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Gerhard Roos thematisiert sexuellen Missbrauch Ein klares Ja zum Leben

Gerhard Roos

Gerhard Roos

Schwei - Wer eines der schmalen Bücher von Gerhard Roos aufschlägt, weiß: Jetzt kommt keine leichte Kost. Nichts Nettes, das beim Einschlafen hilft. Doch in seinem neuesten Buch wagt sich der Autor an eines der heikelsten Themen heran, die es für Schriftsteller gibt: den sexuellen Missbrauch von Kindern durch Erwachsene.

Meisterlich erzählt

Das wird nicht nur ungern geschrieben, sondern auch ungern gelesen. Gerhard Roos weiß das, und wie er mit diesem Thema umgeht, zeigt die erzählerische Meisterschaft, die er sich in den vergangenen Jahren angeeignet hat.

Gerhard Roos ist jetzt 78 Jahre alt, er war Gemeindepfarrer und Berufsschullehrer im Hessischen, vor allem aber war er Vater. Drei leiblichen und 22 angenommenen Kindern hat er zusammen mit seiner inzwischen verstorbenen Frau Christel ein Heim, eine Familie und einen festen Halt geboten, auch in seinem früheren Haus in Norderschwei. Da ist ihm nichts Menschliches fremd geblieben.

Ein Menschenfeind ist er dennoch nicht geworden, im Gegenteil: Gerhard Roos ist offen und zugewandt, macht aber nie ein Hehl aus seiner Einstellung. Gerhard Roos ist einer, der ja sagt zum Leben. Obwohl es gewiss nicht ohne Leid war: Ein kleiner Pflegesohn ist ihm gestorben, und einer seiner leiblichen Söhne auch. Er spricht nicht gern drüber, aber gebrochen hat es ihn nicht.

Leid gehört dazu

Das also ist das eigentliche Thema seines neuen Buches „Gelernt zu leiden, ohne zu zerbrechen“. Und der Autor setzt ein Fragezeichen hinter den Titel. Leid gehört für ihn zum Leben: „Jeder erlebt harte Sachen.“ Doch sie würden ausgeblendet. Viele Eltern versuchten, ihren Kindern Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen, und immer mehr Bürger im verwöhnten Deutschland hielten es für normal, dass es ständig aufwärts geht – mit der Wirtschaft, aber auch mit ihnen selbst. Der Rückschlag, der schwere Schicksalsschlag: Sie seien einfach nicht vorgesehen.


Und dennoch geschehen sie. „Wie kann man lernen, ja zu sagen und Dinge anzunehmen?“ Um diese Frage dreht sich das Werk, das Gerhard Roos, auch das ist neu, in Tagebuchform geschrieben hat. Er schlüpft in die Rolle des heranwachsenden Jonas Schneider, dem das Schicksal gleich zu Beginn einen Doppelschlag versetzt: Seine Eltern sterben, und seine Pflegeschwestern werden wenig später vom Pflegevater missbraucht.

Wie hält Jonas Schneider das aus, und wie kann der Leser das aushalten? Der Junge bekommt im dörflichen Umfeld der Großeltern ein neues Zuhause, in dem er glücklich aufwächst und viele Freunde findet, die ebenfalls glücklich werden – auch in der Partnerschaft. Auch Jonas findet dieses Glück, doch es wird ihm durch einen grausamen Zufall wieder genommen. Erneut muss er sich dem Leben stellen, damit er wieder glücklich werden kann.

Sich dem Leben stellen, es annehmen, die Schrecknisse aufarbeiten: Dazu macht dieses schmale Buch Mut.

Erschienen ist es, auch als E-Book, bei Books on Demand in Norderstedt. Es kann in jeder Buchhandlung bestellt werden.

Henning Bielefeld
Henning Bielefeld Redaktion Nordenham (Stv. Leitung), Redaktion Stadland
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