Wesermarsch - Es ist in jedem Jahr das gleiche Spiel: Im Frühjahr lassen die Skipper die Sportboothäfen an der Unterweser vom Schlick räumen, wenig später ist die Gubbel wieder da – zurückgebracht von den einströmenden Fluten. Dieser Teufelskreis könnte künftig unterbrochen werden, indem der Schlick nicht in den Fluss zurückkehrt, sondern an Land getrocknet und als Rohstoff aufbereitet wird.
Ein Pilotprojekt
Ein solches Pilotprojekt hat im Umweltministerium der Landesregierung jetzt Unterstützung gefunden. Umwelt-Staatssekretär Frank Doods hat dem Vorsitzenden des Seglerverbandes Niedersachsen, Dr. Thomas Gote, in einem „Letter of Intent“ mit Datum vom Dienstag dieser Woche zugesichert, dass er grundsätzlich bereit sei, die Arbeit der jeweiligen Vereine in einem solchen Verfahren zu unterstützen. Ein „Letter of Intent“ ist eine – rechtlich unverbindliche – Absichtserklärung; schließlich sind am Sonntag Wahlen. Doods bezeichnet Schlick darin als „nachwachsenden Rohstoff“.
Karin Logemann, SPD-Landtagsabgeordnete und -kandidatin in der Wesermarsch, hat sich sehr darum bemüht, diese Erklärung zu bekommen. Bei ihrem Besuch im Sportboothafen Großensiel konnte sie das einseitige Papier am Mittwoch an die Skipper weiterreichen, die sich mit einem Applaus für ihren Einsatz bedankten. Verbunden werden soll das Pilotprojekt mit einer 70-prozentigen Landesförderung für die jeweiligen Räumarbeiten, die schon für dieses Jahr zugesagt, aber dann doch nicht mit Geld hinterlegt war. Wegen des Doppelhaushalts 2022/23 steht aber nun für 2023 diese Förderung zur Verfügung. Karin Logemann sicherte den Skippern zu, dass sie sich um eine Verlängerung bemühen werde. Die Skipper ihrerseits wünschen eine Verstetigung, also eine dauerhafte Förderung.
Denn die Verschlickung ist eine Folge der Kette der Weservertiefungen der vergangenen 140 Jahre. Für deren Folgen könnten nicht die Wassersportler verantwortlich gemacht werden, sagen diese. Zuständig sei eigentlich der Bund, aber wenigstens bewege sich jetzt das Land, lobte Dr. Werner Helle, der Vorsitzende des Segelclubs Nordenham (SCN).
Braun statt blau
Offensichtlich hat der Schlick-Anteil im Weserwasser in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Klaus Mahnken, der Sprecher der Wassersportler aus Absersiel, hat jedenfalls beobachtet, dass das Wasser selbst in der Mitte des Stroms nicht mehr klar ist, sondern nur noch schmutzig braun.
Die neue Schlickstrategie, die die Landesregierung entwickelt, sieht vor, dass der aus den Häfen entnommene Schlick an Land getrocknet, auf eventuelle Schadstoffe und seine Zusammensetzung untersucht wird und dann in den Wirtschaftskreislauf kommt – beispielsweise als Rohstoff für die Bauindustrie. Damit ist unter anderem auch Dr. Frank Ahlhorn befasst, der Geschäftsführer des Wattenmeerforums in Wilhelmshaven. Er nahm auf Bitten der Skipper ab der Zusammenkunft teil.
Fonds hilft nicht
Aus dem Großensieler Sportboothafen müssen Jahr für Jahr 25- bis 30.000 Kubikmeter Schlick entfernt werden. Das kostet 40.000 Euro – ohne Anfahrt des Räumboots. Dazu kommt als weiteres Problem, dass es schwierig ist, dafür ein geeignetes Boot zu bekommen, weil deren Zahl abgenommen hat. Deshalb lehnen die Segler den vom Grünen-Landtagskandidaten Hanso Janßen ins Spiel gebrachten Fördertopf nach dem Vorbild des Elbefonds ab. Der fordert nämlich, dass drei Angebote vorgelegt werden müssen; die Skipper sind aber schon froh, wenn sie wenigstens eins haben. Auch Karin Logemann hält diesen Fonds für „wenig hilfreich“.
