Seefeld - Sie sind ein eingeschworenes Team. Sie spielen voller Leidenschaft Theater. Sie treten jedes Jahr im Frühherbst mit einem neuen, eigenen Stück auf. Und: Sie gehören fast alle zur Risikogruppe.
Dennoch: Die Theatergruppe der Seefelder Mühle lässt sich von Corona nicht unterkriegen. Ganz im Gegenteil: Die Darsteller feiern die „Poesie des Lebens“, wie auch der Titel der neuen Aufführung lautet.
Auch im Jahr der Pandemie stehen die 14 Darsteller auf der Bühne des Dorfgemeinschaftshauses Seefeld – gemeinsam, aber mit Abstand. Premiere ist am Donnerstag, 24. September, ab 19 Uhr.
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Was genau plant dieTheatergruppe |
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In diesem Jahr, das wie kein anderes ist, bieten sie eine Aufführung, wie es sie noch nie gegeben hat. Es geht um ein ganzes Leben, und es geht um Poesie. Also um Gedichte. Eine Stunde lang wird nichts anderes zu hören sein – kein Dialog, kein Monolog, kein Streit, keine Situationskomik. Nur Gedichte. Von Joachim Ringelnatz über Hermann Hesse bis zu Heinz Erhardt.
Diese Aufführung ist wieder eine grandiose Idee von Heike Scharf. Die Spielleiterin, die die Theatergruppe zu einer großen Gemeinschaft von ganz normalen Leuten geformt hat, die auf der Bühne über sich hinaus wachsen, hat jedes Jahr mit ihren Schützlingen ein ganz besonderes Stück entwickelt. Das Spektrum der Themen reicht von der Bahnhofsmission über das Leben im Gefängnis bis zum ganz alltäglichen Sex.
Auch für dieses Jahr hatte sie ein spannendes Sujet gefunden, und wie immer begannen die Proben im Januar. Doch anders als in all den Jahren zuvor waren sie Mitte März schon wieder vorbei. Nahezu alles musste wegen Corona schließen, auch das Theater. Doch die Akteure blieben in Kontakt, über WhatsApp und E-Mail. Und dort konnte Heike Scharf mitlesen, wie ihnen die gemeinsame Arbeit fehlte. Doch wie sollte das gehen: Proben und Aufführungen mit Abstand?
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Warum wählte die Regisseurin Gedichte |
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Da fiel Heike Scharf eine ihrer Leidenschaften ein: Gedichte! Gedichte können die Darsteller auch mit Abstand lesen. Und so entwickelte die Spielleiterin eine Geschichte mit Gedichten, eine Lebensgeschichte in gebundenen Versen, eben eine „Poesie des Lebens“.
Im Mittelpunkt steht die etwa 85-jährige Regina, dargestellt von Anne Grabhorn, die auf ihr Leben zurückblickt. Dabei sitzt sie in ihrem Rollstuhl mitten auf der Bühne, während Karin Rebmann für sie Gefühle und Bewegungen übernimmt.
Die anderen Darsteller stehen im Schrank – im wahrsten Sinne des Wortes. Jeder in seinem eigenen. Mit Abstand, und doch die ganze Zeit gemeinsam auf der Bühne, die wieder die Form eines U hat. Jeder Lebensabschnitt kommt mit drei Gedichten vor.
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Wer übernimmt welche Rolle |
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Roswitha Barre spricht für die Kindheit, Wolfgang Szyslo für den Krieg, Meike Peschke für den Hunger der Nachkriegszeit, Anke Kloppenburg für den Neubeginn mit dem Wirtschaftswunder. Anneliese Kling gibt der Verliebtheit verspielt Gestalt, Dittmar Sprekelmann der Ehe. Irmgard Rüthemann gibt den Jahren mit den kleinen Kindern eine Stimme, Heike Barre dem Liebeskummer, Cornelia Jürgens dem Alltag und Anja Thümler der Trennung. Gerhard Knoth fasst die Einsamkeit in Worte, Klaus Janssen den Tod.
