Schweiburg/Wesermarsch - Nils von Deetzen versenkt seinen Finger tief in dem kleinen Loch im Erdreich und pult darin herum: „Hier ist im Moment keine Maus mehr aktiv.“ Der Landwirt guckt zufrieden. Denn die massive Mäuseplage unter der Grasnarbe seiner Grünfläche war mit die größte Sorge, die den Schweiburger in den vergangenen Monaten umgetrieben hat.
Doch der üppige Regen der vergangenen Wochen hat dafür gesorgt, dass die Mäusepopulation zurückgegangen ist. „Wäre die Maus noch aktiv, wäre das Gras rund um das Loch weggefressen, jetzt sieht das gut aus.“ Mit dieser Feststellung besteigt von Deetzen seinen Traktor und zieht sein Güllefass über die Flächen. Mit dem Düngen hat für den Schweiburger die neue Saison begonnen.
Holprige Angelegenheit
Und in dieser Saison will die Nordwest-Zeitung den jungen Landwirt und seine Familie mit ihrem Hof am Deich an der Bäderstraße in Schweiburg begleiten. Immer wieder werden wir berichten: Wann steht was im Betrieb an? Und warum? Was sind Entwicklungen? Was sind Sorgen?
Was einen Landwirt immer umtreibt, ist das Wetter. Da ist Nils von Deetzen keine Ausnahme: „Eigentlich hätten wir die Gülle schon früher ausgebracht, aber erst war es zu trocken, dann war es zu nass. So ist Landwirtschaft.“ Jetzt sind die Bedingungen gut: Die Flächen sind problemlos befahrbar und aufnahmefähig.
Es ist eine holprige Angelegenheit, mit Nils von Deetzen im Trecker zu seinen Flächen zu fahren. Die engen Kurven und Zufahrten nimmt er mit links, so oft hat er jegliche Ecken und Kanten mit dem riesigen Geschoss schon umschifft. Schließlich hat er das schon gemacht, als er noch ziemlich grün hinter den Ohren war. „Puh“, antwortet der 28-Jährige bei der Frage danach, in wievielter Generation es den Hof schon gibt. „Ich bin die vierte von-Deetzen-Generation“, hat er schnell nachgerechnet. Sein Vater Udo ist immer noch der Betriebsleiter, er selbst ist der Junior-Chef. Mama Regina und Ehefrau Carina arbeiten ebenso auf dem Hof, ein Azubi komplettiert das Team. Und die nächste Generation wächst heran: Nils und Carina von Deetzen haben mit Finn (4 Jahre) und Pia (10 Monate alt) zwei Kinder, die das Hofleben aufmischen.
Während sich Carina von Deetzen aktuell viel um die Kinder kümmert, die aufgrund der Corona-Krise beide daheim sind, ist Nils von Deetzen den ganzen Tag unterwegs. Zwölf Kubikmeter fasse das Güllefass, 18 bis 20 Kubikmeter werden pro Hektar Land ausgebracht. „Wir bewirtschaften 160 Hektar Land“, so der 28-Jährige. Das sind also einige Touren, bei denen die Gülle knapp über dem Boden ausgebracht wird, so dass das Gras davon nicht verklebt wird.
Wachstumsreize
Auf anderen Flächen ist derweil der Auszubildende des Betriebes mit dem Striegel unterwegs: Das kann man ein bisschen mit dem Vertikutieren im eigenen Privatgarten vergleichen. Die Oberfläche wird angeritzt, Moos und Unkraut ausgerissen, das Gras zum Wachstum angeregt und gleichzeitig neuer Samen gesät. „Durch das Striegeln wird das Gras ein bisschen verletzt, das regt zu mehr Wachstum an“, zeigt der Landwirt an einem Büschel. Und das Gras muss jetzt wachsen: Die Kühe sollen schließlich bald auf die Weiden.
Rund 150 Tiere müssen jeden Tag versorgt werden. Dafür klingelt 4.20 Uhr der Wecker. „Kurz nach halb fünf bin ich im Stall“, so der Schweiburger. Melken und füttern: Damit beginnt der Alltag für die Familie. Zum Hof gehört auch eine Milchtankstelle, die täglich bestückt und gewartet werden will und die vor allem in den Sommermonaten gut von Touristen frequentiert wird. „Die Leute sind dann auch neugierig auf die Landwirtschaft, schauen sich um und stellen Fragen. Auch kritische, das gehört dazu und finde ich gut“, erklärt Nils von Deetzen. Er gehört zu einer Generation Landwirte, die Öffentlichkeit herstellen will, um Akzeptanz und Verständnis zu erreichen.
