Schnelltests vorweisen, bei Flusskreuzfahrten einen. Bei Hochseekreuzfahrten werde jeden Tag Fieber gemessen, bei Flusskreuzfahrten alle zwei Tage. Diese Erfahrung hat Rolf Ahlers bei seinen Schiffsreisen in den vergangenen beiden Jahren selbst gemacht.
Je nach Zielländern liegt die maximale Auslastung bei 60 bis 70 Prozent. An Bord gilt Maskenpflicht, ausgenommen sind die Plätze in den Restaurants, die Außenbereiche und die Kabinen. An den Büfetts gibt es keine Selbstbedienung, man wird bedient. Auch bei Landgängen gelten strenge Regeln. Die Busse werden in der Regel nur zur Hälfte ausgelastet. Und auch hier gilt Maskenpflicht. „All diese Maßnahmen sind Stand heute gültig“, sagt Rolf Ahlers.
Medizinische Betreuung
Hundertprozentige Sicherheit gibt es trotzdem nicht. „Das Problem sind nicht die Schiffe“, sagt Rolf Ahlers. Er geht davon aus, dass das Virus bei individuellen Landgängen an Bord gebracht wird. Sollte sich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ein Passagier anstecken, stünden ausreichend Quarantäne-Kabinen und eine medizinische Betreuung zur Verfügung. Hinzu komme, dass sich die Reedereien um alles kümmern, zum Beispiel um Quarantäneaufenthalte, wenn diese erforderlich sein sollten, und um die vorzeitige Rückreise.
Rolf Ahlers hat die Erfahrung gemacht, dass die vergleichsweise geringe Auslastung der Schiffe von vielen Passagieren als Mehrwert wahrgenommen wird. Er geht davon aus, dass die strengen Regeln, die zurzeit gelten, in den kommenden Monaten zunehmend gelockert werden.
Der Nordenhamer ist überzeugt, dass die Branche eine Zukunft hat. Er sagt dies auch mit Blick auf die schädlichen Immissionen. „Einige Schiffe fahren bereits mit LNG-Gas. Außerdem werden zusätzliche moderne Abgasfilter eingebaut.“ In den Häfen müsse die Landstromversorgung für die Schiffe ausgebaut werden. „Die Reedereien haben erkannt, dass sie in Sachen Umweltschutz etwas tun müssen. Sie könnten mit ihrem Engagement zum Vorreiter für die gesamte Handelsschifffahrt werden.“
