Seefeld - Den meisten Seefeldern war Bogdan Harstall bisher nur als Kaufmann bekannt. In seinem Geschäft an der Hauptstraße können sie kaufen, was sie zum täglichen Leben brauchen. Den anderen Bogdan Hartstall, den leidenschaftlichen Fotografen, können sie jetzt in der Seefelder Mühle kennenlernen.
Denn dort und im Mühlencafé hängen seine Bilder unter dem Motto „Der Rumäne und das Meer“. Bis einschließlich Sonntag, 13. November, sind sie dort zu sehen.
Frühe Leidenschaft
Die Leidenschaft für das Fotografieren war Bogdan schon in Jugendtagen geweckt worden. Als 12-Jähriger bekam er seine erste Kamera geschenkt, eine russische Smena. Mit dieser fotografierte er vor allem seine Freunde. Anschließend entwickelt er die Filme im Badezimmer seiner Eltern – zum Entsetzen seiner Mutter. Als sie die schmutzigen Folgen der Arbeit sah, verbot sie ihm die analoge Fotografie.
Während der rumänischen Revolution 1989/90, durch die Ceausescus Diktatur gestützt wurde, fotografierte er ebenfalls. Drei Nächte lang streifte er durch die Hauptstadt Bukarest, schlief zwischen Panzern in der Kälte. Diese Bilder sind nicht mehr erhalten. 2002 wanderte er nach Deutschland aus und arbeitete als Manager eines Irish Pubs. Hier kaufte er sich auch seine erste Digitalkamera.
2008 heuerte er als Bordfotograf auf einem Kreuzfahrtschiff an. In diesem Jahr legte er sich dann auch eine professionelle Ausrüstung zu. Ein Jahr später traf Bogdan Harstall den bekannten Bonner Fotografen Hans Schafgans, der unter anderen Helmut Schmidt ablichtete.
Schafgans war von Harstalls Arbeiten sehr beeindruckt und bot ihm sein Atelier und die Dunkelkammer zur Mitnutzung an und wurde gleichzeitig zu seinem Lehrer und Mentor.
Späte Liebe
2016 eröffnete der Fotokünstler in Bonn sein eigenes Fotostudio, das er bis zu seinem Umzug nach Seefeld 2018 führte. Bis auf ein einziges Bild, das Bogdans Ehefrau Cora Martin zeigt, sind alle anderen Bilder Landschaftsaufnahmen, insbesondere Aufnahmen am Meer, genauer: am Jadebusen in Sehestedt.
Dort verbringt er viel Zeit, um auf den richtigen Moment zu warten, um eine bestimmte Szenerie im Bild einzufangen. Dazu nutzt er nicht nur die Digitalfotografie, sondern auch die analoge. Er verwendet dabei häufig seine Hasselblad-Kamera.
Als Bogdan Harstall vor vier Jahren hierher zog, verstand er nicht, was die Leute so besonders an Sehestedt finden: Es gab kein Wasser und keinen Strand. Es sagt selbst, dass es keine Liebe auf den ersten Blick gewesen war. Es waren mehrere Besuche erforderlich, doch nach dem ersten Sonnenuntergang dort war auch er von der eigentümlichen Stimmung dieses Ortes fasziniert. Von seinem Wohnwagen aus, der dort von Mai bis September steht, macht er sich auf Motivsuche. Manchmal sind es auch einfach nur besondere Momente, in denen er den Auslöser betätigt.
Die Bilder, die dadurch entstehen, lassen dem Betrachter Raum, um eigene Geschichten hineinzuinterpretieren. Die Fotos in der Mühle sind alle am Jadebusen und an der Nordsee entstanden: von Sehestedt über Dänemark bis nach Norwegen. Bogdan Harstall nimmt sich oftmals sehr viel Zeit, um ein Bild zu machen, bis es für ihn perfekt aussieht. Die Bilder stehen allesamt zum Verkauf. Die Hälfte des Erlöses geht an das Kinderhospiz Löwenherz.
